Schießbuden, England 1921 - Welches Gewehr?

  • Servus,


    ich recherchiere anhand eines Romans an dem ich schreibe, welches Gewehr in England, 1921 an Schießbuden verwendet wurde.
    Kann sich jemand erinnern? :D
    Ich vermute (ich kenne mich dabei überhaupt nicht aus), dass es sich um ein Luftgewehr handeln müsste, womöglich wurde es mittels "Knicklauf" gespannt? Das Baujahr wäre wohl irgendwo 1910 angesiedelt und das Modell war wohl eher schlicht gehalten, eben für Jahrmärkte.
    Es wäre nett, wenn mir dabei jemand helfen könnte: Hersteller, Modellname des infrage kommenden Gewehres sowie die einst verwendete Munition.


    Danke

  • Knickläufe gab es damals schon, durchaus. Ich würde eher auf die bekannteren englischen Hersteller setzen (ist auch stilvoller...), etwa BSA (Birmingham Small Arms), die später auch tolle Motorräder hergestellt haben. Das Federdruckluftgewehr BSA Standard Light von 1919 wäre ein hübscher Kandidat (nur, um wegen der guten Fotos einen Eindruck zu geben, wie diese Modelle in etwa ausgesehen haben). Der Spannhebel unter dem Lauf spannt den Federkolben, die Bleirundkugel wurden einzeln durch die seitliche Klappe eingeschoben, siehe 7. Bild von oben (Diabolos gab es erst ab Ende der 1920er Jahre, die passen auch seitwärts nicht rein).


    https://imgur.com/gallery/FVtC1pA


    Andere damals aktive Hersteller in England waren Webley & Scott oder Lincoln Jeffries, aber die ersten Jahrzehnte des 20. Jahrhunderts bis zum WKII gab es unzählige Hersteller auch in Deutschland, die fleißig nach England exportiert haben: Diana, Falke, Haenel und viele mehr.


    Viele davon dürften für Schießbuden aber zu stark gewesen sein, da sie sich auch für die Jagd auf Ratten und Raubzeug generell eigneten. Feuerwaffen wurden in UK durch den Firearms Act von 1920 stark limitiert, so dass viele zu Druckluftwaffen wechselten. Die typischen "Gallery Guns" waren robust und wurden (so auch in Deutschland) mit langen Lederriemen um das Gehäuse an der Schießbahn-Theke befestigt, so dass niemand damit herumlaufen und/oder Unsinn machen konnte.


    Sollte mir noch ein guter Link einfallen, wo man Details dazu nachlesen kann, liefere ich den nach - momentan fehlt die Zeit.


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    Ich bin der Keith Richard dieses Forums und immer noch hier...

  • An den Schießbuden dieser Zeit hätte ich statt Knicker eher Bügelspanner Luftgewehre erwartet.

    Es grüßt der Ottokar :^)

  • Mein Grossvater (Bj 1889) erzählte immer gerne von einem Betriebsausflug an die Basler Herrbstmesse kurz vor Ausbtruch des 1. WK. Die besseren Schiessbuden hatten Vorderschaftrepetietrer von Winchester in .22 kurz. Nach dem Krieg legte er sich dann so eine Waffe zu, die dann viel später von einem Leichenfledderer aus unserer Familie geklaut wurde. Wir Kinder haben damit schieesen gelernt

    Ich habe keine Probleme mit Lactose und Gluten. Als Ausgleich leiste ich mir ein paar Intoleranzen im zwischenmenschlichen Bereich.

  • Hallo und danke für das einstweilige Feedback.


    Somit wäre BSA als Hersteller wohl eine gute Wahl.
    Zu dem Modell ... ich entnahm der Liste der Seriennummern, dass das BSA standard, light, junior (muss mich noch in die Unterschiede einlesen) von Nov. 1910 bis Feb. 1912 hergestellt wurde. Die Seriennummern wären 35530-47029


    Danke, das hat mir schon extrem weitergeholfen. Sehr interessantes Gebiet.
    Falls noch jemand zufällig weitere Details zu dem Modell griffbereit hat, wäre toll - zB. technische Zeichnungen, Gewicht, Länge, ... oder gar, mit welcher Geschwindigkeit die Geschoße austreten und mit welcher Kraft (auf kurze Distanz .... 3-5m einschlagen) ... ich suche natürlich selbst auch Material zusammen ... als Neuling auf dem Gebiet nur etwas schwierig, da sehr viele wirre Informationen zu finden sind.


    Danke für eure Unterstützung. :thumbup:

  • Ich pflichte Ottokar bei. Die Unterhebelspanner von BSA und Lincoln Jeffries dürften für Schießbuden erstens zu teuer und zweitens zu kompliziert gewesen sein.
    Ich würde eher Luftgewehre des GEM-Typs annehmen.
    Einfach was aus dem Sortiment aussuchen:
    https://forum.vintageairgunsgallery.com/gem-air-rifles/
    Die kleineren Modelle dürften so zwischen 3 bis 5 Joule haben, die größeren bis 10 Joule...wenn der Schießbudenbesitzer nicht die Kolbenfeder gekürzt hat, wovon sicher auszugehen ist.

  • Falls noch jemand zufällig weitere Details zu dem Modell griffbereit hat, wäre toll

    Klingt nach einem Kriminalroman. Wenn er gut wird, nehme ich gerne einen.


    Ich würde aber auch ein kleines GEM in betracht ziehen.
    Das sind günstigere Arbeitstiere gewesen.

    Gruß, Ralf
    Alt, aber bewaffnet. :thumbsup:


    Orbis non sufficit quod Omnia tempus habent.

  • Ja, wird Teil 3 meiner Serie ... entsteht aktuell in meinem "mörderischen" Hirn.


    Rätsel über Rätsel :D
    Wofür steht GEM? Ist das eine Norm?

  • Bei Schießbuden zu der Zeit sind Flobert-Gewehre benutzt worden meist im Kal. 6 oder 9 mm, manchmal auch KK. Die Altvorderen hatten noch keine Angst vor Waffen, da galt es als schick im gehobenen Kreis im Herrenzimmer mit Salonpistolen zu schießén...


    Ich hab Nachdrucke von Stutenbrockkatalogen aus der Zeit. Luftgewehre waren eher etwas für den Nachwuchs...



    https://www.thalia.de/shop/hom…0hZguIEAQYAiABEgLxTfD_BwE

    Erik - the master of desaster


    BDS-Western #2970
    FROCS #44
    Red River Trail Crew e. V. 1968



    Gott hat den Menschen erschaffen, weil er vom Affen enttäuscht war. Danach hat er auf weitere Experimente verzichtet (Samuel Langhorne Clemens)

  • GEM steht recht sicher für Eisenwerke Gaggenau

    Ziele hab ich genug im Leben. Nur zu wenig Munition.


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  • Bei Schießbuden zu der Zeit sind Flobert-Gewehre benutzt worden meist im Kal. 6 oder 9 mm, manchmal auch KK.

    In Schießbuden wurden da eher Luftgewehr, "4"mm und 6mm Flobert geschossen.
    KK war eher was für Biergärten/Kneipen mit Schießbahn.
    9mm wurde hauptsächlich zur Haus und Hof Schädlingsbekämpfung eingesetzt, gab es mit Kugel und Schrot.

  • Eine gute Anlaufstelle wäre noch die 1901 gegründete National Smallbore Rifle Association.
    Die geschichtsbewussten Briten haben wahrscheinlich auch noch Bildmaterial zu Schießbuden und wissen, ob- und wie verbreitet solche Jahrmarksattraktionen um 1921 waren.


    Viel Erfolg! Ein Roman, bei dem sachkundig recherchiert wird, muss einfach gut werden. :thumbup:

    Rhino-Lebenserfahrung: Dieses Grünhorn bleibt ein "Greenhorn", egal wie der angezeigte Rang lautet... :saint:

  • Wofür stehen die Buchstaben dann?
    Danke.

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  • Ich würde bei den Schießbuden dieser Zeit auf GEM Typen oder auf Lincoln Jeffries tippen.
    Auch Typen von MGR (Mayer und Grammelpacher Rastatt später Diana) gab es sowohl für den
    britischen und den deutschen Markt. ZB das "Ansonia" das bei MGR als First Modell bezeichnet wird.
    Das waren robuste Gewehre, die gut geeignet waren.


    KK Gewehre waren aufgrund ihrer Einfachheit auch sehr beliebt. Hab ich in den 2000ern noch live erlebt.

  • So schaut ein britische Ansonia aus, welches bei meinem Modell mit MGR Stempeln versehen ist.
    Entweder von MGR für die Briten gebaut oder Teile von MGR. Das Baujahr ist etwa 1905-1910.


  • Stefan, sollen wir eventuell die fertigen Passagen, die
    sich um die Waffe drehen, vorab mal zur Probe lesen?
    Falls sich Fehler einschleichen sollten, könnte man die
    dann noch vorher ausmerzen.


    Außerdem lese ich gerne Kriminalromane. :D

    Gruß, Ralf
    Alt, aber bewaffnet. :thumbsup:


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