Problem mit Weihrauch HW30s

  • Hallo zusammen!


    Ich bräuchte mal eure Expertise zu folgendem Problem:
    Heute Abend habe ich ein wenig geschossen mit meiner Weihrauch HW30s. Bei der letzten Runde Plinken auf den Entenkasten habe ich plötzlich nichts mehr getroffen. Ich habe auf die Scheibe gewechselt, und siehe da, plötzlich sind alle Schüsse tief im Vergleich zum Haltepunkt, um ca. 2-3cm tiefer bei einer Entfernung von ca. 10m.


    Ich habe zuerst gedacht, es läge an mir, also schnell das ZF aufgeschraubt aber genau das gleiche Bild wie zuvor mit Kimme und Korn. Also Kimme gerastet, dass es so einigermaßen passt auf die Schnelle und auf den Entenkasten gewechselt. Und da dann der nächste Schreck, die Enten bleiben nur zu 50% unten, Aufstellen funktioniert gar nicht mehr. Selbst mit der HW40 ist das kein Problem auf die Entfernung.


    Kann es sein, dass sich die Feder gesetzt hat?


    Ich weiß, aus der Ferne ist es schwierig ein Problem zu beurteilen. Das Gewehr ist übrigens ca. 2 1/2 Jahre alt - so etwa 10.000 Schuss dürfte es hinter sich haben (ausschließlich Flachkopfdias). Es steht warm und trocken.


    Hat jemand einen Tipp? Danke schonmal im Voraus.

  • Zuerst würde ich nach der Laufdichtung schauen, ob da ein Riss ist. Das würde auch den rapiden Leistungsverlust erklären, anders als ein allmäliches Setzen der Feder. Andererseits könnte die Feder gebrochen sein.

    "Je mehr Regeln und Gesetze, desto mehr Diebe und Räuber." Lao Tse (6. Jh. v. Chr.)

  • Eben gerade auf die Schnelle aufgemacht. Die Feder sieht soweit in Ordnung aus.


    Die Länge beträgt 15cm. Was meint ihr dazu?

  • Moin!


    Täuscht das, oder ist die tatsächlich krumm wie ein Lämmerschwanz?
    Wenn die wirklich krumm ist, weg damit!
    Und am besten die Länge mit der Länge einer neuen Feder vergleichen.
    15cm kommt mir extrem kurz vor!

  • Moin,


    Schlagartiger Leistungsverlust durch die Feder tritt bei Federbruch auf.
    Natürlich ermüdet eine Feder im Laufe der Zeit, dies macht sich eher bemerkbar, indem man auf längere Zeit die Visierung nachstellen muß.


    Deine Beschreibung passt, da die Laufdichtung schon ausgeschlossen ist, eher auf die Kolbendichtung.
    Ich tippe auf Verschleiß der Gleitfläche zur Systemhülse oder sie ist eingerissen.
    Mach die HW 30 auf, schau Dir die Kolbendichtungen an, ebenso die Feder.
    Ist die Feder nicht krumm, kannst Du diese weiter verwenden.
    Kolbendichtung vom Fett befreien, reinigen, an der vorderen äußeren kante wird sicherlich ein kleiner Riss zu finden sein.
    Da du das System jetzt eh offen hast, alles vom Fett befreien, den Schlitz wo der der Spannhaken den Kolben in der Hülse bewegt, innen entgraten. Sonst kann kann die neue Kolbendichtung gleich wieder kaputt gehen.


    Ich würde empfehlen, Kolbendichtung und Laufdichtung zu wechseln.
    Feder nach eigenem ermessen.
    Am besten gleich noch eine vordere Federführung einbauen.
    Ein anständiges Fett, sparsam aufgetragen wo es sein soll.
    Sonst haste am Ende eine Fettpresse, die gewaltig dieselt.


    Gruß Toto

  • Hallo,


    hast du ein Chrony, womit du die V0 testen kannst?


    Die Feder sieht optisch zwar nicht mehr schön aus, weil sie leicht "verbogen" ist, kann aber durchaus noch brauchbar sein. Eine "gute Feder" sollte man auf beiden Enden hochkant hinstellen können und sie sollte stehen bleiben.
    Über die Jahre nach längeren Gebrauch, sehen aber viele Federn irgendwann so aus und wenn die Leistung trotzdem noch vorhanden ist und man damit gut trifft, muss man die Feder nicht zwingend wechseln.
    Ein Federbruch hast Du augenscheinlich ja schon mal nicht. Kann also durchaus sein, das die Feder sich etwas gesetzt hat.
    Wie sieht die Kolbendichtung aus?


    Noch einmal eine dumme Frage:
    Eine andere Dose Diabolos hast du beim schießen nicht verwendet, wo die Treffer auf einmal 2 - 3 cm tiefer waren?
    Das der Lauf nicht richtig eingerastet ist, schließe ich mal aus, da Du das Problem ja auch mit Kimme und Korn hattest.
    Beim Schießen mit ZF kann das auch manchmal das Problem sein.

    Mitglied im Europäischen Bundesrat für verbastelte Druckluftwaffen.
    Planlos geht mein Plan los.


    !!! Bitte keine Anfragen mehr, ob ich etwas fertigen kann !!!

  • Vielen Dank Leute, ihr seid super.


    Einen Chrony habe ich leider nicht. Diabolos sind die gleichen wie immer, sogar die gleiche Charge aus einer 5000er Verpackung. Ich komme heute leider nicht mehr dazu, mir alles genauer anzuschauen. War heute morgen schon eine Hauruck-Aktion. Ich berichte dann ausführlich, wahrscheinlich Montag Abend, eher Dienstag.


    Nochmals vielen Dank.

  • Hallo,


    deiner Beschreibung nach tippe ich auf die Kolbendichtung. Die Originaldichtungen der 30er besitzen, im Vergleich zu den anderen Systemen, leider ein relativ anfälliges Design: Fallschirmdichtung aus weichem PU mit im Verhältnis deutlich zu schmaler Dichtlippe. Die rauchen ganz gern mal ab, vor allem wenn ab Werk zu dünn oder übermäßig geschmiert wurde!
    Dieses Problem habe ich selbst auch schon öfter gesehen.
    Wenn du die Dichtlippe genau inspizierst fällt meist eine kleinere Stelle auf, die ausgefranst ist, oder bei der man deutliche Laufspuren, manchmal auch dunkle Verfärbungen, erkennen kann.


    Was die Feder betrifft, so ist hier die Problematik auch schon öfters angesprochen worden. Es ist allerdings so wie 'Ferrobell' bereits angemerkt hat; die muss nicht unbedingt defekt sein. Die HW 30 besitzt einen relativ kurzen Hub, was für ein 7,5J Gewehr eigentlich von Vorteil ist, birgt jedoch den Nachteil, dass die Feder beim Spannen auf relativ wenig Raum komprimiert werden muss! Das bedeutet logischerweise auch Stress für die Feder! Und die meisten HW 30 Federn reagieren hier leider sehr empfindlich.


    Was die Federlänge anbelangt:
    Ca. 150 mm sprechen schon für eine ordentlich gestauchte HW 30 Feder. Die Leistung sinkt bei dieser Länge je nach Geschoss dann meistens auf ca. 6J, je nach Feder auch etwas darunter!


    Eine neue Feder besitzt ca. 170mm Länge. Gesetzte Federn, die eine E0 von ca. 7J bringen besitzen meist eine Länge von +- 160 mm.


    Das ist alles aber immer abhängig von den verwendeten Diabolos! Die meiste Energieausbeute bei guter Präzision erhält man hier in der Regel mit weichen Legierungen, wie bspw. bei JSB Diabolos!


    Ich würde an deiner Stelle:
    - Neue Ersatzfeder ordern (Kostenpunkt zwischen 12 -15€)
    - Dichtung wechseln auf z.B. Vortek 25mm
    - Bessere Führungen verbauen (z.B. TbT Kit)
    Wenn dieses verbaut wird, dann kann man die Ersatzfeder auf ca. 165-160 mm kürzen und anlegen. Die E0 passt dann erfahrungsgemäß ziemlich genau und du nimmst den Stress der Federstauchung aus dem System (Weniger Prelaod).


    Angenehmer Nebeneffekt: Das Gewehr wird leiser, in der Regel präziser und besitzt eine sattere/schönere Schusscharakteristik.
    Alles fein säuberlich mit gutem MoS2-Fett schmieren und du besitzt einen TOP-Knicker, der mit weitaus teureren Modellen konkurrenzfähig ist!


    Gruß
    UCh

  • Vielen Dank für die ausführlichen Antworten und Ratschläge.


    Ich habe eben gerade das Gewehr weiter zerlegt, allerdings bin ich immer noch ratlos, wo der Fehler liegt. Aber der Reihe nach:


    1. Die Feder ist tatsächlich so krumm, wie es auf dem Bild aussieht. Sie bleibt also nicht stehen, wenn man sie auf eines ihrer Enden hochkant stellt.=> neue Feder wird bestellt.


    2. Die Kolbendichtung sieht intakt aus. Sie hat ein paar kleine Schlieren auf der einen Seite, siehe Bild, aber keinen sichtbaren Riss.


    Wenn ich den Kolben mit der Hand vorschiebe und auf das Loch meinen Daumen presse, höre ich es nicht Zischen, und nach kurzer Wegstrecke ist auch Schluss mit dem händischen Vorschieben. Wenn defekt, müßte doch eigentlich kein Druck aufgebaut werden können?


    Da schonmal offen, bestelle ich auch gleich eine neue Dichtung. Die VortekVacSeal25 für ca. EUR 20 ist die Richtige?


    3. Am Kolben gibt es zwei Distanzscheiben, die mit einem kleinen O-Ring vorne gehalten werden. In einem anderen Thread hier im Forum habe ich gelesen, dass das aber normal ist. Aber: An einer dieser Scheiben habe ich zwei Rillen gesehen, die entsprechen in der Lage etwa denen an der Dichtung. Die Hülse habe ich ausgeleuchtet und geschaut, ob da eventuell ein Grat vorhanden ist. Aber auch da habe ich nichts gesehen.


    4. Zu guter Letzt habe ich nochmal die Dichtung zum Lauf überprüft. Auch da Daumen am einen Ende drauf und am anderen Ende Luft — auch da entweicht nichts.


    Vielleicht erkennt ihr ja etwas, was ich mit - zugegebenermaßen nachlassender Sehschärfe im Nahbereich - übersehen habe.


    Ansonsten ist mein Plan, alle Dichtungen tauschen und neue Feder.

  • Ich würde auch die Feder und die Kolbendichtung erneuern.
    Die VAC Seal 25 ist richtig!
    Die Unterlegscheiben im Kolben würde ich samt O- Ring heraus schmeissen.
    Die Laufdichtung sieht noch gut aus.


    Wenn Du deiner HW 30 noch etwas gutes gönnen möchtest, dann setzt du noch eine vordere Federführung ein.
    Wichtig ist es auch, das beim Zusammenbau alles richtig geschmiert wird.


    Viele Informationen dazu findest Du hier:
    Vorstellung: Weihrauch HW 30 "Match" TbT - Demontageanleitung HW 30S - Einbauanleitung Tinbum Tuning Kit

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    !!! Bitte keine Anfragen mehr, ob ich etwas fertigen kann !!!

  • Vielen Dank an @Markus30S @KannDasNicht @holztoto @Unfallchirurg @Ferrobell für die ausführlichen Antworten und die Anleitungen, wie was zu machen ist. War das erste mal, dass ich die HW30 zerlegt habe.


    Also Ersatzfeder wird bestellt, ebenso wie die Vortek-Dichtung. LiquiMoly LM47 habe ich hier noch irgendwo in meinem Fundus.


    Beim TbT-Kit bin ich noch unschlüssig, da ich zwar dank Euch eine klare Anleitung habe, wie die Feder zu kürzen ist, um nicht über 7,5 Joule zu kommen - aber: In der Beziehung bin ich zugegebenermaßen ein kleiner Angsthase - zur Sicherheit bräuchte ich dann noch einen Chrony. Und da ich das Kit aus UK wohl bestellen muss, kommt zum ganzen Verfahren mit dem Zoll auch Einfuhrumsatzsteuer oben drauf, so dass ich bei ca. 50 EUR bin nur für das Kit. Das ist mir als Freizeitschütze dann doch ein bißchen viel, wenn ich alles zusammenrechne. Muss ich mir nochmal durch den Kopf gehen lassen.

  • kleines Zwischenupdate:
    Ich habe mir heute Abend mal Zeit genommen, da ich immer noch nicht den rapiden Leistungsabfall nachvollziehen konnte - ließ mir einfach keine Ruhe. Habe das ganze System nochmal gründlich vom Fett und Schmutz befreit. Danach alles dünn geschmiert und penibel darauf geachtet, nicht den vorderen Teil der Kolbendichtung vollzukleistern. Zusammengebaut, festgestellt, dass die automatische Sicherung nicht funktioniert, nochmal die Abzugseinheit neu eingesetzt und alles fertig gemacht. Und jetzt die Überraschung: Sie funktioniert wieder soweit, dass die Entchen umfallen und wieder aufgerichtet werden. Der Spannvorgang ist auch um Einiges geschmeidiger.


    Neue Feder und Dichtung werden trotzdem bestellt, jetzt weiß ich ja, wie alles funktioniert. Ich habe so den Verdacht, dass sich vom reichlichen Fett ein Teil zusammen mit Schmutz an der Kolbendichtung abgelagert hat oder im Kompressionsraum einen Grat gebildet hat.


    *schmunzel*
    Das ist mir schon klar, dass das TbT-Kit eine gute Empfehlung ist. Bin bisher mit allen Tipps hier aus dem Forum gut gefahren, daher habe ich ja auch eine HW30s. Mal schauen.

  • Hi, da ich auch nicht in UK bestellen wollte und eh ein Setbackzüngel für meine HW95 wollte, habe ich mir bei AirJoe das Federkit mitbestellt. Da bekommst du das komplette Set incl. angepasster Feder. Hat bei mir super funktioniert und werde ich meiner HW30s auch noch spendieren.


    Eigentlich traut man sich kaum zu schreiben wenn hier nur die Profis am Start sind :)


    Gruß
    Frank

    Weihrauch ist wie Chips essen, wer einmal anfängt kann nicht mehr aufhören :D

  • Eigentlich traut man sich kaum zu schreiben wenn hier nur die Profis am Start sind

    Davor brauch man keine Angst haben! ;)
    Allwissend sind die "Profis" auch nicht.


    Mit dem Federkit von AirJoe habe ich noch keine Erfahrung.
    Ein kleiner Bericht dazu wäre sehr schön.

    Mitglied im Europäischen Bundesrat für verbastelte Druckluftwaffen.
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    !!! Bitte keine Anfragen mehr, ob ich etwas fertigen kann !!!

  • Federführungen zu drehen ist ne Kleinigkeit, die hier einige Leute herstellen können (mich eingeschlossen)
    Das Problem an der Sache ist aber immer, das diese die Leistung auch über 7,5J bringen können. Wenn dazu dann noch die Feder erstmal gekürzt und angelegt werden muss, hat man am besten das ganze Gewehr bei sich.
    Die Feder nicht vor Ort zu haben und nach Messungen von jemand anderes die Federführungen zu drehen, geht meistens auch schief.

  • Aus diesem Grund habe ich mir auch das komplette Kit bestellt. Die Federführungen sind auf die mitgelieferte Feder angepasst und die Feder selbst gekürzt und angelegt. Ich denke mal auf so eine Art „Grundeinstellung“ aufgrund Erfahrungswerte. Über die beigelegten Washer kann man dann die Leistung anpassen. Ich hab bei meiner HW95 einen dünnen eingelegt, sodass sie bei 7,5J läuft. Für mich als Anfänger war das eine einfache Lösung, da ich keine Möglichkeit zum Drehen habe und mich das Kürzen der Feder etwas abschreckt.


    Gruß
    Frank

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