Meine 24 Jahre mit der CP 88 - Bericht und Fragen

  • Am 1. März 1997 kaufte ich mit bei PW Interarms in Dortmund meine erste CO2-Pistole, eine Walther CP 88, zum Preis von DM 289,- inkl. 15% MWSt.


    Ich war glücklich, denn mit ihr waren die Zeiten des Diabolo-einzeln-Ladens und des Seitenspannens vorüber. Ich schoss im Keller auf eine Distanz von ca. 7 Metern auf Kugelfang plus Scheibe. Die Treffgenauigkeit überzeugt mich noch nicht ganz, aber das Schießen machte dennoch sehr viel Freude, bis …


    Bis am 17. März, also ca. zwei Wochen nach dem Kauf, sich die Waffe nicht mehr spannen ließ X/ . Double-Action war noch möglich, aber der Hahn ließ sich einfach nicht mehr einrasten. Also zurück zum Händler. Der schickte sie zu Umarex. Die setzten die Waffe instand. Ich bekam sie zwei Wochen später wieder zurück und war wieder zufrieden, bis …


    Bis am 5. Juni des gleichen Jahres das selbe wieder passierte :cursing: . Diesmal wendete ich mich direkt an den Walther Kundenservice in Arnsberg. In einem Brief (E-Mail hatte ich damals noch nicht) schilderte ich den Fall und fragte nach, ob es sinnvoll sei, erneut den Gewährleistungsweg zu beschreiten, und ob es sich nicht vielleicht um einen Konstruktionsfehler handele. Ich hatte die Waffe komplett zerlegt und hatte herausgefunden, dass es sich um einen kleinen Stift handelte (Zylinderstift Pos.16), der einfach in die untere Gehäusehälfte eingeschlagen wird, jedoch kein Gegenlager besitzt. Dieser Stift löst sich bei häufiger Benutzung der Waffe selbständig.


    Am 20. August (!) bekam ich dann Antwort aus Arnsberg, des Inhalts, dass man es sehr bedaure, dass ich „derartige Schwierigkeiten“ mit der Waffe habe und ich sie doch bitte einsenden solle, damit man sich „die Schäden genau ansehen“ könne und die Waffe „sowohl technisch, als auch äußerlich in den Idealzustand“ zu versetzen. Keinerlei Antwort auf meine Fragen. Der umständliche Postweg und die Ungewissheit einer permanenten Lösung hielten mich schließlich ab.


    Ich setzte den Stift also wieder ein. Diesmal kühlte ich den Stift und erwärmte das Gehäuseteil, um die Verbindung ein wenig strammer zu gestalten. Das Zerlegen und besonders der Zusammenbau der CP 88 ist ein ziemliche Fummelei, bei der einige flugfähige Teile (Federn, Kugeln) involviert sind. Deshalb hoffte ich inständig, dass ich das in der Zukunft nie mehr machen müsste.


    Und tatsächlich: Die Waffe tat ab diesem Zeitpunkt zuverlässig was sie tun sollte. Ich hatte wieder Spaß an ihr und kaufte mir im Januar 1999 sogar noch das 6-Zoll-Wechsellaufsystem dazu. Das war zwar relativ teuer und sah dafür auch noch shice aus, aber die Treffgenauigkeit erhöhte sich deutlich. Also baute ich sie ab und zu zum Schießen um, konnte mir das Elend aber nie lange anschauen und baute sie bald darauf jedes Mal wieder zurück (Näheres dazu gibt es hier).


    Es folgte eine längere Periode, in der ich kaum noch Freude am Schießen hatte, und die CP88 lag überwiegend gut geölt in ihrem Koffer im Schrank. Erst Mitte der 2010er Jahre bekam ich wieder Lust darauf und kaufte mir dann auch noch ein paar weitere Exemplare dazu, die ich nun wieder intensiver und im Wechsel schoss, bis …


    Bis im März 2019 mal wieder nichts mehr ging an der Walther – diesmal aber wirklich gar nichts :cursing: . Also wieder zerlegen, wobei mir eine Rastkugel abhanden kam, und den Schaden gefunden: Die Zugstange (Pos.20) war durchgebrochen, und der übliche Stift war auch schon wieder lose. Wahrscheinlich hat das Letztere das Erstere zur Folge gehabt.


    Erneut Umarex angeschrieben und um Zusendung der Zugstange sowie 3 Rastkugeln (damit man mal Reserve hat) gebeten. Diesmal ging es recht schnell: Die richtigen Ersatzteile bekam ich per DHL nur wenige Tage später, inklusive Rechnung: Zugstange 14,40€, drei Rastkugeln 15,-€ =O . Zugstange eingebaut, Zylinderstift wieder eingeschlagen, alles geölt bzw. gefettet – mal schauen, wie lange das diesmal hält. Bis jetzt gab es noch keinen Anlass zu Klagen.


    Fazit nach 24 Jahren: Die Walther CP 88 liegt sehr gut in der Hand, sieht äußerlich phantastisch aus (ohne 6“-Lauf) und ist auch ausreichend treffgenau und ist sparsam mit dem CO2 (zwischen 60 und 70 Schuss mit einer Kartusche). Auf der Minusseite steht die technische Anfälligkeit, die ich bei einem Konstruktionsmangel verorte. Insgesamt also ein durchwachsenes Bild. Dennoch habe ich nicht die Absicht, diese Waffe in absehbarer Zukunft zu veräußern – nachdem ich sie nun schon so lange besitze.


    (A) ist der Zylinderstifft, der sich immer wieder löst. (B) ist die Zugstange, die gebrochen ist.


    Da die CP 88 ja immer noch verkauft und produziert wird, würde mich interessieren, ob sich mittlerweile technisch etwas geändert hat, oder ob jemand ähnliche oder sogar bessere Erfahrungen mit ihr hatte. Und an alle, die’s bis hierher geschafft haben: vielen Dank für das Interesse :) .

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    Taktik besteht darin, zu wissen, was zu tun ist, wenn etwas zu tun ist. Strategie besteht darin, zu wissen, was zu tun ist, wenn nichts zu tun ist.


  • Setz den Zylinderstift mit Loctite ein,

    dann hast du Ruhe.

    Weise einen intelligenten Menschen auf einen Fehler hin und er wird sich bedanken.
    Zeige einem dummen Menschen einen Fehler und er wird dich beleidigen.

  • Ja, vielleicht werde ich das beim nächsten Ernstfall tun. Jetzt bleibt sie erstmal wie sie ist – die Frickelei beim Auseinander- und Zusammenbau muss ich mir nicht öfter als nötig geben :| .

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    Taktik besteht darin, zu wissen, was zu tun ist, wenn etwas zu tun ist. Strategie besteht darin, zu wissen, was zu tun ist, wenn nichts zu tun ist.


  • Qualther


    Also so schlimm finde ich die CP88 auch nicht vom zerlegen her. Hatte meine damals auch mehrfach zerlegt

    um am Abzug zu arbeiten wie auch an meiner C225 (sind eigentlich innen baugleich). Bei der C225 ist gleich

    nach ein paar Monaten die Zugstange gebrochen, da ging garnix mehr und wurde con Umarex Repariert. Die

    CP88 hatte ich gebraucht gekauft und hat immer tadellos funktioniert. Mittlerweile liegt die nur noch im

    Schrank, es fehlt einfach die Zeit.


    Gruß

    Thomas

  • Ich habe meine Umarex Walther CP88 in der vernickelten 6 Zoll Version mit Holzgriffschalen so um das Jahr 2000 erworben.

    Bauteil Nummer 13, also die Hahnfeder war bisher das einzige Bauteil das ich ersetzen musste.

    Damals habe ich Umarex einfach angeschrieben und man hat mir für kleines Geld zwei Stück dieser Feder in einem Brief zukommen lassen.

    Ansonsten hatte ich keine weiteren Probleme mit der CP88.

    Das sich die Trommelmagazine nach einigen tausend Schuss abnutzen, dass zählt für mich nicht als Mangel sondern ist einfach ein Teil des normalen Verschleißes.

    Die Magazine habe ich auch immer für kleines Geld nachgekauft.

    So um 2015 habe ich meine CP88 an einen Schützenkollegen verkauft und er hat sie heute noch gelegentlich auf seinem Dachboden Schießstand im Einsatz.