Daisy 99 Champion, Vorstellung und Test

    This site uses cookies. By continuing to browse this site, you are agreeing to our Cookie Policy.

    • Daisy 99 Champion, Vorstellung und Test

      Immer auf der Suche nach Mehrlader-Luftgewehren, bin ich auf einen Unterhebel-Repetierer
      aus den USA gestoßen, der schlichtweg als 'World's most accurat BB-Gun' bezeichnet
      wird. Ein weiteres Beispiel für die berühmte amerikanische Bescheidenheit. :rolleyes:

      Hat mich aber schon immer gereizt, so ein Teil zu haben und die Aussage auf ihren Wahrheits-
      gehalt zu überprüfen.
      Als nun eines dieser Gewehre -passend zur Typenbezeichnung- für 99 Euro Sofortkauf angeboten
      wurde, habe ich zugeschlagen.

      Das ist nun, dieses Wunderwerk der BB-Technik, das Daisy 99 Champion:



      Das Teil ist mit 92,7 Zentimetern Länge, recht klein und handlich, das Gewicht
      beträgt lediglich 1.430 Gramm.

      Das geringe Gewicht resultiert aus der Bauweise des Gewehres. Die Systemhülse und
      das Abzugsgehäuse bilden eine Einheit, die aus zwei punktgeschweißten Blechprägeteilen
      besteht. Die Systemhülse bildet gleichzeitig die Laufattrappe. Der eigentliche Lauf bildet
      eine separate Einheit mit dem Magazin und wird nach dem Laden mit ca. 30 BBs, in die
      Laufhülse eingeschraubt.

      Gebaut wurde das Modell vom Anfang der 60er Jahre bis 1980. Die Modelle 299 und das
      heute noch aktuelle Avanti 499 folgten nach.

      Wie alt das hier vorgestellte Teil ist, lässt sich nicht feststellen, da es aber :F: gestempelt
      ist, muss es nach 1970 nach Deutschland gekommen sein. Lustig, dass so etwas zur Zu-
      lassung in Deutschland einen :F: Stempel benötigt. Ist so, als würde man einem Mexico-
      Käfer zur Zulassung V-Reifen vorschreiben. :whistling:
      Jedenfalls hatte ich das Glück, dass mein Spielzeug nicht nur voll funktionsfähig, sondern
      auch noch komplett ist. Sogar der originale Tragegurt ist dabei.
      Einige Macken in Vorder- und Hinterschaft, sowie einige Kratzerchen an dem schwarz be-
      schichteten System, sind normal und lassen sich verschmerzen.

      Aber eines ging gar nicht. Das Gewehr war nass. Eine Mischung aus Wasser und Oel war
      aussen am Gewehr sichtbar, wo diese stellenweise in zähen Tropfen an System und Schaft
      klebte.
      Auch das Innere des Gewehrs war voll von dem Zeug. Am schlimmsten, war der Geruch.
      Eine Mischung aus Babypuder, Vanille und Zimt, süßlich und ekelhaft und wohin man auch
      fasste, das ganze Teil klebte.

      So musste ich tun, was ich aus Neugier eh getan hätte. ^^ Ich zerlegte das Daisylein.



      Viel Teile hat's nicht. Alles überschaubar und einfach.

      Das einzige Problem beim Zerlegen ist, dass dis Systemhülse sich nicht zerlegen lässt
      und man muss schauen, wie man an die Innerein kommt. Sehr hilfreich dabei, war diese
      Kopie, des originalen Service-Handbuches:

      network54.com/Forum/576299/mes…++99.+++++Service++Manual.

      Hier zeigte sich, dass man zum Ausbau des Kolben, ein Spezialwerkzeug benötigt. Dieser
      ähnelt etwas dem Ausbauwerkzeug für die Haenel Repetierer-Modelle 49a und 310, nur dass
      dieses Werkzeug für das Daisy viel zu groß ist.
      So habe ich mir das Werkzeug rasch selbst gemacht. Etwas dicker Draht und ein Stückchen
      Holz, das sollte gehen.



      ...und zum Vorschein, kam dieses:



      Ein minikleiner Kolben, mit einem Stoßröhrchen. Das gleiche Prinzip, wie man es bei den
      Haenels findet. Erstaunlich stramm ist die Feder und die Kolbendichtung ist ein Gummiteil,
      hinter dem ein Schmierfilz-Ring angebracht ist.Sehr nett.

      Ich habe die Innenteile nur gereinigt und von dem stinkenden Schmierfilm befreit. Technisch
      war alles OK und so habe ich den Kolben auch gar nicht weiter zerlegt.

      Dringend gereinigt werden, musste auch der Lauf, der mit dem Röhrenmagazin eine Einheit
      bildet:



      In das Röhrenmagazin passen gut dreissig BBs. Da man den Lauf nebst Magazin zum
      Laden aus dem System herausschraubt, gestaltet sich das Laden angenehm einfach und
      längst nicht so fummelig, wie bei meinem Gamo 1200.
      Auch hier war lediglich eine gründliche Reinigung und Schmierung notwendig, wie auch beim
      Abzugssystem...



      (hier kommt richtiges Spielzeug-Feeling auf)

      und dem...



      Unterhebel, der übrigens aus Metall ist. Die Abnutzungen am Unterhebel kommen davon, dass der
      Hebel am Systemgehäuse längs schrappt, wenn man den Hebel betätigt. Hatte das lackiert, aber
      schon nach dem ersten Ladevorgang, fehlte die Farbe schon wieder. Muss also so sein. Meinetwegen.

      Die urige Visierung war verbogen. Ich habe sie gerichtet, jetzt geht's wieder. Sie ist diopterähnlich
      und sowohl horizontal, als auch vertikal einstellbar.



      Das Korn ist hier ein Ringkorn, in einem Kornträger. Für diesen gab es auch verschiedene
      Wechselkorne.

      Die Holzteile habe ich lediglich gereinigt und an den bestoßenen Stellen mit Schaftoel
      behandelt.
      Besonders schön, am Hinterschaft:



      ...eine eingelassene Medaille, die den tatsächlichen Einsatzzweck des Gewehrchens zeigt,
      nämlich den, der Jugend den Umgang mit Waffen nahe zu bringen. Dafür ist das 99 Champion
      durch sein geringes Gewicht und den kleinen Abmaßen ideal geeignet. War sozusagen was für
      die amerikanische GST. :D
      Einzig der Spannvorgang ist nichts für die ganz Kleinen. Geht doch ein wenig schwer.

      Als alles wieder beinander war, (der Kolben hat sich recht tapfer gewehrt) folgte nun der
      Schußtest.
      Akkurat, oder Playmobil?

      Immerhin ist der Lauf nicht gezogen und haptisch ist das Teil von einem 'richtigen' Gewehr
      eine ganze Ecke entfernt.
      Also, Lauf rausschrauben, laden, Lauf reinschrauben, spannen *Ächz!*, anlegen, zielen und...

      und...



      Das sind sechzig (60!) Schuss auf 5 Meter. (Mehr Platz hab' ich im Werkstättle nicht.)

      Lustig, die Ausreisser nach unten. Da die lange Magazinfeder nicht mehr ganz so stramm ist,
      feuert das Teil, wenn das Magazin fast leer ist, zum Schluss zwei Kugeln auf einmal ab und
      die haben dann etwas 'Tiefgang'.

      Fazit, ein schönes Teil Geschichte für die kleine Sammlung. Kein Kracher, aber ein angenehmes
      Spielzeug zum Plinken und um den Enkel zum Kugelschubsen zu infizieren. ;)
      Dabei aber exakt genug, damit's Spass macht und nicht langweilig wird.

      Ein wirklich angenehmes, kleines Gewehrchen, das Daisy 99 Champion.



      liebe Grüsse ... Patrick




      co2air.de/thema/104578 - Bügelspanner-Info
      co2air.de/thema/106784 - Haenel 49a-Info
      co2air.de/thema/106288 - Haenel 310-Info
      co2air.de/thema/107264 - Haenel 310-2/3-Info - Abzugseinheit Instandsetzung
      co2air.de/thema/107611 - Feinwerkbau 601 Service-Info

      Tom O'Toole said: 'Don't complicate your life!'

      ------------------------------

      ¡ No ahorcar Galgos !