Pistole 8mm: Reck Miami 92

  • Die Waffe, die der Reck Miami als Vorbild diente, wurde 1984 als Beretta 92 SB-F vorgestellt und später in Beretta 92 F umbenannt. 1985 übernahm die US-Army diese Pistole als neue Standardpistole M 9.
    Ungefähr um diese Zeit stellte die Firma Reck International, eine Umarex-Tochter, den ersten Beretta 92 F-Klon vor - die Reck Miami 92.
    Für die damalige Zeit war die Miami mit ihrer großen Magazinkapazität im doppelreihigen Magazin eine echte Ansage. Auch ich stand damals vor der Waffe und überlegte, ob ich die 198.- DM für das Grundmodell ( brüniert mit Kunststoffgriffschalen ) ausgeben solle oder doch lieber eine andere 8 mmK SSW zu kaufen. Ich entschied mich damals dann für die günstigere GPDA 8, welche nur 14-schüssig war.
    Aber die Miami hat mich nie wirklich losgelassen und vor einigen Jahren kaufte ich mir sie endlich - zwar etwas gebraucht, aber so gut wie neuwertig. Seitdem muss sie jedes Jahr zu Silvester ran.



    Vorbild: Beretta 92 F
    PTB 481
    Beschuss: KA = 1990, in Köln
    Kaliber: 8 mm K
    Kapazität: 18 Schuß
    Gewicht: 1160 g
    Länge: 214 mm
    Breite: 39 mm (an den Sicherungshebeln )
    Höhe: 143 mm


    Alle Werte sind selbst ermittelt



    Verarbeitung
    Die Miami ist gut verarbeitet, Formteilungsspuren sind nur im Bereich des Abzuges zu erkennen. Alle anderen Oberflächen sind poliert, was sich bei der Brünierung ( Beize ) bemerkbar macht. Diese ist nämlich spiegelblank und für eine Zinkbeize sehr haltbar. Die Passungen der einzelnen Bauteile sind gut bis sehr gut, nichts klappert, nur die beidseitigen Sicherungshebel haben deutliches Spiel und sind etwas wackelig ( und sollen bei häufigen Trockenabschlagen brechen ).
    Was allerdings bei der sonst gut gemachten Waffe stört, ist die Materialwahl. Es ist eigentlich alles aus Zinkdruckguss gefertigt, selbst Teile des Abzuggestänges. Stahl findet man nur am Innenlauf mit der Sperre, den Auszieher, Schlagbolzen, Federn und dem Magazingehäuse.
    Der Patronenstoßboden ist ebenfalls aus Zink, da arbeiten sich die Zündhütchen langsam, aber sicher, ein. Die hier vorgestellte Miami hat schon eine deutliche Vertiefung um das Schlagbolzenloch.
    Auch rein Zinkdruckguss ist der Hahn, in den sich der recht schmale Schlagbolzen nach und nach eingräbt.
    Was den normalgroßen Benutzer einer Miami auf jeden Fall stört, sind die viel zu eckigen und zu klobigen Griffschalen. Da aber mit ein wenig Nacharbeit im Bereich des aussenliegenden Abzuggestänges jede Griffschale der Original Beretta passt, habe ich meiner Miami Gummigriffschalen im Pachmayrstil verpasst. Dadurch verbessert sich die Haptik erheblich und lässt die Miami zum Handschmeichler mutieren.


    So sieht ein Hahn nach ca. 600 Schuß aus. Ein neuer Hahn liegt schon bereit, aber noch zündet der alte Hahn zuverlässig die Patronen.


    Funktion
    Fangen wir bei der Zerlegung der Miami an. Bei der Originalwaffe liegt vor dem Schlittenfanghebel ein Schwenkhebel, welcher um 90° nach unten gedreht wird, um die Waffe zu zerlegen. Optisch ist der Hebel auch bei der Miami vorhanden, aber in der Bedienung doch ganz anders. Statt zu drehen, muss man bei der Miami diesen einfach reindrücken und gedrückt halten. Danach bei der Waffe ( vorher entnommenes Magazin ) den Schlitten nach hinten ziehen und dabei etwas nach oben drücken. Ungefähr auf dem halben Weg nach hinten läßt sich der Schlitten hinten nach oben abnehmen und nach vorne vom Griffstück schieben.



    Die Miami wartet weiterhin mit einer Sicherheitrast im Hahn, einer leichtgängigen beiseitigen Walzensicherung, die gesichert den Schlagbolzen umhüllt, und einem funktionierenden Schlittenfang auf.



    Die Magazinkapazität von 18 Schuß ( ich bekomme in benutzte Magazine 19 Schuß ) ist recht üppig und wie für Silvester gemacht. Was dies ein wenig trübt, ist das zeitraubende Aufmunitionieren. Damit es keine Störung gibt, muss beim Laden des Magazins darauf geachtet werden, daß keine klappernden Patronen im Magazin sind. Um dies zu verhindern, sollte man ab etwa der 6. Patrone nach je 2 Patronen das Magazin so lange auf den Tisch oder in die Hand schlagen, bis das Klappern aufhört. Die 18 Schuß habe ich funktionssicher nach ca. 8 Minuten geladen.
    Das ist an Silvester natürlich nervtötend, was man nur mit ausreichend Ersatzmagazinen umgehen kann. Für die Liebhaber des mühseligen Laden und des langen Feuern ohne nachzuladen gibt es noch 25-schüssige Magazine, die zur etwas später herausgekommenen Miami 93 R gehören.



    Ein mit 19 Schuß geladenes Magazin ( davor die Anordnung der Patronen im Magazin nochmal dargestellt ).


    Wenn die Miami sorgfältig gesäubert wurde, gut gefettet und geölt ist und alle Patronen sorgfältigst geladen wurden, schiesst sie weitestgehend störungsfrei ( Störungen gehen fast immer auf nicht sorgfältig geladene Patronen zurück ) und macht wegen des großen Schlittens spürbaren Rückstoß richtig Spaß. In Single Action ist der Abzugsweg sehr kurz und recht leichtgängig ( 2400 g ). Dadurch ist eine sehr schnelle Schußfolge möglich, die es ermöglicht, die 18 Schuß so richtig zu genießen. Mit ca. 5000 g Abzugsgewicht ist der Abzug in Double Action noch im vernünftig bedienbaren Bereich.


    Wegen des langen Laufes mit einer Laufverengung im Mittelbereich und eines maximalen Laufdurchmessers von 7 mm ( Mündung ) ist trotz der waagerechten plattenförmigen Laufsperre nur sehr wenig Mündungsfeuer zu sehen. Wenn man durch den Lauf schaut, sieht man nur wenig Licht durchkommen. Dafür ist die Laufsperre , welche erst 19 mm hinter der Mündung beginnt, unsichtbar. Selbst mit Blitzlicht kann man sie nur erahnen.



    Ohne Blitzlicht



    Mit Blitzlicht


    Fazit
    Mit der Miami ist Reck ( und damit Umarex ) damals einer großer Wurf gelungen. Mit ihren 18 Schuß im Magazin, bzw. 25 Schuß im verlängerten Magazin der 93 R, und ihrer Haltbarkeit macht sie viele Jahre an Silvester richtig Spaß. Zum Führen ist sie nur etwas für sehr Hartgesottene, da sie zwar zuverlässig ist, aber zu schwer und zu sperrig, um dauerhaft getragen zu werden.
    Sehr empfehlenswert ist die Nachrüstung mit flacheren Griffschalen für die Original Beretta, um die Miami gut greifen zu können.
    Den Sammler von Beretta-Klonen wird allerdings die Schlittenform stören, die deutlich im vorderen Bereich vom Vorbild abweicht.


    Nachtrag: An Silvester 2008/2009 habe ich die Miami wieder mit mehreren Magazinfüllungen gefüttert und bei ca. 800 Schuß Lebensleistung hat der Hahn und der Unterbrecher den Geist aufgegeben. Diese Teile werde ich demnächst austauschen, um am nächsten Silvester diesen 18-Schüssiger wieder zu nutzen. Trotzdem halte ich persönlich einen solchen Defekt bei einer SSW in der Preisklasse und der Schußleistung nicht für akzeptabel. Das machen andere Hersteller für weniger Geld erheblich besser.


    Vogelspinne