Pistole 8mm: Reck P6/P10 Taschenpistolen

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  • Pistole 8mm: Reck P6/P10 Taschenpistolen

    Heute möchte ich Euch ein paar Zeilen über die kleinen Reck Taschenpistolen P6 und P10 schreiben. Die Firma Reck Sportwaffenfabrik Karl Arndt stellte diese Pistolen spätestens seit Anfang der 60er Jahre her. Reck wurde später von der Firma UMA Mayer & Ussfeller GmbH übernommen, woraus die heute weltweit agierende Umarex Sportwaffen GmbH wurde.

    Drei Grundmodelle dieses typischen Vertreters von Taschenpistolen der 50/60er Jahre wurden meines Wissens verkauft. Erstens die SSW’s der Baureihe P6 im Kaliber 8mmK (plus eine Version im Kal.315K), die normalerweise bis auf die späten Modelle in hellblauen Kunststoffboxen verpackt waren. Dann die „scharfen“ Verwandten im Kaliber 6,35mm der Baureihe P8, die konsequenterweise in roten Kunsstoffboxen kamen. Drittens gab es dann noch die Start-Pistolen, d.h. SSW’s mit Ausschuß nach oben, der Baureihe P10, auch ausschießlich im Kaliber 8mmK hergestellt wurden. Letztere sind in gelben Kunststoffpackungen in den Handel gelangt.



    Nun zu den einzelnen Modellen:

    Die P6 gab es bereits vor Einführung der PTB-Zulassung in den 60er Jahren. Hier ein Bild einer Waffe aus dem Jahre 1964:

    Mit Einführung der PTB-Bauartzulassung wurde der Waffe die Zulassungsnummer 48-69 gegeben. Kurz darauf erschien eine überarbeitete Version mit der Nummer 48-69a, wobei die sichtbaren Unterschiede beider Waffen auf dem ersten Foto (Holzgriffschalen) nichts mit den Änderungen zu tun haben, sondern lediglich die Waffe mit den Holzgriffschalen als eine Art Luxusversion kennzeichnet. Die Waffe wurde Mitte der 70er nochmals verändert, in dem die durchgängige Laufsperre etwas nach hinten versetzt wurde und damit Platz für ein Laufgewinde geschaffen wurde. Dieser Änderung wurde die PTB-Nummer 78 zuteil – nun als P6s (s=signal). Damit konnten die Waffen dank des mitgelieferten Signalbechers auch endlich Signalmunition verschiessen. Später wurde, nachdem Reck mittlerweile zu 100% in Umarex integriert war und nur noch als Handelsmarke existierte, ein Nachfolger mit der PTB-Nummer 388 auf den Markt gebracht. Augenfälligste Änderung gegenüber allen bisherigen Versionen sind die flachen Plastikgriffschalen und der geschwungene Kunststoff-Magazinboden. Auch hier gab es noch eine spätere Version mit der Zulassungsnummer 388/2. Das heutige Ende dieser Baureihe stellt die P6s im Kaliber .315k mit der Zulassung PTB 580 dar, die auch auf dem Gebrauchtmarkt eher selten anzutreffen ist.

    Zur Baureihe P8 im Kaliber 6,35mm werde ich hier nichts schreiben, da dies eine „richtige“ Schußwaffe darstellt. Lediglich ein paar Bilder sollen die Verwandschaft deutlich machen:


    Die P10-Baureihe wurde meines Wissens erst nach PTB-Einführung 1969 vertrieben (wobei ich mich hier irren kann. Sofern jemand eine P10 ohne PTB hat, bitte ich um Informationen + Bilder). Erster Vertreter war die P10 mit der Zulassung 38-69, später dann 38-69a. Diesem folgte das Modell mit PTB 157, welches auch P10 hieß, es angeblich aber auch eine Unterart mit dem Namen P10A gab (weiß jemand etwas und kann Informationen/Bilder liefern?). Diese Waffe wurder wiederum durch einen Nachfolger mit der Zulassungsnummer PTB 405 ersetzt, welche P10/Start hieß und gleichzeitig das bisherige Ende dieser Baureihe darstellt. Die P10-Baureihe hat durchgehend den Ausschuß beidseitig nach oben, was auf dem folgenden Foto gut zu erkennen ist:

    Soviel zu den Baureihen und deren verschiedenen Modelle. Waffen aus dem gleichen Produktionszeitraum gleichen sich in vielen Teilen. So ist bei fast allen Modellen die Abzugsmechanik, Griffschalen, Magazin nebst Halter, Schlagbolzen und –feder, Sicherung, Zerlegemechanismus usw. gleich.

    Meist wurden die Waffen schwarz brüniert mit schwarzen Plastik-Griffschalen geliefert. Seltener ist die Luxus-Variante mit Echtholzgriffschalen, wie auf dem ersten Foto zu sehen. In beide Griffschalen ist eine kleine Metallplakette mit dem Hersteller-Logo eingearbeitet. Die frühen Waffen haben relativ häufig einen goldenen Abzug, wobei das nicht durchgängig der Fall ist. Ab und zu tauchen auch verchromte Exemplare auf.

    Wie bereits erwähnt, handelt es sich um Taschenpistolen. Dies zeigt sich auch deutlich in den Ausmaßen: 115mm Länge, 90mm (bei späten Modellen mit geschwungenen Plastik-Magazinfuß 100mm) Höhe, 22mm Breite und einem Gewicht von 370-380gr (je nach Modell). Zum Führen sind die Waffen trotzdem völlig ungeeignet, da erstens die Funktion mit den heutigen 8mmK-Patronen nicht 100%ig garantiert ist; zweitens die Waffen durchgeladen eine ständig gespannte Schlagbolzenfeder haben und drittens die Sicherung lediglich auf den Abzug wirkt und der Sicherungshebel aufgrund seiner Form und Größe sich leicht umlegt.

    Die mir bekannten Waffen sind bis 1974 alle in München beschossen worden und tragen eine 6-stellige Seriennummer auf dem Schlitten. Danach kenne ich momentan nur Waffen ab dem Jahr 1983, die alle ohne Seriennummer ausgeliefert und in Köln beschossen wurden. Ich würde mich freuen, wenn Ihr mir hierzu weitere Informationen sendet, damit dieser Wechsel näher eingegrenzt werden kann.

    Die Zerlegung der Waffen ist kinderleicht:

    Als erstes wird hierzu das Magazin entfernt und die Waffe komplett entladen. Danach drückt man einfach den Knopf, wie unter Position 2 auf dem Bild zu erkennen. Dadurch springt hinten ein Teil etwa 1cm heraus (siehe erstes Bild). Danach kann man den Schlitten, wie im 2. Bild zu sehen, einfach abheben. Dabei muß man darauf achten, dass die Schlagbolzenfeder nicht nach hinten wegfliegt. Danach hat man bereits alle wesentlichen Teile vor sich liegen. Der Zusammenbau erfolgt in umgekehrter Reihenfolge, wobei am Ende natürlich nicht der Zerlegeknopf gedrückt wird....

    Aufgrund der einfachen Zerlegung bietet sich diese bei jedem Reinigen an. Ferner kann natürlich auch der Rest der SSW zerlegt werden, wobei das zur Reinigung nach dem Schiessen nicht erforderlich ist.

    Nach dem Lesen der beiden Absätze, wird es Zeit, sich wieder einem Bild zu widmen:

    Hier sieht man die Waffen in folgender Reihenfolge (von links nach rechts):
    - P10 (PTB38-69): schön ist die verschlossene Lauföffnung zu sehen, da die Waffe den Ausschuß nach oben hat.
    - P6 (PTB48-69) & (PTB48-69a): Bei beiden geht, die auch bei den PrePTB-Modellen, die Laufsperre bis zum verderen Ende des Laufes.
    - P6s (PTB78): hierbei erkennt man deutlich, dass die Laufsperre zurückgenommen wurde, um Platz für das Laufgewinde des Signalbechers zu schaffen.
    - P6s (PTB388): Die Laufsperre ist noch weiter hinten und man sieht unten deutlich die Änderung des Magazin-Stoßbodens.

    Alle Waffen mit früher PTB-Nummer lassen sich leider nicht mehr 100%ig mit den aktuellen 8mm-Platzpatronen betreiben und der Trick mit angeschraubten Signalbecher oder Reduziergewinde funktioniert mangels Laufgewinde natürlich auch nicht.

    Abschließend kann man sagen, das die Waffen (zumindest die auf dem ersten Foto dieses Test abgebildeten) sehr ordentlich und solide verarbeitet sind. Die Waffen werden relativ häufig gebraucht angeboten und erzielen momentan je nach Modell und Zustand etwa 15-35 Euro. Nach mir fehlenden Exemplaren bin ich weiterhin auf der Suche.

    Bilder
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    • schlemi69_P6+10_zerlegen.jpg

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    • schlemi69_P6+10_front.jpg

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    • schlemi69_P6+10_rechts.jpg

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    • schlemi69_P6+10_links.jpg

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