Gewalzter Stahl (klassisch), gesinterter Stahl - Unterscheidung

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  • Guten Abend zusammen.

    Viele werden sich noch an die PK380 erinnern. Das war ja eine große Neuheit, da sie einen Stahlschlitten hatte. Allerdings war die Enttäuschung groß, als rauskam das der Schlitten nur aus gesintertem Stahl bestand.

    Inzwischen gibt es auch die P99 und die Glock 17 mit Stahlschlitten. Umarex hat sehr oft betont, das die Schlitten aus dem Vollen gefräst werden. Das hört sich erstmal gut an.

    Aber was ist dieses "Volle"? Ist das klassischer Walzstahl, oder nur ein gesinterter Block der dann in der Weiterverarbeitung gefräst wird.

    Wie kann ich als Laie den Unterschied feststellen?

    Dabei bin ich auf folgendes gestoßen:

    Quote

    Direktvergleich: Sinterstahl vs. Klassischer Stahl

    MerkmalGesinterter StahlKlassischer Walz-/Frässtahl
    OberflächeMatt, feinkörnig, leicht porösGlänzend, glatt (nach Bearbeitung)
    FlüssigkeitsaufnahmeNimmt dünnes Öl minimal auf (Saugwirkung)Absolut dicht, Öl bleibt vollständig stehen
    Klang beim AnschlagenEher dumpf, kurzer NachklangHell, metallisch, langer Nachklang
    HerstellungsspurenFeine Presskanten/FormtrennnähteFrässpuren, Drehriefen oder Walzhaut

    Von diesen 4 Unterscheidungsmerkmalen bleibt mir nur der Klang beim Anschlagen.

    Also habe ich den Schlitten meiner Glock SV genommen und mit einer metallischen Zange angeschlagen. Resultat, hoher Ton, mit Nachklang. Fazit, Walzstahl.

    Jetzt habe ich den Schlitten meiner PK380 genommen und das gleiche wiederholt. Resultat, dumpfer Ton ohne Nachklang. Fazit, gesinterter Stahl.

    Wer das nachmachen möchte, bitte darauf achten das ihr den Schlitten nicht mit der Hand haltet, sondern z.B. an einer Schnur aufhängt, damit der Schlitten frei schwingen kann. Anschlagen mit irgendetwas metallischem. Ich habe eine Kombizange genommen.

    Da ich weder Metaller noch Metallurge bin, blieb mir nur dieser kleine Test um Gewissheit zu haben.

    Schöne Grüße

    Edited once, last by klaus5556 (September 17, 2026 at 11:02 PM).

  • ich werd das mal bei einem Zinkschlitten testen

    Diese Methode die ich aufgezeigt habe dient nur zur Unterscheidung zwischen Walzstahl und gesintertem Stahl. Das hat nichts mit Zinkdruckguß zu tun.

    Du kannst es aber gerne machen. Sag dann Bescheid wie das Geräusch war.

    Dann gibt es noch den Feinguss. Was hat es damit auf sich?

    Müsste man googeln. Ich weiß es nicht, da ich wie schon geschrieben kein Metaller bin.

    Wenn Du darauf anspielst das der Schlitten der Glock SV aus Feinguss sein könnte, so kann ich mir das nicht vorstellen.

    Man müßte zuerst einen kompakten Block (Ausgangsmaterial für den gefrästen Schlitten) gießen und diesen dann zum Schlitten fräsen. Das wäre viel zu aufwändig und teuer, da man in Feinguss auch einen Schlitten fertig gießen kann.

    Schöne Grüße

    Edited 2 times, last by klaus5556 (September 18, 2026 at 10:31 PM).

  • kann mir nicht vorstellen, dass die Glock aschreckschussschlitten aus einem Block Waffenstahl

    Von Waffenstahl war nie die Rede.

    Umarex hat mehrfach gesagt, das die Schlitten der Glock SV und der P99 SV aus dem Vollen gefräst werden. Dies ist in mehreren Youtube Videos dokumentiert.

    Außerdem habe ich das in meinem Eingangspost erwähnt.

    Schöne Grüße

  • Gussstahl ist so ziemlich das, was Walzstahl auch war, nur halt vor dem Walzen, jedenfalls produktionstechnisch, denn auch Walz- und Schmiedestahl werden zuerst mal (strang)gegossen.

    Beim Walzen und erst recht Schmieden wird das Gefüge aber verdichtet, ausgerichtet und umgeformt, dadurch lassen sich deutliich höhere Festigkeiten erzielen.

    In den Legierungsbestandteilen unterscheiden sich Gusstahl, Walzstahl und auch Schmiedestahl allerdings ebenso, da die Endprodukte gewöhnlich für unterschiedliche Anwendungen gedacht sind, von besonderen Eigenschaften bzgl. Zerspan- oder Schweißbarkeit oder Korrosionsverhalten jeweils innerhalb der Varianten mal ganz abgesehen.

    Und Gussstahl?
    Es gibt 1911er mit Gussschlitten. Sind zwar weniger robust als geschmiedete, aber ausreichend.
    Unterscheiden müsste man hier zwischen Sand- und Feinguss.
    Ersterer geht schnell und ist preiswert, bedarf dann aber sehr starker Nachbearbeitung, denn keine Oberfläche ist auch nur annähernd maßhaltig.
    Anders beim Feinguss, da wird fast endfertig in Form gegossen, aber Passungen und so müssen meist noch gebohrt/gefräst/gplant werden, Außen- und Innenflächen ohne Anforderungen sind aber direkt fertig.
    Nachteil beim Stahlfeinguss ist der Produktionsaufwand, denn weder Model noch Formen sind wiederverwendbar, brauchen aber Herstellungsaufwand und-zeit.

    Was nun SSW betrifft - auch gesinterter Stahl ist mehr als fest genug!
    Einfach mal mit den Zahnrädern z.N. in einem Akkuschrauber vergleichen, diese sind sehr häufig auch nur gesintert, einfach weil man da direkt auf Endmaß sintern kann und sich sehr viel Nachbearbeitung spart.
    Ausreichend fest sind sie dennoch.

    Die "aus dem vollen gefrästen" SSW-Verschlüsse sind wahrscheinlich ganz normaler Automatenstahl á la 44SMn28, evtl. einer thermisch noch nachbehandelten Version, aber eher nicht sowas hochfestes wie 42CrMo4.
    Wahrscheinlich würden bei SSW-Belastungen sogar die alten ST37- oder ST42-Kohlenstoffstähle reichen.


    Stefan

    ps: Das war einfach nur aus meinem Laienwissen zusammengeschrieben, Fehler bzw. Ungenauigkeiten sind wahrscheinlich!

  • ...Anders beim Feinguss, da wird fast endfertig in Form gegossen, aber Passungen und so müssen meist noch gebohrt/gefräst/gplant werden, Außen- und Innenflächen ohne Anforderungen sind aber direkt fertig.
    Nachteil beim Stahlfeinguss ist der Produktionsaufwand, denn weder Model noch Formen sind wiederverwendbar, brauchen aber Herstellungsaufwand und-zeit...

    Ähnlich wie in der Zahntechnik Gold/Edelmetallkronen hergestellt werden,
    erst wird was aus Wachs oder Kunststoff modelliert, dann eingebettet, die Modellation ausgebrannt, gegossen, und nach dem abkühlen die Form zerstört um an den Gußrohling zu kommen.

    Von der Modellation lässt sich allerdings auch eine Abformung erstellen, und diese öfters für neue/identische Wachs/Kunststoff Rohlinge benutzen, jedenfalls bei "Fließbandware" ;)

    So war das damals halt, heutzutage wird warscheinlich eher am Computer modelliert, und zig 3D Modelle zum einbetten gedruckt...

    We the unwilling, led by the unqualified, kill the unfortunate, die for the ungrateful.
    If I tell you my dream, you might forget it. If I act on my dream, perhaps you remember it; but if I involve you, it becomes your dream too.

  • Was ist denn bitte Waffenstahl

    Quote

    Unter dem Begriff Waffenstahl (speziell für Schusswaffenläufe und hochbelastete Waffenteile) versteht man heute primär hochfeste, niedriglegierte Vergütungsstähle sowie spezielle rostfreie Stähle. Es gibt nicht die eine Zusammensetzung, sondern eine Reihe standardisierter Legierungen, die extremem Druck (bis zu 4.000 bar und mehr), Hitze und mechanischer Reibung standhalten müssen

    Dass hättest aber auch selber ergoogeln können. ;)

    Schöne Grüße

  • Quote

    Unter dem Begriff Waffenstahl (speziell für Schusswaffenläufe und hochbelastete Waffenteile) versteht man heute primär

    Also die folgenden und und praktisch auch alle anderen im Waffenbau verwendeten Stähle.

    Quote

    Es gibt nicht die eine Zusammensetzung, sondern eine Reihe standardisierter Legierungen

    Also faktisch jeder Stahl.