Jägerprüfung als Alternative zum Sportschützen – wie sind eure Erfahrungen?

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  • Hallo zusammen,

    mich würde mal eure Meinung zu folgendem Gedanken interessieren.

    Vorausgesetzt man hat wirklich Interesse an der Jagd, ist bereit entsprechend zu lernen und bringt auch das nötige Durchhaltevermögen für die Jägerprüfung mit. Ist es dann eine sinnvolle Option den Jagdschein zu machen, wenn man sich sowieso intensiv mit Waffen beschäftigt und langfristig nicht ausschließlich an das Bedürfnisprinzip als Sportschütze gebunden sein möchte?

    Mir geht es dabei nicht darum irgendwelche gesetzlichen Vorgaben zu umgehen. Mein Eindruck ist einfach, dass Jäger waffenrechtlich teilweise andere Möglichkeiten haben und das Thema Waffen dort naturgemäß ein fester Bestandteil der Jagdausübung ist.

    Ich habe außerdem den Eindruck, dass die Behörden bei Jägern mit dem Thema Waffen teilweise etwas entspannter umgehen als bei Sportschützen. Vielleicht täuscht das aber auch.

    Gibt es hier Leute die sowohl Jäger als auch Sportschützen sind und aus der Praxis berichten können?

    Wie groß ist der Unterschied tatsächlich und würdet ihr sagen, dass sich die Jägerprüfung unter diesen Voraussetzungen lohnt?

  • Ich habe damals als Sportschütze angefangen weil ich explizit nicht auf Lebewesen schießen wollte und der Zeitaufwand für mich geringer war. Später habe ich dann die benötigte Prüfungen für den Jagdschein abgelegt. Erstens weil ich mich dieser Prüfung stellen wollte und zweitens weil es einfach ein anderes Schießen ist als meine überwiegend statisch geprägten Disziplinen beim Sportschiessen. Insgesamt bekommt man dabei eine völlig andere Sicht auf die Natur was ich auch toll fand. Jagen ist aber nicht nur ein Teilzeithobby. Wenn man das ernsthaft betreibt kostet das sehr viel Zeit. Und vieles von dem was man sich als Jäger kaufen kann ist jagdlich nicht unbedingt nützlich. Beispielsweise eine Mini Jack in 7,62x39. Musst du selber wissen welchen Weg du gehen willst. Einfacher finde ich den Weg über den Sportschützen. Jagdschein kann man ja immer mal zusätzlich machen. Beides zu sein ist hinsichtlich der Freiheiten die einem diese Kombination gibt natürlich ganz geil. Kurz gesagt der Besuch beim Büma verläuft ab da insofern anders als das man so ziemlich alles kaufen kann was man will wann man es will.

    „Wenn ein Mensch behauptet, mit Geld lasse sich alles erreichen, darf man sicher sein, dass er nie welches gehabt hat.“

    Aristoteles Onassis

  • Ich stand vor dieser Wahl: Jagd, Sport, Handel oder Schwarzpulver. Für die Jagd habe ich keine Zeit, obwohl ich Wildfleisch mag und auch so in der Lage bin, ein Tier aus der Decke zu schnitzen und zu verwerten. Das muß man halt auch können. Sport....ich hasse grüne Jacken bzw. kann ich mit Kurzwaffen nicht viel anfangen. Handel? Wäre eine Alternative gewesen, aber es wird ein gewisser Geschäftsbetrieb vorausgesetzt. Ich habe schon eine Firma, die reicht mir völlig. Also Schwarzpulver. Zwei Wochenenden für den Schein, als Bedürfnis reicht die Möglichkeit, auf einem zugelassenen Stand schießen zu können. Kein Verein, keine grünen Jacken, keine Fleischbeschau, keine zweite Firma, kein Waffenschrank, kein Besuch vom Amt. Für mich perfekt. Manko: Keine modernen Waffen. Das modernste, was hier möglich ist, ist ein Saguaro-Sharps. Damit kann man einen Büffel im Feuer strecken. Eine Squirrel im Kaliber .32 hat sechsmal so viel Energie wie eine .22er. Auch mach mir das deutlich mehr Freude, als stumpfsinnig mit Kleinkaliber 500 Ringe mit 50 Schuß zu erlegen. Da wird der Basteltrieb gleich mit befriedigt. Finanziell wäre es mir egal gewesen, aber die Jägerprüfung kostet etwa das Zehnfache dessen, was ich ausgegeben habe. Vom zeitlichen Aufwand mal völlig abgesehen. Schlußendlich mußt Du ganz allein entscheiden, und auch die laufenden Kosten im Auge behalten.

  • Interessante Idee, nur den Pulverschein zu machen. :thumbup:

    Ich habe alles durch, von Sportschütze, Wiederlader, Händler, und nun nach 20 Jahren Abstinenz stattdessen Jagdschein. Jagdschein machen ist brutal viel Aufwand, aber eine echte Erweiterung des Einblicks auf Natur und Umwelt - und hat den netten Nebeneffekt, daß Langwaffen kein Problem mehr sind. Kurzwaffen werden mit zunehmendem Alter sowieso schwieriger, Kimme und Korn werden nämlich immer unschärfer. ;) Außerdem wurde mein Wissen über Waffentechnik gewaltig erweitert, obwohl ich ja glaubte, schon alles zu wissen.

    Wer "noch nix" an Scheinen hat, dem empfehle ich den teuersten und schwierigsten Weg, nämlich den Jagdschein, weil er meiner Meinung nach unabhängig vom freien Zugang zu Langwaffen ein Mehrwert für das ganze Leben ist. Ist aber natürlich abhängig von den eigenen Interessen und so.

    Ich hatte nach meiner Prüfung das eine oder andere Video dazu gemacht, über Kosten, Durchfallmöglichkeiten und Durchführung der Jägerprüfung gemacht, die aber wegen der unterschiedlichen Regeln der Bundesländer nur für Niedersachsen gelten.

    Die deutscheste aller Fragen: "Dürfen Sie das?"
    Mein Video für LG-Anfänger.
    Fördermitglied im VDB.

  • Kurz gesagt der Besuch beim Büma verläuft ab da insofern anders als das man so ziemlich alles kaufen kann was man will wann man es will.

    Fairerweise muss man sagen das man als Jäger viele Freiheiten hat was Langwaffen angeht, aber bei Kurzwaffen ist ein Jäger mehr limitiert wie ein Sportschütze. Wer da noch mehr Freiheit beim Waffenkauf haben will der sollte die rote WBK anstreben nach §17 oder §18 als Sachverständiger, da gibt es dann keine Beschränkungen mehr. Ausgeschlossen sind dann nur noch verbotene Waffen und Waffen nach dem KrWaffKontrG.

  • Inwiefern limitiert bei Kurzwaffen? Die Jagd galt bei mir als gesondertes Bedürfnis. Heißt es gab eine gesonderte WBK und ein neues Grundkontingent an 2 Kurzwaffen. Das war beim Sportschützen jetzt auch nicht anders.

    „Wenn ein Mensch behauptet, mit Geld lasse sich alles erreichen, darf man sicher sein, dass er nie welches gehabt hat.“

    Aristoteles Onassis

  • Ich meinte beides für sich allein, Jäger = 2 Kurzwaffen (mehr ist fast nicht möglich), Sportschütze = 2 Kurzwaffen, 2 weitere möglich, es gab bei uns sogar Sportschützen mit einer fünften Kurzwaffe.

    Das wenn man beide Erlaubnisse hat sich die Zahl summiert ist logisch. ;)

  • Soweit ich weiß kann man bei den Jägern genauso über Wettkämpfe argumentieren wie bei den Sportschützen. Der Vorteil beider Bedürfnisse liegt in der Verdopplung der Grundkontingente ohne das man als nur Sportschütze dauernd Wettkämpfe nachweisen muss. Wenn man das denn als Vorteil sehen will.

    „Wenn ein Mensch behauptet, mit Geld lasse sich alles erreichen, darf man sicher sein, dass er nie welches gehabt hat.“

    Aristoteles Onassis

  • Danke für die Aufklärung. Zusammenfassend ist meine Meinung dass nur um eventuell mehr Freiheiten beim Thema Waffen zu haben einen Jagdschein zu machen ist der falsche Weg.

    „Wenn ein Mensch behauptet, mit Geld lasse sich alles erreichen, darf man sicher sein, dass er nie welches gehabt hat.“

    Aristoteles Onassis

  • Danke euch erstmal für die vielen Rückmeldungen und die unterschiedlichen Sichtweisen.

    Vielleicht kam mein Ausgangspost etwas zu sehr so rüber, als würde es mir beim Jagdschein hauptsächlich um mehr Möglichkeiten beim Waffenbesitz gehen. Das ist definitiv nicht der einzige Grund und nur dafür wäre mir der Aufwand ehrlich gesagt auch zu groß.

    Das Interesse an der Jagd und allem was dazugehört ist bei mir durchaus vorhanden. Gerade deshalb beschäftige ich mich momentan überhaupt intensiver mit dem Thema und überlege, ob ich diesen Weg gehen möchte.

    Was ich aus euren Antworten auf jeden Fall mitnehme ist, dass man Jagd und Sportschießen nicht einfach als zwei unterschiedliche Wege zum gleichen Ziel betrachten sollte. Beides hat seinen eigenen Schwerpunkt und offenbar auch jeweils seine Vor und Nachteile.

    Besonders interessant finde ich die Aussagen von denen, die tatsächlich beide Seiten kennen. Genau solche Erfahrungen aus der Praxis wollte ich mit meiner Frage bekommen.

    Ich werde mich jetzt noch etwas intensiver mit dem tatsächlichen Aufwand, der Ausbildung und natürlich auch der jagdlichen Praxis beschäftigen. Wenn, dann möchte ich den Jagdschein schon mit dem Anspruch machen, die Jagd später auch tatsächlich auszuüben und nicht nur die Prüfung abzulegen.

    Danke euch auf jeden Fall für den Input. Hat mir schon einiges zum Nachdenken gegeben.

  • Soweit ich weiß kann man bei den Jägern genauso über Wettkämpfe argumentieren wie bei den Sportschützen.

    Das habe ich so noch nie gehört, das man als Jäger mehr Waffen (als die 2) bekommen kann wenn man an Wettkämpfen teilnimmt. Weiß aber nicht ob es das tatsächlich gibt. :/

    Ist mir auch nicht bekannt, das Grundkontigent für Jäger ist, wie Thomas schon sagte, 2 Stück.

    Der Rest ist Glück , denn üblicherweise wird man dazu aufgefordert eine zu verkaufen, um einen neuen Voreintrag zu bekommen.

    Argumentieren kann man natürlich viel, aber die Behörde kann das auch:)

    Und der Wettkampf beim DJV wird mit einer Kleinkaliberwaffe geschossen, jedenfalls wenn man Punkten will.

    Also kauft man sich eine Großkaliberwaffe und eine .22 , so ist es vorgesehen. Es gibt keine wirklichen Argumente um das Kontigent auf 3 zu erhöhen für einen Jäger.

    Reicht für mich auch völlig aus, z.Z. habe ich garkeine Kurzwaffe. Nächstes Jahr möchte ich auch mal mit der Pistole antreten beim jagdlichen Wettkampf, dann wird meine erste Pistole als Jäger einer .22 werden.

  • Danke für die Aufklärung. Zusammenfassend ist meine Meinung dass nur um eventuell mehr Freiheiten beim Thema Waffen zu haben einen Jagdschein zu machen ist der falsche Weg.

    Ja, man sollte keinen Jagdschein machen, aufgrund der Erlaubnis für Waffen. Das ist der falsche Weg, Jagd ist viel mehr, und die Waffe dient dabei nur als notwendiges Werkzeug zur Jagd.

  • Man muss ja auch beachten dass die Ausbildung zum Jäger nicht unbedingt einfach ist und es genug Leute gibt, die nach einer nicht bestandenen Prüfung teilweise zu Kompaktkursen im Nachbarbundesland anmelden um nicht ein halbes Jahr warten zu müssen. Und ich habe noch nie gehört das die Prüfung ein Selbstgänger ist. Das ist der Weg zum Spirtschützen einfacher und stressfreier.

    „Wenn ein Mensch behauptet, mit Geld lasse sich alles erreichen, darf man sicher sein, dass er nie welches gehabt hat.“

    Aristoteles Onassis

  • Wer da noch mehr Freiheit beim Waffenkauf haben will der sollte die rote WBK anstreben nach §17 oder §18 als Sachverständiger, da gibt es dann keine Beschränkungen mehr. Ausgeschlossen sind dann nur noch verbotene Waffen und Waffen nach dem KrWaffKontrG.

    Die rote WBK hat auch meistens Beschränkungen auf einen bestimmten Bereich, des Weiteren ist da meistens kein Munitionserwerb dabei. Als Sachverständiger ja, da kommt man so einfach aber nicht dran.

  • Es soll hier und da funktionieren, eine dritte Kurzwaffe zu beantragen, wenn man DJV-Wettkämpfe schießt.
    Aber ist auch eine Frage des Bundeslandes und des Leistungslevels. Als Kaderschütze in Bayern mit ensprechenden Schreiben des Schießobmanns sicher leichter als in NRW...
    Generell ist der Waffenerwerb über Jagdschein leichter als als Sportschütze. Aber der Weg dahin ist schon nicht ohne. Und manche (verantwortungsbewussten) Ausbildungsstellen achten auch ein wenig auf die Motivation.
    Außerdem macht es die Sache nicht leichter, so Dinge wie die Zahnformel des Rotwildes, die verschiedenen Eichenarten oder den Jahresverlauf beim Rebhuhn zu lernen, wenn man nix dafür übrig hat.
    Aber es lohnt sich! Mir halt mal jemand gesagt: "Jagen ist kein Hobby, sondern eine Lebenseinstellung. Du wirst vieles mit anderen Augen sehen!" Und er lag sehr richtig.

    "Büchsen kann man nie zuviele haben!" Pippi Langstrumpf

    "A shotgun, in my opinion, must have three things: Boom, Boom, Boom." Phil Robertson

  • Die rote WBK hat auch meistens Beschränkungen auf einen bestimmten Bereich, des Weiteren ist da meistens kein Munitionserwerb dabei. Als Sachverständiger ja, da kommt man so einfach aber nicht dran.

    Von einfach hat auch niemand gesprochen, es ist aber für jeden möglich wenn er sich jemanden an die Seite holt der weis auf was man achten muss und wie es geht. Wie man Argumentieren sollte warum man eine rote haben möchte usw...usw..

    Bei uns im Verband habe ich selber schon einige Kameraden (es waren mindesten 10) gesehen die eine rote WBK bekommen haben, mit den verschiedensten Sammelbereichen von sehr eingeschränkten Themen nach §17 bis "Feuerwaffen aller Art" nach §18 für Sachverständige.

    Ich selber habe schon viele Jahre zwei rote, ein paar grüne und gelbe WBKs und das war nicht soo schwierig, es braucht natürlich auch gewisse Anstrengungen, die bekommt man nicht "im vorbei gehen".

    Zum Thema rote WBK und Munition dazu beantragt man dann einen MES auch den bekommt man wenn man es schlüssig argumentiert.

    PS: noch ein kleiner Nachtrag:

    Wer da noch mehr Freiheit beim Waffenkauf haben will der sollte die rote WBK anstreben nach §17 oder §18 als Sachverständiger, da gibt es dann keine Beschränkungen mehr.

    Mit keine Einschränkung mehr meinte ich natürlich die rote nach §18.

    Edited 4 times, last by thomas magnum (August 31, 2026 at 1:42 AM).

  • Es soll hier und da funktionieren, eine dritte Kurzwaffe zu beantragen, wenn man DJV-Wettkämpfe schießt.

    Moin,
    eigentlich sollte es überall funktionieren, denn die 2 Kurzwaffen die jedem Hubertusjünger "zustehen"
    müssen nach meinem Kenntnisstand = Fangschuß tauglich sein, womit sie für den DJV Sportbereich ausscheiden.

    Weidmannsgeheul
    Wolf

  • Seukendorfer Eben noch Luftgewehre, jetzt Jagdschein...

    dass Jäger waffenrechtlich teilweise andere Möglichkeiten haben und das Thema Waffen dort naturgemäß ein fester Bestandteil der Jagdausübung ist.

    den Halbsatz verstehe ich nicht so ganz. Wird nicht umgekehrt ein Schuh draus?

    Bin zwar kein Jäger, aber ist bei der Jagsausbildung das Schießen nicht nur ein Teilbereich von vielen anderen, während es beim Sportschützen ja (naturgemäß) ausschließlich um Waffen, bzw. Sportgeräte und deren Nutzung geht?

    Zu den erweiterten Möglichkeiten bzgl. Langwaffe wurde ja schon vieles geschrieben.