Die alte Haenel III-60 Knicker vom Vater

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  • Hallo Leute,

    ich heisse Stephan und habe mich erst gestern in diesem Forum angemeldet. Bisher hatte ich gar nichts mit Waffen zu tun nun hab ich aber die alte Knicker meines Vaters in die Hände bekommen. An dem Gewehr liegt mir sehr viel. Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie ich mit meinem Bruder in den 80ern auf dem Wochenendgrundstück auf Scheiben schoss. Das alles kommt jetzt zurück und es wächst das Verlangen, die alten Tage mit meiner Tochter wieder aufleben zu lassen und auf ein paar Papierscheiben zu schiessen.

    Jetzt zum Problem. Die letzten Versuche, mit 4,5er Diabolos zuschiessen waren nicht erfolgreich. Die Feder lässt sich spannen, aber oft bleiben die Diabolos bei Abzug an Ort und stelle, manchmal verlassen sie auch den Lauf, aber der Druck ist sol als wenn das Kind Ihn von sich wirft.

    Ich nahm das heute zum Anlass und habe das Gewehr zerlegt um nach dem Rechten zu sehen und alles mal zu reinigen, ölen und ggf lahme Feder und alte Lederdichtung zu tauschen. Es ist jetzt so gut wie zerlegt und es zeigt sich dass alles sehr verkeimt ist. Kein Wunder, es wurd seit locker 20 Jahren nicht mehr genutzt, nie gewartet und ich kann nicht ausschliessen, dass der gespannte Mechanismus auch mal so ne Weile rumlag,

    Mein Problem ist, dass ich nach dem Abnehmen der Kunststoff Endkappe und dem Enstiften am hinteren Ende die Innere Mechnik mit Feder nicht heraus bekomme. Müsste die nicht einfach Herausfallen? Ich habe das Ende sehr oft auf eine Weichholz-Unterlage gekloppt und irgendwie kam das Packet auch ca 5mm, hängt jetzt aber. Habt Ihr einen Tip? ich schicke Euch mal ein Bild direkt nach dem Antstiften (dicker und dünner Stift) und Abnehmen des Abzugs. Ein zweites Bild zeigt den Zustand nach dem Klopfen in der jetzt irgendwie blockierten Situation. Der Innere Zylinder mit dem Gewinde für die Verschraubung mit dem Holzteil seint schonmal axial ein paar millimeter nach hinten gerutscht zu sein (Position 1). Es scheint sich durch den Schlitz und Blick auf die Feder auch irgendein Blechteil (Position 2) nach vorn geschoben zu haben. Könnte das ein kleines Problem sein?

    Bin über jeden guten Tip dankbar.

    Gruss Stephan

  • Stefcio November 10, 2025 at 8:46 PM

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  • Der Innere Zylinder mit dem Gewinde für die Verschraubung mit dem Holzteil seint schonmal axial ein paar millimeter nach hinten gerutscht zu sein (Position 1).

    Verstehe ich nicht wat fürn Holzteil das ist die Lederdichtung die aufn Kolben draufsitzt,aber wie haenelsammler schon schrieb vorsichtig raus klopfen.Stell mal die Frage in der Haenel-Gemeinschaft da wird dir bestimmt geholfen.:/

    Grüße neumi

  • Hallo Stefcio,

    Versuch es mit dem Lauf durch knicken, die Teile rauszudrücken.

    Pass auf, dass der Federfuss und Feder nicht auf etwas treffen, da er unter Spannung wird und kann mit großem Wucht herausfliegen. Besonders für Körperteile wird extrem gefährlich.

    Die ganze Operation kannst du machen wenn Systemhülse im Schraubstock befestigst (Lappen helfen um Kratzer und Beulen zu vermeiden) und dann langsam mit dem Lauf die Knickbewegung zum spannen machst.

    So werdest du auf ein ganz natürlichen Weg die verkeilte Innenteile herausdrücken.

    Wünsche dir viel Erfolg und bitte aufpassen!!!

    Gruß

    Vass

    Fördermitglied im VDB

  • Heut ist ein schöner Tag,

    nicht nur aber auch weil ich mit etwas Improvisation die klemmende Feder-Mechnik aus dem Systemrohr befreien konnte. Mit einem kleinen Weichen Docht und Hämmerchen konnte ich die klemmende, hinter Federauflage gerade soweit aus dem Systemrohr treiben, dass ich den herausstehenden ca 10mm langen Bund im Schraubstock mit Alubacken greifen konnte. Die letzte Strecke hat dann ein Krosserie- Zughammer bewerkstelligt, den ich in den eingeschraubten Scharnierbolzen eingehangen habe. Das hat gut finktioniert, ohne Kraft in irgendwelche empfindlichen Teile einzuleiten. Und siehe da...

    Jetzt erkenne ich auch das Problem das die Klemmneigung verursachte. Das hintere Ende der Systemhülse, das aus dem Holzschaft oben rauskuckt hat durch Umfallen o.ä. Misshandlung mal ein Ding weggekriegt und ist punktuell etwas gestaucht. Bis zum ersten dicken Stift ist etwas Platz, ca 10mm, auf ein paar millimetern werde ich an der Stelle den Dremel zum Einsatz bringen und den durchmesser innen wieder versuchen rund zu kriegen. Ich denke die Konstruktion sieht hier ausreichend Spiel zwischen den beiden Teilen vor, das muss sich einfach stecken lassen.

    Ansonten erscheint mir die Feder sehr müde und die mumifizierte Lederdichtung liegt sowieso im Verdacht für die schlechte Performance. Ich werde beide in Gotha bestellen und berichten.

    Gruss vom Knicker-Rooky Stephan

  • Ich hatte letztens dasselbe Problem, als ich an meinem Haenel III-60 die Feder neu gemacht habe. Ich glaube nicht, dass das (nur) an einer mal heruntergefallenen Systemhülse lag, weil das hat sich bei mir quasi fast durchgängig auf dem ganzen Weg erstreckt, die Federanlage musste den ganzen Weg über rausgetrieben werden. Das ist eben eine sehr enge Passung, wenn nicht eine Presspassung.

    Die alte Feder herauszubekommen ging ja noch mit beherzten Schlägen mit Splinttreiber und Hammer. Aber die neue Feder hineinzubekommen?? - Oh man, da bin ich schier verzweifelt - weil beim Eintreiben der Federanlage dann stellenweise doch, die Feder zurückgefedert hat. Ich hab die Systemhülse dann sogar irgendwann zu uns in die Firma gebracht und einen Mechaniker um Hilfe gebeten, der hat es auch nicht auf Anhieb geschafft, und ihm gingen die Ideen aus. Ohne einen Schraubstock, der außergewöhnlich weit aufgeht, tut man sich da schwer - Bei den meisten ist ja bei 20 cm oder so Schluss. Letztenendes haben wir die Feder an einer schweren Standbohrmaschine reinbekommen.

    Dagegen im Vergleich zwei Wochen später an meinem HW35: Da war mit dem 08/15-Schraubstock bei mir in der Werkstatt, die neue Feder in 2-3 Minuten drin. Einfach ein super tolles System mit der zweiteiligen Systemhülse.

  • Interessanter Erfahrungsbericht Menju32! Ich hab für den Montageschritt später ne Übergrosse Schraubzwinge vom lokalen Zimmerer im Visier. Mal sehn ob das naiv ist.

    Aber nochmal die Frage in die geössere Runde an die Leute, die auch schonmal so eine alte Knicker zusammengebaut haben. Muss die hintere zylindrische Federauflage nicht eigentlich leicht in die Systemhülse gleiten? Ich will mich bei meiner Nacharbeit nicht von möglicherweise falschen Erwartungen irritieren lassen. Nich das ich zuviel Material wegnehme.

  • Moin Stefcio,

    Versuche zuerst die Beule etwas zu verbessern, aber ohne zu schleifen. Die Federauflage/Federfuss soll frei eingeschoben werden. Da ist keine Pressverbindung.

    Erst wenn du alle Teile so miteinander angepasst hast, so dass freiganglich sind, dann kannst du den neuen Feder einsetzen.

    Du kannst auch falls die innere Oberfläche des Zylinders nicht glatt ist, diese ein bisschen honen. Mit feinen Schmirgelpapier das Zylinderende schön glatt machen.

    So praktisch lässt sich das ganze System ohne große Widerstand nachher zusammen gebaut werden.

    Viel Erfolg

    Vass

    Fördermitglied im VDB

  • Ich hoffe, ich misch mich da jetzt nicht zu viel mit meiner bescheidenen Kenntnis ein:

    Es ist natürlich die Frage, ob das stimmt, aber ChatGPT hat zu mir damals gemeint, das wäre bei den alten III-60 normal, dass die Passung zwischen Federanlage und Systemhülse so eng ist. Bei den späteren III-284 z.B. wäre das nicht mehr so extrem. Sinn davon bei der III-60 soll gewesen sein, dass der Prellschlag besonders gleichmäßig auf Systemhülse und Schaft übertragen wird.

    Vom Technischen her, wäre das ansonsten egal, wenn da bis zum Fixierpunkt der Federanlage mehr Spiel wäre. Ich hab zwar noch kein III-284 zerlegt, aber kenne das z.B. von Diana-Gewehren-, da gleitet die Federanlage auch leicht durch die Systemhülse.

  • Am III-284 geht die Federlage ohne klemmen in die Systemhülse , da ist genug seitliches Spiel. Die Delle würde ich erst -ausbeulen- bevor ich schleife. Aus einem Werkzeug-Nusskasen suchst du eine große Nuss ( 22 oder 24 oder so , musst du testen). Diese Nuss verjüngt sich außen in Richtung wo der Vierkant für die Knarre ist und diese verjüngung ist schön kelchförmig. Du suchst die Nuss welche mit der dünnen Seite in das Systemrohr passt und der größere dicke Teil der Nuss schön auf dem Rand der Systemhülse etwas überstehend aufliegt. Jetzt ist die Nuss -.verkehrt rum- drinnen da du ja in den Bereich schaust wo eigendlich ein Schraubenkopf bzw eine Mutter rein soll aber so ist das genau richtig. Nun nimmst du aus dem Nusskasten die Verlängerungsstange und steckst sie in die Nuss auch wenn die Nuss ja verkehrt herum ist. Die Verlängerungsstange passt trotzdem in den Vierkant der Nuss. Dann das Systemrohr mit der Seite wo sich das Gelenk für den Lauf befindet auf ein Holzbrett stellen und mit leichten Hammerschlägen auf die Verlängerungsstange schlagen. Die schöne runde Kehle an der Nuss sorgt dafür das alles wieder gleichmäßig rund wird. Danach die Teile mit feinem Sandpapier überarbeiten bis alles leicht zusammen geht ( zum testen natürlich ohne Feder) Abschließend eine gründliche Reinigung nicht vergessen , man will ja keine schleifrückstände im System haben.

  • Super input danke Leute! Ich werd mal nach einer grossen Nuss Ausschau halten. Meine Berechnung der Passung beider Teile taumelt übrigens zwischen 0,00 und 0,03mm (gemessen mit digitalem Messchieber). Bin gelernter Zerspaner und mir über die eingeschränkte Genauigkeit der Messung bewusst. Trotzdem gibt sie einen Hinweiss darauf, wie eng es Im Schlund der Systemhülse zugeht. Die Federspannhülse dagegen erscheint an beiden Führungsdurchmessern genug untermassig. Da sind 1-2 Zehntel Luft.

    Was die Vorsichtige Bearbeitung des Innendurchmessers angeht, bin ich vorsichtig. Jedoch bin ich davon überzeugt, dass die letzten ca 10mm hinterm späteren Sitz der Federauflage nich „systemrelevant“ sind. Da kann man fürs sanfte Anschnäbeln der Auflage behutsam innen leicht nacharbeiten wenns der Montage zuträgt.

  • @ Zambuk. Irre, den Spannbock hätt ich auch gern!

    Ich hab mit einer passenden Nuss am Leicht deformierten Durchmesser etwas nachgeholfen, jedoch möchte ich nicht stärker darauf einschlagen. Wenige 1/100mm lokale Nacharbeit mit Dremel haben dann aber einen grösseren Effekt erzielt. Die Federauflage lässt sich zumindest wieder von Hand einschieben. Ich werde den Innendurchmesser hinten nochmal mit sehr feinem Schleifpapier glätten und denke dann passts.

  • Hallo Stefcio,

    du hast alles super gemacht.

    Nachdem du mit dem Schleifpapier alles egalisierst, kansst etwa mit Aceton entfetten und dann leicht mit Kaltbrunierung darüber, so dass nacher keine Spuren sichtbar sind. Aber das ist nicht unbeding notwendig. Nur als Idee.

    Übrigens, die alte Manschette, wenn diese nicht gerissen ist, versuche bitte diese über Nacht in Motoröl zu giessen. Alte Manschetten bekommen neues Leben durch so eine "Badewanne". Danach nur leicht den übrigen Öl antupfen, so daß es nicht klitschig ölig ist und dann einbauen.

    Wenn du aber schon eine neue hast, das sollst du trotz, daß es neu ist, auch machen.

    Und es ist wichtig zu wissen, daß neue Manschetten dürfen einige Schüsse bekommen, damit sich diese anpassen können.

    Im Regel, ich zerlege das Gewehr noch einmal und kontroliere wie die Manschette sich angepasst hat.

    Falls die neue Manschette vorne eine Borde/Kante hatt, schneide ich diese bis auf 1-1,5 mm es übrig bleibt.

    Damit wird der toten Hubraum zwischen Kolbenstirn und Zylinderboden reduziert.

    Ansonsten bekommst du keine vernünftige Schussgeschwindigeit und das Gewehr wird sehr schwach schiessen.

    Dieses brauchst du mit der alten Manschette nicht machen, sie hat sich durch die Zeit und Arbeit angepasst.

    Höffentlich könnte ich dir damit etwa behilflich sein.

    Grüße

    Vasi

    Fördermitglied im VDB

  • Valcon

    Da du dich scheinbar sehr gut auskennst hätte ich auch eine Frage an dich zur Manschette:

    Die Ledermanschette ist ja quasi U-förmig. Bei meinem Haenel III-60 war sie, als ich es zerlegt habe, mit dem geschlossenen Ende des U in Schussrichtung montiert. Ich meine aber, das offene Ende des U muss in Schussrichtung montiert werden. Ist das richtig?

  • Hallo Menju,

    Ja, genau. Jede neue Manschette kommt nach der Fertigung in diese U-Form/Tassenform und soll mit Tassenrand nach vorne (in Schussrichtung) montiert werden.

    Hier das Thema bezüglich Manschette Fertigung:

    LuPi Luke
    June 11, 2014 at 11:32 AM

    Grüße

    Vass

    Fördermitglied im VDB

    Edited 2 times, last by Valcon (November 14, 2025 at 11:44 PM).