Schreckschussmarken gestern und heute

  • Ich stamme noch aus einer Zeit, in der man Schreckschusswaffen bei Quelle oder Neckermann bestellte oder bei ominösen Versendern, die auf den letzten Zeiten von Groschenromanen/Schundromanen inserierten, gleich neben den Inseraten von Röntgen- und Hypnosebrillen und Super 8 Filmprojektoren mit anregenden Erwachsenenfilmchen. Einige Marken und Modelle waren geradezu berühmt oder berüchtigt. Mich würde mal interessieren, welche Marken es davon heute noch gibt und wie die heute bewertet bzw. angesehen werden.


    - Cuno Melcher: Galt als Qualitätsmarke und wurde schlagartig berühmt, als sie die erste Pistole im Kaliber 9 mm P.A.K. auf den Markt brachten, die ME9 Mini Para. Ich hatte einen ME38 Pocket Revolver, der immer die Zündhütchen anschlug, aber nicht zuverlässig zündete. Zweimal beim ortsansässigen Waffenhändler umgetauscht und auch verschiedene Kartuschen getestet, aber es verbesserte sich ncihts an der Situation.

    - ERMA: Galt als absolute Qualitätsmarke, die sogar Schreckschussrevolver als Ganzstahlausführung baute. Nie was von bessesen, keine Ahnung, was heute mit der Firma ist.

    - "IWG", Enser Sportwaffen GmbH: Da verblasst meine Erinnerung irgendwie. Allerdings wird die Record 15-9 manchmal auch als IWG bezeichnet. Was hat es damit auf sich?

    - Mauser: Ein Kumpel besaß mal einen gewaltigen Ballermann von Stupsnasenrevolver, der mit Kartuschen im Kaliber .45 Knall gefüttert wurde. Kann sein, dass Mauser nur ein Lizenzname war. Was ist eigentlich aus dem Kaliber. 45 Knall geworden? Meiner Erinnerung nach gab es überhaupt nur zwei Revolve in dem Kaliber: Einen mit Kipplauf (der Mauser?) und einen mit Schwenktrommel.

    - Perfecta: War bekannt für einen PPK Nachbau und Taschenpistolen, die der RECK Goliath ähnelten. Soll heute zu Umarex gehören. Keine Ahnung, ob die Waffen was taugten, habe ich nie besessen.

    - Record: Bekannt für 15-9, die einem ehemaligen Modll von Rhöner ähnelt und eine 6 mm Flobert-Pistole, die der Röhm G3 ähnelt. Die 15-9 besitze ich und bin begeistert davon.

    - RECK: Bekannt für die PK800, Commander und Miami 92F. Galt damals nicht unbedingt als Qualitätsmarke. Nie was von besessen.

    - Rhöner: Bekannt für das Modell 15, das wohl der Vorläufer der Record 15-9 war. Firma ist wohl in den Konkurs gegangen.

    - Röhm: Galt damals als die deutsche Qualitätsmarke schlechthin. RG3, RG300, RG 600 sind legendär. Gehört heute zu Umarex. Keine Ahung, ob das gut, schlecht oder egal ist. Meine RG3 ist seit Jahrzehnten nicht kaputtzukriegen und mein RG59 "Le Petit" zündet jede Kartusche zuverlässig, ganz im Gegensatz zum Melcher ME38 Pocket. Meine absolut bevorzugte SSW, wenn es um das Führen zu SV-Zwecken geht.

    - UMAREX: Galt damals als Schundmarke, die große aber billige Modelle wie Python und Napoleon auf den Markt warf. Mit Entsetzen habe ich vernommen, dass die legendäre Marke Walther heute eine Tochter von Umarex ist. Ich besaß mal einen Colt Government 9 P.A.K., der gar nicht so schlecht war und mit der Napoleon nichts gemein hatte. Trotzdem habe ich irgendwie immer ein maues Gefühl, wenn ich lese, dass eine SSW von Umarex vermarktet wird.

    - Weihrauch: Galt als Qualitätsmarke und hatte die einzige Schreckschusspistole, die die damals wesentlich günstigere Revolvermunition verschoss. Allerdings bitte keine Schwarzpulverladungen, sondern nur NC, keine Kartuschen mit Plastikstöpsel, sondern nur zugefaltete Metallhülsen. In der Praxis war von den erlaubten Kartuschen keine stark genug, um den Schlitten zuverlässig ganz bis nach hinten zu repetieren, so dass es immer wieder zu Auswurfstörungen kam. Die Schlittenfangaussparung war nicht stahlverstärkt, so dass sich der Zinkdruckguss nach wenigen Magazinen derart abgearbeitet hatte, dass der Fanghebel nicht mehr zuverlässig einrastete. Für mich persönlich war das keine Qualitätswaffe.


    Jetzt wäre ich dankbar für eure Ergänzungen, Korrekturen, Meinungen, Erinnerungen, Erfahrungen usw. Welche von dem damaligen Marken habe ich ganz vergessen? Es geht mir einfach darum, die Erinnerungen von damals aufzufrischen und ggfs. zu korrigieren.


    Sonst noch was? - Ein phasenkoordiniertes Plasmagewehr mit einer 40er Reichweite!

  • Hege (Uberti) baut gute Schreckschuß-Revolver.


    Die Alfa Steel sind wohl auch über alle Zweifel erhaben.


    Man muss halt etwas mehr Geld in die Hand nehmen...


    Grüße - Bernhard

  • Jetzt wäre ich dankbar für eure . . .

    Reichlich Material zu den gelisteteten Firmen gibt es hier mehr oder weniger übersichtlich im Forum.

    Ein neuer Thread, der nach nach einem Tag auseinanderfieselt, erscheint wenig zielführend.

    Und den Laberthread gibt es ja auch noch . . . 8)

  • Ich finde diese Erläuterungen zur Frühzeit der SSW total interessant. Da ich mich erst seit den frühen 90ern damit beschäftige.


    Heute ist es ja eher so das Umarex den Markt dominiert.

    Geduld ist die Waffe des Gescheiten

  • Nun was gibt's heute noch?


    Erma, Mauser, Perfecta, Reck, Röhm, Rhöner... Allesamt pleite oder aufgekauft.

    Pleite oder zu Umarex gehörend. Record ist ein kleiner Gehimtipp, der noch nicht zu Umarex gehört.

    Sonst noch was? - Ein phasenkoordiniertes Plasmagewehr mit einer 40er Reichweite!

  • Mich fasziniert zumindest das es die Firma Melcher war, die das heutige Standardkaliber 9mm PAK entwickelt hat.

    Das ist doch eine Leistung die man würdigen sollte.


    Leider habe ich das damals noch nicht so richtig mitbekommen.


    Schade das Melcher nicht dafür gewürdigt wird.

    Geduld ist die Waffe des Gescheiten

  • Umarex hatte die Lizenz Mauser auf Schreckschussmodelle zu schreiben. Manches war wohl auch Fremdfertigung, ich würde zum Beispiel sagen die Mauser WTP (PTB 407) ist wohl eine Tanfoglio GT28. Die GT28 hatte auch ein scharfes Schwestermodell, die GT27. Diese war in 6,35mm Browning (.25 ACP). Der Name WTP ist Programm, WestenTaschenPistole. Das ist was Amerikaner heutzutage als mouse gun bezeichnen.

    Daneben gab es noch die Modelle L50 und L100, welches Modifikationen des Colt Detective Special bzw. des Colt Anaconda waren. Basierten alle auf dem Reck Cobra.

    "Was unterscheidet letztendlich den freien Menschen vom Sklaven? Geld? Macht? Nein! Der freie Mensch hat die Wahl, der Sklave gehorcht!"
    -Wenn du im Sarg liegst, haben sie dich das letzte Mal reingelegt!-

  • … Daneben gab es noch die Modelle L50 und L100, welches Modifikationen des Colt Detective Special bzw. des Colt Anaconda waren. Basierten alle auf dem Reck Cobra.

    Ebenso gab es noch den Revolver Mauser Magnum R45 im Kaliber .45 Knall. Als Besonderheit galt seine Technik als Kipplaufrevolver.

  • Mauser Magnum, richtig. Wobei Kipplauf und Magnum eigentlich nicht zusammenpassen. Kipplauf fand man eigentlich immer nur bei schwächeren Kalibern, wie z.B. .38/200 das ich mal als Beispiel nehme weil wir hier ja auch einen eigenen Thread über Webley und Enfield Revolver haben. Und das sind ja auch Kipplaufrevolver.


    Mauser HSc 84 fast vergessen, der basierte auf der Reck PK 800. Anscheinend wurden dann auch Lizenzen an andere Hersteller vergeben, denn es gab ja auch noch die Mauser HSc 90, die kam von Röhm und war eine optisch modifizierte RG88. Mit der Übernahme der Waffensparte von Röhm durch Umarex landete aber diese HSc dann auch bei Umarex.

    "Was unterscheidet letztendlich den freien Menschen vom Sklaven? Geld? Macht? Nein! Der freie Mensch hat die Wahl, der Sklave gehorcht!"
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