Umarex UX XP40 vs SA-177 -Technisches und Allgemeines

  • Umarex UX 40XP vs SA-177 – Technisches und Allgemeines

    Bild siehe unten


    - Hersteller WinGun, Made in Taiwan.
    - Sicherung über Schieberast an rechter Seite, der Doppelzüngel via Glock am Abzug ist Fake
    - Kaliber 4,5 mm Rundkugeln, 19 Schuss-Magazin (woanders werden 20 angegeben, aber das ist eher ein Wunsch),
    - CO2-Antrieb durch die handelsüblichen 12 gr Kartuschen.
    - Gesamtlänge 190 mm
    - Lauflänge 108 mm
    - Gewicht 680 gr ohne Befüllung


    Bei den UX-Modellen SA-177, SA-9, SA-9 Operator und 40 XP wurde kein echtes Vorbild zugrunde gelegt, obwohl man natürlich auf dem ersten Blick an Glock denkt. Legt man eine HK VP9 darüber, so sieht das schon einigermaßen identisch aus, allerdings stimmt hier vor allem die türkische Canik TP9 noch mehr überein. Man wird sich damit begnügen müssen, ein reines Lookalike zu besitzen und das macht eigentlich auch keine Bauchschmerzen. Ist doch für weit unter 100 Euro Anschaffungspreis auch relativ egal.
    Vielleicht hat man ja bei der Bezeichnung XP auf die älteren User von Windows-Programmen geschielt, die auch heute noch darauf schwören und Win10 nicht sehr favorisieren, alles möglich.


    Das Modell Umarex 40 XP entspricht in allen Parametern den Vorgängermodellen UX SA-177, SA-9 und SA-9 Operator, hinsichtlich Größe, Funktion, Gewicht, Magazinform und – kapazität, die gesamte Funktionspalette und die Handhabung ist dieselbe.
    Es ist eine mit geringen Abweichungen an der äußeren Erscheinung eine absolute Nachfolgeoption genannter Modelle, die es schon seit etlichen Jahren zu kaufen gibt, ganz besonders der SA-9 und deren direktem Vorgänger SA-177.
    Man bekommt hier das gleiche Modell mit anderer Labelung. Neuer Wein in alten Schläuchen.
    (Ich selbst habe eine SA-177 aus dem Produktionsjahr 2010 im momentanen Besitz und auch schon SA-9 und SA-9 Operator besessen, jeder Vergleich fußt darauf und ist komplett belegbar).


    Der CO2-BlowBack-Effekt ist sehr stark, auch wenn es beim Schütteln der Waffe ein spürbares Schlackern des Aluminium-Verschlusses gibt, bis hin zum Einrasten des Verschlusses, wenn man es wild betreibt - nicht konform mit der Ur-Form SA177. Dort passiert das nicht, weil eine strammere Rückholfeder verwendet wurde. Warum das in den Nachfolgemodellen gemildert wurde, das wissen wohl nur die taiwanesischen BlowBack-Götter und erzeugt ungläubiges Kopfschütteln. Sinn macht es nicht und jeder Besitzer der neueren Modelle würde sich ein solch kleines, jedoch wichtiges Teil zurück wünschen.


    Das Blowback ist eine nette Funktion, aber zum Schießen der Waffe nicht absolut notwendig, man kann es unterdrücken und alles passiert genauso, weil es nichts zur eigentlichen Funktion beiträgt.
    Man bestückt die XP mit einer CO2-Treiberkartusche und füllt das Magazin auf, mehr ist nicht notwendig, sie schießt sofort und ganz ohne Durchladen am Schlitten, das BlowBack ist nur Show und das spürt man auch am völlig saftlosen Bewegen des Schlittens beim Repetieren.
    Das hat die 40 XP mit allen Vorgängern gemein, die zu 95 Prozent genauso aussehen und funktionieren.


    Die Magazine sind sich also bei allen Modellen auch gleich, man kann die Magazine von SA-177 und SA-9 oder Operator untereinander bedenkenlos wechseln, alles das gleiche, bei der 40 XP ist das genauso. Das erklärt vielleicht auch, weshalb es seit langer Zeit keinerlei Wechselmagazine für SA-177 und SA-9 zu kaufen gibt, es sei denn im Ausland und zu absolut horrenden Preisen, die einen schwindlig machen.
    Man musste sich wohl herstellerseitig auf die gängige Angebotspalette konzentrieren und versäumte dabei, dass es extrem viele Nutzer der Vorgänger gibt und dass die eigentlich auch auf Magazinnachschub warten könnten. Nachfragen bei den Händlern erzeugt Achselzucken, sie wissen darüber nichts oder wollen es nicht wissen – besagt mir nur, dass ihnen gar nicht bekannt ist was sie da wirklich verkaufen.
    Dabei ist dieses Magazin in vielen anderen Waffen bereits präsent, das neueste Beispiel wäre die Glock 17 Gen. 4 als NBB. Auch hier das selbe WinGun-Magazin, leider jedoch mit einem nicht passenden Magazinschuh ausgestattet. Um es passend zu machen, müsste man etliche Schleifarbeiten vornehmen. Und wieder: alter Wein in neuen Schläuchen, alles schon gehabt.


    Erwirbt man eine UX 40 XP, bekommt man also eine Pistole, die es bereits seit langen Jahren gibt und nur jetzt anders heißt und meist einen schönen oder nicht so schönen silbernen Schlitten bekommen hat. Über Geschmack lässt sich ja bekanntlich streiten.
    Diese ganzen Modellreihen werden im niedrigen Preissegment angeboten, obwohl sie brauchbare Schussresultate erbringen, trotz Glattlauf und Rundkugeln, sie können sich durchaus mit weitaus teureren Modellen messen, die lediglich einen besseren Namen eingraviert und ein anderes Aussehen bekommen haben.
    Der wirkliche Unterschied liegt im Funktionsprinzip. Das übrigens auch gern woanders Einzug genommen hat, beispielsweise bei der Beretta APX, X.P.G. oder beim ASG TAC 4,5, einem Gewehr mit Pistolencharakter, nur um mal einige Beispiele zu nennen.
    WinGun hat diesen Modellaufbau weit gestreut, es handelt sich bei allem um die gleiche innere Technik mit anderen Mäntelchen und daran sieht man auch, von welchem Fließband das alles gefallen ist. Innovative Ingenieurskunst wurde dort also schon vor langer Zeit geleistet, ohne Bezug zu heutigem und wenn man eine Sicherung auf der rechten Seite überm Abzug entdeckt und beim Magazin 19 Schuss angegeben wird, so wird es das stets gleiche innere Ding sein. (Spoiler)


    Bei jedem Abzugbetätigen wird der BB-Fördermechanismus mitbetätigt, der gesamte Lauf schiebt sich vor und schlägt dann zurück, um das Ventil auszulösen. Das ist genial einfach und auch ebenso nicht präzisionsfördernd, denn der erhöhte Aufwand am Abzug beschert einem das Verwackeln im Ziel und das ist auch der Grund, weswegen keine extrem guten Schießergebnisse erzielt werden.
    Man kann diese UX nicht vorspannen, um das auszuschließen, sie sind dafür zu simpel gestrickt.
    Der Abzug hat einen langen Vorzugsweg und kriecht vor sich hin, irgendwann, ganz hinten, löst es dann aus, wenn man schon richtig derb Kraft anzittern musste. Bis dahin musste eine BB mechanisch vorgelegt und der gesamte Lauf verschoben werden, dann erst bricht der Schuss.
    Beim TAC 4,5 mochte das in Ordnung gehen, ein Gewehr liegt halt anders in den Händen, richtig gut ist es aber deswegen auch nicht.


    Energetisch liegen diese Waffen am Chrony bei 2 bis knapp 3 Joule und das ist für eine BlowBack nicht wirklich schlecht, selbst wenn es eigentlich Fake ist. Wenn man die sinnlose BlowBack-Funktion mit einfachen Mitteln verhindert, der eh rein kosmetischen Charakter hat, liegt es sogar noch darüber.


    Gut funktioniert haben sie mit verkupferten Bleirundkugeln, in 4,4 mm noch besser als mit 4,5 mm (bedeutet H&N), aber auch die werden „gefressen“, man ist dort nicht wirklich eingeschränkt und mit Magnetismus wie bei anderen Herstellern hat das auch nichts zu tun. Die BBs werden nicht magnetisch gehalten, es fußt alles auf rein mechanischem Weg und der Lauf verschmerzt bis zu 4,5 mm alles an Rundkugeln. Leichte Besserungen am Zielkasten auf fünf bis acht Metern haben sich mit 4,4 mm ergeben. Mehr als zehn Meter Entfernung sind nicht wirklich sinnvoll.


    Angesichts der vorherigen Modellvielfalt kann man auch sagen, dass sie nicht störanfällig sind und bei richtiger Wartung (Silikonierung der Dichtungen) etliche Tausende Schuss stressfrei durchhalten. Macht man das nicht, wird sich das irgendwann und in absehbarer Zeit rächen.


    Gut zerlegbar sind diese Gerätschaften alle nicht, man muss einen Stift vorn über dem Abzug herausdrücken und kann dann den Schlitten abnehmen. Erfordert ein wenig handwerkliches Geschick und ein gewisses Repertoire an passendem Werkzeug. Für den öfteren Einsatz war das sicher nicht gedacht und wer Anfänger ist, steht dort vor echten Problemen und fragt sich zu Recht, warum das alles nicht besser gelöst hätte werden können.


    FAZIT:
    die Pistole UX 40XP ist das, was andere vor ihr auch schon waren. Momentan (Stand Juni 2021) wird sie für einen wirklich extrem niedrigen Preis angeboten und sie hält, was man von ihr erwarten kann. Kein absolutes Präzisonswunder, aber Fun ohne Ende. Starker Blowback, den man sich außer der Show eigentlich schenken kann, hohe Energie, gefälliges Aussehen und gute Funktionalität.
    Sie ist durchaus ihr Geld wert, die Messlatte darf nur nicht zu hoch ausfallen.