Die Fliegenklatsche der Neuzeit - Colt SAA 4.5 BB und eine Prise Salz

  • Guten Tag liebe Western - Gemeinde.


    Zunächst einmal vorweg: ich bin mir nicht sicher ob ein „Modding“ folgender Natur gegen eine eurer Regeln verstösst, da es doch sehr speziell ist. Darum verzeiht mir falls ich das tue.


    Vor einiger Zeit sah ich dieses bescheuerte Teil hier:

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    Eine Schrotflinte die Salz verschiesst.
    Zu einem Preis von 60 Tacken war mir das aber zu viel Plastik, und ich konnte mir nicht vorstellen dass das Teil lange hält (was wohl auch nicht der Fall ist, wenn man sich die Bewertungen ansieht).


    Also dachte ich mir dass man ja lediglich ein paar Dinge braucht für so ein Prinzip:
    - eine festgelegte Menge Salz für jeden Schuss
    - eine Treibladung (Luft/CO2)
    -einen Lauf der die Flugrichtung der Ladung vorgibt


    Ich hatte noch eine alte Walther P99 Luftdruckwaffe von einem Kumpel vermacht bekommen, mit dem klassischen Trommelmagazin.
    Also ausprobiert und in die kleinen Kammern mit einem entsprechend starken Pintreiber die Ladungen Salz hinein gestösselt.
    Siehe da: es funktionierte. Ist aber aufgrund der Trommel und dem Innenraum, in welchen zwangsläufig Salz hinein krümelt, unpraktisch. Und auf Dauer hat man durch die gleitenden Teile feinen Salzstaub, der nicht gut ist und außerdem schwer zu reinigen.
    Also drängte sich ein Konstruktionsprinzip auf dass weniger "verbaut" ist und ausserdem gut zugänglich: Der Revolver.
    Da war dann der Colt SAA von Umarex nicht weit. Hab das Ding beschafft und die Patronen mit ein wenig Salz geladen (Meersalz ohne Antigranulantien / Rieselhilfen, ich bin mit dem Alnatura Meersalz feinkörnig sehr zufrieden, gibt’s auch im Edeka).
    Beim Stopfen der Ladung benötigt man etwas Gefühl für Menge und Komprimierung, aber das stellt sich ein.


    Und es hat funktionert.
    Und wie. Grossartig. Hammer! Es ist eine wahre Freude. Beim Grillen mit dem Teil alles wegballern was sich auf den Tisch setzt. Oder den Serviertellerrand.
    Wenn man mal so eine Stubenfliege im Flug aus der Hüfte weggelatzt hat, kommt einem die gute alte Klatsche, nun ja, "steinzeitlich" vor.
    Schutzbrille vorausgesetzt, safety first natürlich.



    Das bringt mich auf einen weiteren wichtigen Punkt, die Sicherheit.
    Man muss sich klar machen dass das eben kein Plastikteil vom Amazon Marktplatz ist, das maximal auf Softairniveau rausbläst (no offense liebe Softairfreunde), sondern eben mit den 3,5 bis 4 Joule nicht ohne Grund ab achtzehn ist. Dementsprechend sehen die Fliegen auch aus, je nachdem aus welcher Distanz und ob man sie aus dem Flug oder sitzend erwischt.
    Da es sich bei dem verwendeten Geschoss ja nicht um ein einzelnes, sondern vielmehr um mehrere Dutzend, winzig kleine scharfkantige Salzpartikel handelt, welche auch einen soliden Spread entwickeln wenn sie mal aus dem Lauf sind, ist eine Schutzbrille angeraten. Im Grunde eine Shotgun im Revolverkleid.
    Es gilt also in etwa der Sicherheitsbereich wie beim normalen Schießen auch.
    Eine Ladung ins Auge, und je nach Distanz sieht man dann aus wie mein alias Rooster Cogburn. Den Meisten dürfte dies auch klar sein.
    Diese scharfkantigen Salzpartikel sind natürlich auch bei empfindlichen Oberflächen ein Problem, also Vorsicht bei der Anwendung. Auf Tapete an der Küchendecke waren bleibende Schäden jedoch nicht auszumachen...
    Und dahin fliehen diese kleinen F...lieger ja meistens.




    Wie oben erwähnt ist das Schießen aus der Hüfte in diesem Fall eine zwiespältige Angelegenheit, solange allerdings eine Schutzbrille getragen wird ist das Risiko überschaubar. Auch dass Projektile das Grundstück verlassen ist unwahrscheinlich bei dieser Korngröße.
    Ob und wie man das eventuell herbeigerufenen Ordnungskräften erklären kann sei dahingestellt.
    Eine genaue Messung steht jedoch noch aus und die Ergebnisse werden nachgereicht. Aus einer Entfernung von eineinhalb Metern kann man eine braune Einkaufstüte einmal perforieren, das mal als Anhaltspunkt.



    Thema Haltbarkeit.
    Ich weiß, ich weiß: SALZ!???? In einer CO2 Waffe, mit Dichtungen, Oberflächen die angegriffen werden, Messing!
    Aber ich kann mich bislang nicht beschweren.
    Ich habe das nun den ganzen Sommer so betrieben, und bis jetzt keinerlei Probleme oder auffällig korrodierte Stellen beobachtet (Wie es im Lauf aussieht kann ich nicht sagen, aber wenn man da einmal durchwischt kann auch nicht mehr so viel drin sein).
    Man muss den Colt nach einer Session natürlich etwas reinigen, aber das ist kein großer Zauber, solange das Teil nicht aus jeder Ritze Öl leckt. Auch das Messing der Hülsen leidet etwas, das lässt sich aber alles einfach beheben. Und ist auch glaube ich mehr auf den Handschweiß zurückzuführen (Bis auf die Stirnseite der Spitze, die leidet durch das Befüllprinzip ein wenig mehr).



    Auf den Fotos ist durchaus zu sehen dass die Oberfläche am Lauf nahe der Trommel etwas nachlässt aber es ist nun mal ein Gebrauchsgegenstand. Salzwüste, whatever.
    Und so oft wie ich das Teil nun schon herumgewirbelt habe könnte es auch einfach abgegriffen sein.
    Das Salz kommt nicht an die Dichtung hinten am Rahmen vor der Trommel, wenn man sauber arbeitet. Der Bereich des Übergangs vom Lauf zur Trommel ist wohl am meisten ausgesetzt.
    Es empfiehlt sich allerdings einige Hülsen zu haben, ich habe z.B. 18 Stck. Man sollte vielleicht explizit einige zu „Salzträgern“ küren, falls man mehrere Colts besitzt.
    Wenn man z.B. den Custom Shop Edition dafür nimmt ist das sicher eine solide Lösung die nicht allzu teuer ist, und auch gut unter der Grillschürze getragen werden kann.
    Unabhängig vom Salz habe ich das Teil schon zweimal auf den Holzboden fallen lassen, und es ist nichts abgebrochen oder übermäßig verbogen.
    Man muss eben auch an den Gunslinger-Moves arbeiten...



    Zusammenfassend kann ich sagen:
    Ein großartiger Spass, man fängt an die kleinen Tiere herbeizusehnen, wo früher Abscheu vorherrschte ist nun Jagdfieber das tragende Gefühl. Schade dass die Saison bald vorbei ist.
    Auch sportlich kommt man auf seine Kosten, man kann Kategorien anlegen, wie etwa Doublekills, Mid-Air, etc...
    Die Stubenfliege ist hierbei natürlich das einzige Tierchen welches bejagt wird, die Fruchtfliege ist es nicht Wert, Wespen stehen unter Schutz (und man macht Sie vermutlich nur aggressiv wenn man den Schuss versaut) und Bienen... Gott bewahre!
    Der Vorwurf der Tierquälerei erübrigt sich solange diese Klebefallen verkauft werden (die sehr gut funktionieren), es kann allerdings vorkommen dass lediglich die Flügel abgetrennt werden, dann muss man schnell nachsetzen. Wie bei der Zeitung auch (Das Nachsetzen, nicht das Abtrennen der Flügel ist hier der gem. Nenner).



    Wenn Interesse besteht kann ich auch mal eine kleine Anleitung hochladen welches Equipment notwendig ist. Es ist nicht viel.



    Genug für heute, Howdy Leute!

    " ...I´m a poor lonesome cowboy...

    and a long, long way from home..."

  • :laugh: Kopfkino!


    Herrlich. Äußerst unterhaltsam und toll geschrieben. Du bist auf sämtliche Aspekte eingegangen. Da sollten kaum Fragen offen bleiben. :thumbsup:


    Wie verschließt du denn das Salz in den Hülsen?

  • Aufgrund der Korrosionsproblematik bin ich von Salz auf Zucker umgestiegen ;)


    So ein Colt wirkt dafür natürlich erstklassig, ich bin mit der HW40 noch im Einzelladerbetireb unterwegs. Von hinten wird ein kleines Papierkügelchen aus Taschentuchstoff geladen (geht nach ~20cm auseinander und kommt nicht weit), dann schließen und von vorn einen Prise Zucker laden.

  • Also das Prinzip einer Critter-Gitter.
    Fliegen jagen, Steak salzen und Gehweg auftauen.


    Ob ich die Pistole damit wohl führen darf?
    Ist ja nur ein Salzstreuer/Winterwerkzeug.

    Gruß, Ralf
    Alt, aber bewaffnet. :thumbsup:


    Orbis non sufficit quod Omnia tempus habent.

  • Mach das nicht! Hab ich aus jux und Geistervertreiben auch mal probiert. Leider verteilt sich das Salz durch den Druck überall in der Waffen und Stahlteile, vorallen der Lauf, rosten dir innerhalb von Tagen weg!

  • Der SAA hat ja nur ein Messingröhrchen als Lauf.


    Ich nutze auch meine Co2 Plempen, aber ohne Ladung. Der Luftdruck reicht locker um auf 20cm die Mistviecher zu atomisieren...


    Auf 1m macht das aber sicher richtig Laune :thumbsup:

    life is pain

  • Wenn die Fliegen Saison vorbei ist, kannst ja auf Salz+Pfeffer umstellen und morgens deine Frühstückseier erschießen. :D


    Ansonsten: Wem´s gefällt, meinen Segen hat ihr. ;)

  • :laugh: Kopfkino!
    Herrlich. Äußerst unterhaltsam und toll geschrieben. Du bist auf sämtliche Aspekte eingegangen. Da sollten kaum Fragen offen bleiben. :thumbsup:


    Wie verschließt du denn das Salz in den Hülsen?

    Danke für die Blumen!


    Das Salz ist eigentlich recht beständig wenn man den Druck beim reinstösseln in die Hülse stark genug macht, Zumindest krümelt da nichts, ausser vielleicht mal ein einzelnes Korn. Solange man die Hülsen nicht hart erschüttert.

    Aufgrund der Korrosionsproblematik bin ich von Salz auf Zucker umgestiegen ;)


    So ein Colt wirkt dafür natürlich erstklassig, ich bin mit der HW40 noch im Einzelladerbetireb unterwegs. Von hinten wird ein kleines Papierkügelchen aus Taschentuchstoff geladen (geht nach ~20cm auseinander und kommt nicht weit), dann schließen und von vorn einen Prise Zucker laden.

    Das würde das Problem natürlich lösen, dann muss man entscheiden ob man es lieber klebrig oder rostig mag :) Ich werde das ausprobieren. Die Ameisen freut´s, aber das darf es auch. Für den Aussenbereich ist Zucker definitiv erste Wahl.

    " ...I´m a poor lonesome cowboy...

    and a long, long way from home..."

  • Wenn Salz doch diese Probleme bereiten kann, warum dann nicht Quarzsand?
    Ähnliche Eigenschaften, weniger Folgeprobleme.

    Gruß, Ralf
    Alt, aber bewaffnet. :thumbsup:


    Orbis non sufficit quod Omnia tempus habent.

  • Genial. Der SAA(lzstreuer) als Fliegen-Flak! :thumbsup:


    Wer Rost oder Kollateralschäden fürchtet, kann ja immer noch zur klassischen Methode greifen:
    (Ab Min. 4:55) :whistling:


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  • Der SAAlzstreuer, ist ab sofort der offizielle Name für mich. :D


    @2erlei : Das Salz bzw. evtl. der Zucker hat die Eigenschaft bei richtiger Kompression so fest zu sein dass er verlässlich in der Hülse verbleibt bis der Luftdruck ihn hinaustreibt. Ich bereite immer einige Hülsen vor und kann dann auch stilecht nachladen. An meiner Trefferquote muss ich noch arbeiten, aus der Luft waren es für diesen Sommer ungefähr 20 (Ja, es gibt eine Liste).

    " ...I´m a poor lonesome cowboy...

    and a long, long way from home..."

  • Die Fliegenklatsche der Neuzeit - Colt SAA 4.5






    Beim Lesen dieses Titels hab ich gedacht, das wird ein Riesenverriss des Colt SAA - aber das liest sich dann doch nach jeder Menge spassssss.... *lol*


    Ich werde es aber mit Zucker probieren, Salz erscheint mir persönlich zu aggressiv.


    ( ich habe noch Walther Reinigungskartuschen, die ja auch nur das Öl rausballern, Fliegen! zieht auch warm an )

    Joe - einfach nur Joe

  • ...und ich werde mal ein paar Hülsen Quarz für die Critter-Gitter basteln.
    Das ist nichts für meinen Colt.


    Das wird spaßig werden.
    Jetzt wird das Ding doch noch zu was tauglich.

    Gruß, Ralf
    Alt, aber bewaffnet. :thumbsup:


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  • Ist das den Weidgerecht 8|
    VL mit Inddorshooting Kit und 209ern für den Overkill. :P
    Wobei Steinsalz ja auch aus Schrotflinten verschossen wird. Werde auch mal mit Propfen ne Ladung vorbereiten und ausprobieren.


    Das ist des Jägers Ehrenschild,
    das er beschützt und hegt sein Wild,
    weidmännisch jagt,
    wie sich's gehört,
    den Schöpfer im Geschöpfe ehrt.

    ACTA NON VERBA

  • Als Wänster hatten wir dazu den Diana 1 Knicker. Bei dem wird der glatte Lauf vorn rausgeschraubt, von hinten geladen und wieder reingeschraubt. Für Schrot haben wir das Ding einfach kurz in den Boden gesteckt, fertig war die Ladung, und kurz darauf war ein Loch im nächsten Mückenschwarm :D

  • Hast du eine Flasche Jägermeister in die Hand bekommen?

    "Büchsen kann man nie zuviele haben!"
    Pippi Langstrumpf