Suche Tipps zum Umgang mit alten, lange nicht genutzten Luftdruckwaffen

  • Moin moin,
    durch eine Erbschaft bin ich im vergangenen Jahr Besitzer eines Burgo Meisterschütze (baugleich mit Weihrauch HW35) Luftgewehrs und einer Walther Lp53 Luftpistole geworden. Gemäß der Seriennummern sind beide Waffen aus den 60er Jahren.
    Der Erblasser hat die Waffen auch in dieser Zeit verwendet und seitdem nur im Schrank gelagert. Daher wurden diese mehr als 40 Jahre lang nicht verwendet.
    Vor kurzem war ich im örtlichen Schützenverein um einen Funktionstest durchzuführen. Ich konnte keine Defekte feststellen, sowohl Luftgewehr als auch Luftpistole schießen ordnungsgemäß. (jeweils 5 Schuss zum testen)
    Ich mache mir nun Sorgen, dass ich die Mechanik ggf. schädige wenn ich die Waffen nach so langer Zeit einfach wieder in Betrieb nehme und regelmäßig damit schieße. Vielleicht könnt ihr mir einige Tipps zum Umgang mit alten und lange nicht verwenden Luftdruckwaffen geben.
    Ich kann mir vorstellen, dass das alte Fett im inneren ausgetrocknet oder verklumpt ist. Wäre es ratsam die Waffen komplett zu verlegen, von innen zu reinigen und neu zu fetten? Gibt es vielleicht sogar Bauteile die ich nach so langer Zeit erneuern sollte?
    Oder ist meine Sorge ggf. unbegründet und ich sollte einfach nur Spaß damit haben?


    Vielen Dank für eure Hilfe

  • Wäre es ratsam die Waffen komplett zu verlegen, von innen zu reinigen und neu zu fetten? Gibt es vielleicht sogar Bauteile die ich nach so langer Zeit erneuern sollte?

    Verlegen solltest du die Schätzchen lieber nicht, du willst ja noch Spaß mit ihnen haben! ;):P


    Nein im Ernst,
    Das Zerlegen und neu fetten ist unbedingt ratsam!
    Mit der Walther kenne ich mich nicht aus, aber bei der Burgo solltest du dir die Dichtung anschauen.
    Wenn sie aus den 60ern ist und noch nicht gewechselt wurde, dann wird es noch eine Lederdichtung sein.
    Wenn die 40 Jahre standen, dann gammeln die gern mal weg.
    Dagegen spricht, dass das Gewehr beim Testen noch ohne Probleme funktionierte...


    Nimm sie auseinander, schau dir die Kolbendichtung an, wenn sie noch gut ist, dann leg sie über Nacht in ein Synthetik-Motoröl ein, danach kannst du überschüssiges Öl entfernen und sie wieder verbauen. Wenn du im Schützenverein die Möglichkeit hast, die Geschossgeschwindigkeit zu messen, dann solltest du das auch tun.
    Das gibt dann nochmal Auskunft über den Feder- und Dichtungszustand.


    Die Feder würde ich bei 40 Jahren Standzeit eigentlich auch tauschen...
    Sonst musst du außer dem von dir erwähntem Reinigen und Neufetten nichts weiter tun!
    Ersatzteile gibt es auch noch!
    Google am besten mal nach "Waffencenter-Gotha".
    An einem alten LG geht, sofern es richtig gelagert wurde, eigentlich nicht viel kaputt!


    :thumbup: Also frisch machen, Spaß haben!


    Gruß
    UCh

  • Knall' die Dinger einfach weiter und mach' dir über Schäden erst Sorgen, wenn der Shit nicht mehr funktioniert.


    Keine Angst, die Dinger kriegt man nicht wirklich kaputt.

  • Ich denke ich werde vor allem die Burgo am Wochenende mal zerlegen und mir den inneren Zustand genauer ansehen. Möchte gerne noch viele Jahre Freude daran haben, da sie optisch für ihr Alter echt noch top ist.
    Vielen Dank für deine Tipps Unfallchirurg! Ich habe beim Waffencenter Gotha gesehen, dass für die HW35 sowohl eine Gummidichtung, als auch eine Lederdichtung angeboten werden. Wenn sich herausstellen sollte, dass ich die Dichtung ersetzen muss, welche sollte ich dann wählen?

  • Ich habe beim Waffencenter Gotha gesehen, dass für die HW35 sowohl eine Gummidichtung, als auch eine Lederdichtung angeboten werden. Wenn sich herausstellen sollte, dass ich die Dichtung ersetzen muss, welche sollte ich dann wählen?

    Man kann beide bedenkenlos nehmen!
    Habe auch schon beide verbaut.
    Ich finde bei einem solchen alten Schätzchen lohnt es sich auch wieder eine Lederdichtung zu verbauen!
    Die legst du vor dem Einbau ebenfalls wie oben beschrieben in Öl ein und verbaust sie dann.
    Großartige Vor-/Nachteile gibt es meiner Meinung nach zwischen PU und Leder nicht...
    Der größte Vorteil bei einer Lederdichtung ist für mich jedoch die bessere Dichtfähigkeit in älteren Systemen, die bereits an der inneren Lauffläche der Systemhülsenwand gelitten haben!
    Das passiert gern mal, wenn mit defekter Dichtung "weiter geknallt" wird, oder früher mal Nägel und andere ungeeignete Metallteile verschossen wurden!
    Das gibt durch Metall-Metall-Kontakt dann logischerweise Riefen und Schäden im Inneren!
    Da kann eine PU-Dichtung auch mal versagen!
    Leder kompensiert das eigentlich immer recht gut.


    @Unfallchirurg


    Wie sieht es mit dem Abzug aus? Bei zwei alten Gewehren mit längerer Standzeit hat sich spontan ab und zu ein Schuss gelöst, meist kurz nach dem spannen.


    Das kann an verharztem Fett im Abzuginneren liegen!
    Passiert auch immer mal wieder!
    Die Klinken kleben dann fest und der Abzug funktioniert dann nicht mehr sicher...


    Abhilfe schafft hier das Einlegen in Waffenöl!
    Sofern man den Abzug nicht zerlegen will...
    Abzug zerlegen und ordentlich reinigen/ölen bzw. fetten wäre natürlich die bessere Lösung.


    Hab sogar schon mal einen festgerosteten Abzug+Sicherung bei einer alten HW35 gesehen, die Jahrzehnte in einem feuchten Keller stand!
    Da hilft dann natürlich nur noch Zerlegen und Schleifen!


    Gruß
    UCh

  • Guter Hinweis, vielen Dank! Aufgrund des optischen Zustands vermute ich, dass im inneren kein Rost zu finden ist, aber das Schmiermittel ist mit Sicherheit verharzt. Werde mir dann auch den Abzug genauer anschauen.
    Ich hänge mal ein Bild von meinem Schätzchen an. Am Wochenende wenn ich sie zerlegt habe poste ich dann auch mal Bilder von innen.

  • Bei dem gepflegten Zustand würde ich sie zerlegen, neu fetten und ne neue Laufdichtung verbauen. Die Feder und die Lederdichtung sind zu 99% super in Schuss. Sehr schöner Luxusschaft übrigens :thumbup:

  • Die Feder und die Lederdichtung sind zu 99% super in Schuss

    Wie man nach fast 50-60 Jahren von einer intakten Feder ausgehen kann erschließt sich mir nicht...



    Edit: bei dem Alter sollten ruhig wie von Unfallchirurg empfohlen die Lauf- und Kolbendichtung sowie die Feder getauscht werden. Ich hatte noch kein so altes Gewehr in den Händen, bei dem sich die Feder nicht min. 2cm gesetzt hat.

    Gruß Chris



    Perfecta 32 - Feinwerkbau 300S - Haenel III-60 - Diana 25 (BJ 55) - Diana 75 - Weihrauch HW 40 - Diana 75 T01 - Smith & Wesson 79 G - Umarex Legends S40 - Beretta PX4 Storm, in der Reihenfolge eingetrudelt :thumbsup:

    Edited once, last by Chris770 ().

  • Laufdichtungen musste ich bis jetzt in den seltensten Fällen wechseln; v.a. bei Lederdichtungen ist der Zustand oft noch wirklich gut.
    Auch hier kommt es wieder auf die Lagerungsbedingungen an!


    Wenn ich mir das schöne Burgo oben anschaue, dann stand die sicher geschützt und v.a. trocken in einem Schrank.
    Da wird das Leder über die Jahre oft spröde und trocknet aus, aber man kann es immernoch gut mit einer kleinen Ölkur reaktivieren.
    Da waren bei mir bis jetzt kaum Gewehre dabei, bei denen dann trotzdem die Laufdichtung erneuert werden musste.


    Das schlimmste für ein LG ist Feuchtigkeit.
    Da schimmeln die Lederdichtungen dann komplett weg...
    Hatte irgendwo noch ein Bild von einer alten HW55 Kolbendichtung.
    Die war zur Hälfte weggegammelt!


    Auch die alten Walther Kunstoffdichtungen beim LG53/55 oder die Diana Vulkollandichtungen bröseln nach dieser Zeit komplett weg.
    Da hilft oft nur noch der Wechsel.


    Gruß
    UCh

  • Wie man nach fast 50-60 Jahren von einer intakten Feder ausgehen kann erschließt sich mir nicht...

    Schau dir die Burgo mal genauer an, die befindet sich äußerlich in top Zustand und wurde sicherlich nicht viel geschossen, ich gehe mal davon aus das sie innen auch in guten Zustand ist. Der Feder macht es übrigens nichts aus über Jahrzehnte nur mit Vorspannung belastet zu sein, das ist noch eine gute Feder aus den sechziger Jahren und die damaligen Federn waren von bester Qualität. Das Fett wird alt sein und die Kolbendichtung trocken, das bekommt man locker wieder mit ein bisschen frischem Motoröl wieder hin, genau wie Unfallchirurg gechrieben hat.

  • Der Feder macht es übrigens nichts aus über Jahrzehnte nur mit Vorspannung belastet zu sein, das ist noch eine gute Feder aus den sechziger Jahren

    Die Feder möchte ich im Vergleich zu einer neuen sehen...



    Federn einer Haenel III-60. unten alt, oben neu


    Damals für die Kinder gekauft (Produktion nur von 1960-1961). Die Kinder haben damit Tauben gekillt, daraufhin von der Mutter wieder eingezogen und bis ich sie bekommen habe im Schlafzimmerschrank gelagert. Jetzt sag nochmal einer wenig geschossen und nur mit Vorspannung gelagert, wirkt sich nicht auf die Feder aus...

    Gruß Chris



    Perfecta 32 - Feinwerkbau 300S - Haenel III-60 - Diana 25 (BJ 55) - Diana 75 - Weihrauch HW 40 - Diana 75 T01 - Smith & Wesson 79 G - Umarex Legends S40 - Beretta PX4 Storm, in der Reihenfolge eingetrudelt :thumbsup:

  • Bezüglich der Feder habe ich auch schon beides erlebt.


    2 Beispiele:
    47 Jahre alte HW55: Standzeit unbekannt, war aber sehr verstaubt! Feder zwar gestaucht aber immernoch volle Leistung!


    LG53 aus den 60ern: Stand mind. 40 Jahre in der Ecke. Feder komplett unbrauchbar!!!
    Stark gekrümmt und ordentlich gestaucht.


    Letzteres war bei den Gewehren, die ich bis jetzt restauriert habe eigentlich die Regel!
    Wobei man sagen muss, wenn die Feder konstruktionsbedingt relativ eng und über einen längeren Federweg geführt ist, dann hält sie auch nach Jahrzehnten Standzeit oft noch gut!
    Die LG53/55 ist mit ihrer kurzen Federführung da auch ein gutes Beispiel, dass das Gegenteil dann oft der Fall ist!


    Der Vorteil bei einer alten HW35 z.B. ist die recht starke und steife Feder! Da tut sich dann über die Jahre meiner Erfahrung nach auch weniger.


    Dennoch vertrete auch ich die Meinung, dass bei einem ohnehin schon zerlegtem LG, für welches es noch Ersatzteile gibt, nichts gegen einen Federwechsel spricht!
    Der Preis einer Ersatzfeder hält sich mit im Schnitt 20€ auch absolut im Rahmen!!!
    Man sollte auch einen evtl. bevorstehenden Federbruch mit sehr alter Feder im Hinterkopf behalten.


    Gruß
    UCh

  • Jetzt sag nochmal einer wenig geschossen und nur mit Vorspannung gelagert, wirkt sich nicht auf die Feder aus...

    Genau das behaupte ich aber von den Weihrauch und Burgos, die haben ihren Erfolg ja nicht von ungefähr. Und du kannst mir glauben das ich schon zig HW 35 auf dem Schreibtisch hatte. Meine erste Burgo habe ich mit 12 Jahren besessen, das war 1977. Seit dem Hab ich ne ganze Menge von den Dingern zerlegt und neu aufgebaut. Aber egal, der Treadstarter wird seine 35er selber nach seinem Gusto warten und das ist auch gut so. Er wird sie zerlegen und das austauschen was nicht mehr gut ist. Mir geht es nicht darum wer hier "recht hat" aber ich lasse mich ungern wie ein Schuljunge hinstellen so nach dem Motto: Der hat ja nur 35 Beiträge geschrieben und kann keine Ahnung haben. Ich bin hier raus aus den Tema ;)

  • Es war nicht meine Absicht dich zu diskriminieren, tut mir leid!
    Ich konnte mir das einfach nicht vorstellen, da noch nie so erlebt.
    Ich war der Meinung die Haenel sind gut verarbeitet. Wenn du und der Unfallchirurg jetzt sagt es gibt dieses Phänomen, dann freue ich mich wieder etwas gelernt zu haben.

    Gruß Chris



    Perfecta 32 - Feinwerkbau 300S - Haenel III-60 - Diana 25 (BJ 55) - Diana 75 - Weihrauch HW 40 - Diana 75 T01 - Smith & Wesson 79 G - Umarex Legends S40 - Beretta PX4 Storm, in der Reihenfolge eingetrudelt :thumbsup:

  • Hab vor kurzem eine LP53 Bj.1962 erworben.Lag auch ca.40 Jahre rum( komplett wie neu).
    Vo 130,5 und das mit nur 1m/s Abweichung bei 10 Schuss(Dia H&N).
    Hab gar nix gemacht ausser etwas Fett auf den Bolzen des Riegels und etwas
    Breakfree in die Spannmechanik.
    Würde nix machen solang die laufen.
    Solang das Dia auf ner Stahlplatte
    Komplett platt ist,ist alles gut.

    Edited once, last by P217 ().

  • Zunächst möchte ich erstmal allen Schreibern für ihre Beiträge und Tipps danken!
    Heute hatte ich dann endlich genug Zeit die gute Burgo zu zerlegen. Ich habe von den Einzelteilen Bilder angefertigt und hoffe ihr könnt mir dazu eine Einschätzung abgeben. Ich habe die Teile alle so fotografiert wie ich sie ausgebaut habe, bisher habe ich nichts gereinigt oder verändert.


    Der Schaft der von außen wie neu aussieht hat von innen nur ein paar Flecken vom überschüssigen Fett der Systemhülse abbekommen, ansonsten macht er von innen ebenfalls einen super Eindruck.




    Der Abzug ist sehr stark geschmiert, das Fett ist allerdings nicht klebrig sondern scheint nach wie vor in gutem Zustand zu sein.


    Beim demontieren vom Lauf ist mir aufgefallen, dass bei meinem Gewehr keine Unterlegscheiben zwischen der Systemhülse und dem verschraubten Teil vom Lauf sind. Bei den Anleitungen und Videos die ich bisher gesehen habe waren dort immer welche.



    Die Systemhülse habe ich auf den Boden gedrückt und dann vorsichtig aufgeschraubt.


    Der kleinere Teil der Systemhülse, in der der Abzug saß, inkl. der Federführung.



    Die Feder ist wie alles andere auch gut gefettet. Das Schmiermittel ist nicht angetrocknet o.ä.. Es ist nach wie vor sehr schmierig. Die Gesamtlänge der Feder beträgt 20,5cm und der Durchmesser ca 2,5cm. Könnt ihr mir anhand der Werte sagen ob die Feder bereits gestaucht ist?



    Und zu guter letzt der Schlitten mitsamt der Dichtung. Die Dichtung ist nicht spröde sondern fühlt sich sehr glatt an, allerdings ist sie sehr fest und kaum mehr elastisch.



    Ich hoffe ihr könnt euch anhand der Bilder einen guten Eindruck verschaffen und mir eure Einschätzung mitteilen. Ich kann gerne noch Detailaufnahmen anfertigen, wenn ihr bestimmte Teile nochmal genauer betrachten möchtet.