Schießen und Waffen in der DDR. Wie war das wirklich?

  • iceman: Ein Tesching ist eine KK-Flinte im Kaliber 6mm, d.h. glatter Lauf und .22lfB paßt nicht in orginale Teschings.
    Die Kleinschrotmunition in 6mm kann man aus jedem KK verschießen.
    Auf zwanzig Meter konnte und kann man mit dem Tesching gut Ungeziefer kurzhalten.
    Die Teschings in 9mm haben zwar theoritisch den Vorteil der größeren Ladung gehabt, praktisch waren die aber immer hinten dran.
    Mit 6mm konnte man auch mit Rund- oder Spitzkugeln gut treffen, in 9 mm ging das kaum.

    Die 9mm waren auch eher als mini Schrotflinten gedacht, Anschütz hat die sogar als Mini-Tontaubenflinte verkauft :D .
    Wobei es für die 9mm auch Rund und sogar Spitzkugeln gab/gibt, 6mm war halt nur deutlich günstiger und leiser, für Schrot gab es auch Doppelschrot (ne verlängerte, vorne etwas dünnere 6mm flobert Hülse), und dass die 6mm dann auch aus jedem KK verschossen werden konnten, war sicherlich auch ein Vorteil.

  • Die Doppelschrot gabs auch in 6 mm, mit Kugeln ist ein 6er Tesching aber immer genauer als ein 9er. Ein- zweimal im Jahr schießen wir im Verein mit den Dingern auf 25m, das macht einfach nur Spaß.

    Anschütz sind die Meistermacher, aber Kenner wählen Walther.

  • Übrigens ist das ganz vorn auf dem Bild in diesem Beitrag ein KK-Gewehr Modell K 110.


    Ich selbst habe nur einmal mit dem Teil Anfang der 70iger schießen können. Zu einem besonderen Schießwettbewerb wurden die Dinger damals extra noch einmal ausgemottet. Da wir nur die KK-MPi 69 in der GST kannten, fühlten wir uns irgendwie komisch mit dem Teil in der Hand.


    Interessant ist auch die Uniform, die die Mädchen da tragen. Ist die GST-Uniform II. Mod. khakifarben. Wer so ein Teil komplett heute noch hat, kann sich glücklich schätzen. So eine Uniform kann ein kleines Vermögen einfahren. Für eine komplette Uniform wäre garantiert ein Haenel 310 drin.

    Edited once, last by Bastelherbi ().

  • Übrigens so sah das I. Mod. der GST-Uniform aus. Dürften kaum noch welche kennen, geschweige denn besitzen.


  • Vielen Dank für das Bild.
    Die kannte ich nicht. Ich hab noch irgendwo so einen alten Tarnanzug der NVA in grau mit so "Blättern" drauf.

    Anschütz sind die Meistermacher, aber Kenner wählen Walther.

  • Hatten diese Minikaliber eigentlich nur einen Sportlichen nutzen oder hat man die ursprünglich mal zur Schädlingsbekämpfung oder gar zum Jagen entwickelt?

  • baikal-513 ..... das was Du da hast, ist sicherlich ein Tarnanzug in NVA Flächentarn, auch Kartoffeltarn oder Blumentarn genannt. Die Teile sind unter Sammlern und Jägern äußerst begehrt. Sind oft bei EBAY drin und landen dann bei Beträgen jenseits von Gut und Böse. Ich habe damals bei der NVA Zutritt zu einem Reservelager gehabt und da lagen die Klamotten tonnenweise für den Ernstfall rum, obwohl die schon ausgemustert waren, aber offenbar waren die Sachen auch noch für die Verwendung im Ernstfall geplant. Begehrt waren damals nur die Planen in Kartoffeltarn, weil man die immer zu Hause irgendwie nutzen konnte und viele haben sich daraus Jeansjacken schneidern lassen, weil es die ja im Osten nicht gab und in dem Tarnmuster waren die Dinger natürlich der absolute Knaller.

  • Ein Lob an alle die hier ihre Geschichten und Erfahrungen reinschreiben. Mach Spaß mitzulesen :thumbup:
    Ruck Zuck kommen eigene Kindheits- und Jugenderinnerungen hoch :D

  • Als meine Frau noch viel Zeit hatte, hat sie aus Ein-Strich/Kein-Strich-Zeltbahnen, Taschen für meine LG genäht :) .

    Anschütz sind die Meistermacher, aber Kenner wählen Walther.

  • Ich kenne es auch noch so, dass es keinen gejuckt hat wenn man als Knirps kurz nach der Wende mit dem LG herumgeschossen hat draußen auf dem Grundstück (in der Stadt aber etwas abgelegener gelegen). So lange man keinen Unfug gemacht hat war alles ok.


    Da hat man das Gewehr halt irgendwann mal stehen sehen und so lange gequengelt bis es einem gezeigt wurde und man dann selbst durfte. Man konnte es selbst angelegt ja kaum halten mit vielleicht 6-7 Jahren ;) ....da war natürlich auch Vertrauen da und man hat es sich auch gar nicht gewagt, dieses zu missbrauchen sonst hätte man sich auf was gefasst machen können ;) . Gibts ja heut leider auch nicht mehr sowas....

  • Hallo, doch sowas gibt es noch. Schicke den Knirps in einen Verein mit einem guten Jugendtrainer. Dort kann er Spaß am Schießsport erfahren. Und wer weiß, vielleicht ist ein Talent am Start. Gruß HD

  • Mit gibts nicht mehr heute bezog ich mich auf Konsequenzen bei einem möglichen Fehlverhalten.

  • Ende der 60er hatte ich Kontakt zu meinem ersten Luftgewehr. Typ unbekannt, wo es herkam auch, jedenfalls hat mein Opa mit mir die Kugeln vom Weihnachtsbaum geschossen. Gab ein mörderisches Donnerwetter von Oma und Mama und den nächsten Kontakt zu Luftgewehren hatte ich erst Jahre später wieder.
    Die Generationen, die den Krieg miterleben mußten, hatten ein ganz anderes Verhältnis zu Spielzeugwaffen. Selbst ein blauer Knallplätzchenrevolver (für den ich mein Taschengeld 4 Wochen gespart habe) landete unmittelbar nach Erwerb zertrümmert in der Mülltonne. Man, was war ich sauer...
    Aber Panzer, Kanonen Soldaten gabs nicht in meinem Kinderzimmer. Nur Cowboy, Indianer und die gute Prefo Autorennbahn.

  • Ich kenne noch die Schießbuden vom Rummel, wo ich als Kind mit dem Suhler Repetierer mit Stabmagazin auf Plasteröhrchen geschossen habe. Für die GST war ich zu jung, dann kam die Wende. Hab dann von Opa ein LG geschenkt bekommen, Diana 30. Mann was war ich glücklich. Damit sind wir in den verfallenden DDR Betrieben die in der Gegend aufgegeben wurden rumgerannt und haben auf sämtlichen Schrott geschossen. Hat niemanden gestört, war ja weit und breit kein Mensch mehr. Heute undenkbar.


    Ich denke aber auch, das Schießen in der DDR generell politisch gewollt war, weil ja jeder Bürger ein potentieller Soldat hätte werden sollen. :rolleyes:

  • Kennt noch jemand die Motorradpatrouille bei der GST? Geländefahren auf leicht modifizierten Serienmaschinen (MZ ES od. TS 125) der GST mit Wettbewerben zwischendurch, Luftgewehrschießen, Handgranatenweitwurf usw. Ich kann mich noch erinnern, wie wir beim seitlichen hochfahren eines stillgelegten Bahndammes alle auf dem nassen Gras rumgerutscht sind. Man..was hatte ich für eine geile Jugend im Osten....


  • Ich denke aber auch, das Schießen in der DDR generell politisch gewollt war, weil ja jeder Bürger ein potentieller Soldat hätte werden sollen. :rolleyes:

    Das nannte sich "Zivilverteidigung" und war ein funktionierendes System um im Katastrophenfall (nicht nur militärisch) möglichst schnell eine funktionierende Organisation zur Verfügung zu haben. Da war praktisch jeder Werktätige mit eingebunden, wenn die Sirenen losgingen, wußte jeder was er zu tun hatte. So etwas fehlt heutzutage völlig. Ich hab keine Ahnung wieviel die Jungs vom THW schaffen und wie einsatzbereit die BW ist. Die zivile Verwaltung wie Feuerwehr und Rettungsdienste laufen ja im Alltag schon mit 150% Überlast.

  • Kennt noch jemand die Motorradpatrouille bei der GST? Geländefahren auf leicht modifizierten Serienmaschinen...

    Hab ich 5 Jahre gemacht.
    Wir hatten S50B und TS150.
    Als "Leckerli" 2 Stück ETS250 Gespanne und eine 175er Vollcross-JAWA ...


    Jeder hatte "sein" Fahrzeug und geschraubt wurde selber (unter Anleitung).
    War schon krass.

    MfG


    Bernd

  • ...


    Ich denke aber auch, das Schießen in der DDR generell politisch gewollt war, weil ja jeder Bürger ein potentieller Soldat hätte werden sollen. :rolleyes:

    Klar, wenn es politisch nicht gewollt gewesen wäre, dann hätte es das auch gar nicht gegeben. Eine Armee braucht gute Schützen und sportliche Typen, so wurde, neben Sport, das Schießen von staatlicher Seite gefördert.
    Es war auch alles etwas militärischer ausgerichtet bei uns. Das wöchentliche Antreten auf dem Apellplatz, Manöver Schneeflocke, Wehrunterricht, Wehrlager, Zivilverteidigung, GST, Kampfgruppe, Handgranatenattrappe im Sportunterricht, Hans-Beimler-Wettkampf... kein Vergleich mehr zu heute.
    Die NVA- und Sowjetsoldaten winkten uns von ihren Panzern aus zu. Da gab es keine Diskussionen wie "Soldaten sind Mörder" oder sowas.


    Schießen mit den Freunden. ;)


    Auf Kuba war es wohl ähnlich.


  • Also es ist schon recht merkwürdig was Ihr über das Sportschießen in der DDR los last.
    Ich war in der DDR : Übungsleiter,Schiedsrichter und im Kreis Vors. für Sportschießen der GST.
    Wir haben zu der Zeit ca. 3.000,00 Kinder und Jugendliche im Sportschießen organiesiert.
    Es wurden mit LG 310,311, 312Wetkämpfe ausgetragen.
    Und Natürlich gab es Kleinkaliber einschl. Pistole.