Vergleich Röhm RG96 zur H&K P8

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  • Vergleich Röhm RG96 zur H&K P8

    Im Forum sind ja nun reichhaltig Fotos und Tests der Röhm RG96 in allen Variationen enthalten. In manchen Beiträgen wird aber schon mal gefragt, was denn der genaue Unterschied zu der Originalwaffe P8 von Heckler & Koch ist. So mag es hier Leser geben, die sich für einen genauen Vergleich interessieren. Das ist vielleicht auch für Besitzer einer Softair-Variante der P8 interessant, die mir allerdings nicht zur Verfügung stand. Meine damaligen einfachen Vergleichsfotos zur P22 von Walther in der Version Kleinkaliber zur SSW, jedoch ohne großen Text ist auf reichlich Resonanz und Nachfrage gestoßen und das hat mich nun zu diesem Bericht inspiriert.

    Unter freundlicher Mitwirkung des Users „Churchill“ sind nun genaue Vergleichsfotos entstanden. Churchill sagte spontan zu, als ich im Forum nach einem Besitzer einer RG96 gesucht hatte, der sie dann zwecks einiger Fotos bereitstellen könnte.

    Die RG96 des Herstellers Röhm ist eine äußerliche Kopie der Dienstwaffe P8 von Heckler und Koch der Bundeswehr. Die RG96 ist eine gelungene optische Kopie der P8 und wie sich herausgestellt hat, auch eine sehr funktionssichere und haltbare SSW. Da die RG96 nun weitreichend beschrieben und getestet wurde, spare ich mir dazu Kommentare, so dass ich mich auf die Daten der P8 und den Vergleich beider zueinander Waffen beschränke.

    Kurze Vorstellung der P8:

    Sie entspricht weitgehend dem Modell USP des gleichen Herstellers. Die Unterschiede zur USP sind von der Bundeswehr gewünscht worden und umfassen nur drei Punke:

    P8-spezifische Anordnung des Sicherungs- und Entspannhebels
    Transparentes, besonders staubgeschütztes Magazin
    Rohr mit Zug und Feldprofil anstatt Polygon der USP

    Warum die Bundeswehr auf diese Änderung bestand, entzieht sich meiner Kenntnis. Die abgebildete P8 ist zivil (natürlich auf WBK) erworben worden und unterscheidet sich von der Bundeswehr P8 nur in dem anderen Beschuss- bzw. Abnahmestempel der Bundeswehr.
    Die P8 wird im Kunststoffkoffer mit Schaumstoffeinlage, einem Ersatzmagazin, Anschusszielscheibe und Anleitung geliefert. Der Koffer hat kein Schloss.

    Technische Daten der P8:

    Diese universale Selbstladepistole (USP) der Firma HECKLER & KOCH wurde als Folgemodell für die Pistole P 1 in modifizierte Version als P8 1994 in die Bundeswehr eingeführt.
    Bei der Pistole P 8 handelt es sich um eine geschlossene, halbautomatische Handwaffe mit Magazinzuführung für Einzelfeuer. Das Funktionsprinzip entspricht dem eines Rückstoßladers mit starr verriegeltem Verschluss.

    Die P8 weist folgende besonderen Konstruktionsmerkmale auf:

    verbessertes Browning Verriegelungssystem
    faserverstärkte Polyamidgriffstücke mit Einlagen aus nicht rostendem Stahl
    beidseitig bedienbare Magazinhalter

    Technische Daten:

    Kaliber 9mm x 19mm
    Einführungsjahr 1994
    Patrone 9 mm x 19 mm, 15 Patronen im Magazin
    Geschossaustrittsgeschwindigkeit an der Mündung ca. 360 m/s, ist aber munitionsabhängig
    Standardgeschossgesicht 8 g / 124 Grain
    Geschossenergie ca. 520 Joule, je nach verwendeter Munition
    Rohrprofil 6 Züge und Felder, rechts
    Rohrlänge 108 mm
    Gewicht mit gefülltem Magazin 985 g, ohne Magazin 720 g, mit leerem Magazin 770 g

    Baugruppen: Rohr, Verschluss, Griffstück, Magazin
    Verschluss: Verschluss, Visiereinrichtung (Kimme und Korn), Rohr, Pufferstange, Auszieher mit Spannstift und Feder, Schlagbolzen, Schlagbolzenfeder, Schlagbolzensicherung und Druckfeder
    (Anmerkung: Waffen der Bundeswehr haben keinen Lauf, sondern ein Rohr. Wer Lauf sagt, der läuft ;) )


    Anhand den Fotos sind mir folgende Details aufgefallen, wobei ich Unterschiede bei Kleinigkeiten, wie Bolzen und Beschriftungen, nicht aufführe:

    Foto 1:

    Beide Waffen im Profil links
    Beschriftung des Sicherungshebels
    Strukturierung des Griffstücks anders
    Montageschiene auf RG nur angedeutet
    Visierung ist bei RG fest, bei P8 seitlich driftbar bzw. auch austauschbar
    Griffmulde für Magazin
    Magazinboden steht bei der P8 über, bei der RG im Griffstück
    Griffstück an Laufmündung ist bei der RG abgeschrägt
    Mechanik des Schlittenfanghebels
    Schlaghahn
    Demontagehebel der RG vor dem Abzug
    Zusätzliche Seriennummer bei der P8 durch gelaserte Alueinlage im vorderen, unteren Teil des Griffstücks

    Foto 2:

    Beide Waffen im Profil rechts
    Auszieher
    Hülsenauswurfsöffnung
    Lager des Sicherungshebels offen (für Umbau auf beidseitigen Hebel).
    Schlittenfanghebel

    Foto 3:

    Beide Waffen in seine Hauptgruppen zerlegt.
    P8 – verriegeltes System nach Art modifizierter Browningverschuss. D.h. die Verriegelung Lauf – Verschluss erfolgt im Fenster des Schlittens. Federführungsstange mit Pufferelement. Zur Demontage der Waffe herausnehmbarer Schlittenfanghebel. Doppelreihiges Kunststoffmagazin mit Stahleinlage im oberen Teil für 15 Patronen im Kal. 9x19 mm.

    Foto 4:

    RG – unverriegelter Feder/Masseverschluss, wie bei allen SSW üblich. Fest auf Griffstück montierter Lauf (Bedingung der PTB-Zulassung). Metallmagazin für 9 Patronen im Kal. 9 mm P.A.K.

    Foto 5:

    Beide Schlitten - P8 oben, RG unten
    Auffällig ist die konstruktionsbedingte größere Öffnung im Schlitten für Verriegelung und Hülsenauswurf. Bei der P8 ist die Abzugssicherung (blauer Kreis) zu erkennen. Bei Nichtbetätigung des Abzugs wird damit der Schlagbolzen gesperrt. Erst mit Betätigung des Abzuges wird dieser Stift eingedrückt und der Schlagbolzen frei gegeben. Diese Art der Sicherung ist Standard bei allen modernen Pistolen. Sie dient auch als Fallsicherung. Fällt die Waffe unglücklicherweise auf den Schlaghahn, so sperrt diese Zündstiftsicherung bevor der Zündstift das Zündhütchen der Patrone erreichen kann.
    Der Schlitten der RG hat einen größeren Schlittenunterbau vorne an dem Mündungsteil.
    Der Schlitten der P8 ist aus Stahl. Der Schlitten RG96 besteht aus Zinkdruckguss.

    Foto 6:

    Beide Griffstücke – P8 oben, RG unten
    Der RG-Schlaghahn ist deutlich breiter.
    Die Abzugsmechnik der P8 ist sichtbar komplizierter aufgebaut.
    Der blaue Kreis kennzeichnet die Mechanik des Abzuges, der die Zündstiftsicherung im Schlitten frei gibt (siehe Foto 5, auch blauer Kreis).
    Der helle Fleck im Kunststoff des Griffstücks vorne am Mündungsbreich ist von der Metalleinlage mit Seriennummer unter dem Griffstück.
    Die P8 hat 4 Metalleinlagen zur Führung des Schlittens (siehe rote Kreise)
    Auswerfer jeweils an verschiedenen Positionen.
    Schlittenfangtaste der RG bleibt im Griffstück.
    Magazinöffnung der P8 durch das doppelreihige Magazin bedingt deutlich breiter.
    Ausformung des Schlittenfanghebels etwas unterschiedlich.

    Besonderheiten Funktion:

    Demontage der P8 erfolgt durch etwa halbes Zurückziehen des Schlittens und Herausnahme des Schlittenfanghebels. Dann kann der Schlitten mitsamt Lauf und Federführungselement vom Griffstück nach vorm vom Griffstück geschoben werden. Bei der RG wird ja bekanntlich der Schlitten durch ziehen des Demontagehebels entriegelt und dann kann der Schlitten nach bekannter Art abgenommen werden. Die vorher nötige Sicherheitsüberprüfung zur Sicherstellung einer entladenen Waffe ist selbstverständlich und muss dem Besitzer „in Fleisch und Blut übergehen“.

    Die Verschlussfedern sind unterschiedlich angeordnet. So ist bei der P8 Federführungsstange und Feder ein herausnehmbares Bauteil, das unter dem Lauf angeordnet ist. Das ist bei dieser Verschlussart auch üblich.
    Die Feder der RG umfasst den Lauf und enthält kein Pufferelement.
    Das Pufferelement der P8 ist eine auf der Federführungsstange angeordnete zweite Feder. Sie wirkt dem hinteren Schlittenanschlag entgegen, so dass der Rückschlag der Waffe etwas abgemildert wird. Das soll auch der Haltbarkeit der Waffe zu Gute kommen. Dennoch würde ich den Rück- und Hochschlag der Waffe als knackig bezeichnen.
    Die letzten 2 - 3 Patronen des P8 Magazins lassen sich nur schwer einlegen. Zumindest bei der P30 von Heckler und Koch, ist im Lieferumfang eine Ladehilfe dabei. Warum diese nicht mit der P8 geliefert wird, weiß ich nicht. Soldaten müssen da wohl abgehärtete Finger haben.
    Funktion Sicherungs/Entspannhebel ist unterschiedlich. Bei der RG wird der gespannte Schlaghahn bereits auf Stellung „sicher“ entspannt. Bei der P8 ist bleibt der Hahn auch in Stellung „S“ gespannt, Zum entspannen dreht man den Hebel über „S“nach unten hinaus. Der Hahn fällt dann in den Sicherheitsrast vor erreichen des Zündstiftes. Eine evtl. vorhandene Patrone im Lager wird nicht gezündet.
    Daher sollen alle Pistolen mit einer Entspannmöglichkeit nicht über den Abzug bei festgehaltenem Hahn entspannt werden. Zum einen birgt das ein Sicherheitsrisiko, denn der Hahn könnte auch vom Daumen oder Finger rutschen und einen Schuss auslösen. Zum anderen liegt der Hahn bei einer Entspannung mit Abzugsbetätigung auf dem Zündstift auf. Entspannt man über den Entspannhebel, wird der Hahn im Sicherheitsrast gefangen. Würde dieser nicht greifen, verhindert die Zündstiftsicherung den Schuss.

    Abschließend:

    Röhm, die ja nun von Umarex übernommen wurden, hat seiner Zeit eine gelungene Kopie hergestellt. Die Änderungen zum Vorbild P8 sind meist konstruktionsbedingt und lassen sich nicht weiter an dem Original angleichen. Auch Vorgaben zur PTB-Zulassung zwingen einige Details zur dieser Bauweise. Einige Unterschiede mögen auch überraschen. Gleichwohl hätten sich sicher die Besitzer einer RG96 ein doppelreihiges Magazin mit größerer Kapazität gewünscht. Dass die optische Griffgestaltung in Sachen Oberflächentextur nicht exakt kopiert wurde, mag seinen Grund im Patentrecht von Heckler & Koch finden. Aber da kenne ich mich nicht so aus.

    So bleibt mir nur zu hoffen, dass mein kleiner Beitrag und die Fotos hier gefallen gefunden haben.

    PS: Ich möchte nachträglich anmerken, dass es sich um einen reinen optischen und in Teilen mechanischen Vergleich handeln soll. Immerhin möchte die Röhm RG96 einen optische Anlehnung an der aktuellen Dienstwaffe P8 der Bundeswehr sein.
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