Opus Monthly

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    • Opus Monthly

      Okay - auf mehrfache Anfrage (und erstaunlicherweise keinerlei lautere Gegenstimme) haue ich hier mal mein Geschreibsel rein zur hoffentlich allgemeinen Belustigung - dann wollen wir mal... Dies ist eine Geschichte, die vielleicht in etwa 40 Jahren spielen wird. Möglicherweise auch etwas später. Eigentlich hat sich nicht viel verändert – allerdings gibt es mittlerweile natürlich Technologie, die etwas fortgeschrittener ist als heute – selbst implantierbar in den menschlichen Körper. Dies betrifft permanente Prothesen (auf Wunsch individuell gestaltbar – und auch mit gewissen Extras), Elektronik, Nanotechnologie und Gensplicing/Retrogenetik. Und es gibt – dank einiger neuer (und eigentlich illegaler) Experimente und Drogen – Leute, die unnatürliche Tricks auf Lager haben. Und Afrika... ist das, was in den 60ern Vietnam war – ein Testgebiet für militärische Organisationen. Und dank im Hintergrund geschickt geschürter innerer Konflikte gibt es auch immer wieder willige Versuchskanninchen. Und es gibt Glücksritter, Forscher, Söldner, professionelle Schatzsucher, Wildererbanden und Milizen. Dank der Klimaerwärmung ist mehr Luftfeuchtigkeit im globalen Umlauf, so daß selbst die Biomasse wächst – Afrika wird grüner. Der Urwald wächst wieder – und das sogar recht schnell. Selbstverständlich ist auch diese Welt voller Klichées – und so werde ich auch die behandeln – aber neben etwas Situationskomik und Slapstick zur Auflockerung kann es auch zu unschönen Szenen kommen, denn je realistischer man die Banalität und Normalität beschreibt, desto überzeugender und schockierender wirkt das Unerwartete. Wem das nicht passt – der kann ja nachen McSpeck hinschlüren und frustfuttern – Plastikfraß ist die Essenz des Lebens.

      OUVERTURE

      "Ich hab keine Angst vor jemandem, der auf 20 Atomwaffen sitzt - ich hab Angst vor dem, der nur eine hat." Project Peacemaker



      Frisch aus Luanda und Stück für Stück hergeschmuggelt verrät dieses alte, aber böse Stück Militärtechnologie, daß der Präsident des Freien Zentralafrikas seine politischen Lehren wahrscheinlich aus Propagandafilmen der Sovietunion gelernt hat. Wer im A-Club ist, hat weitestgehend seine Ruhe. Inzwischen hat Präsident Batista Slade sogar einen `Nuclear Football´. Er plant, die Mittelstreckenrakete zum zweiten Jahrestag der Revolution in einer Militärparade zu präsentieren - seine Militärberater aber raten diesbezüglich besser zu einem Mockup - und dem Unterbringen der echten
      Waffe in einem der alten Minentunnel, die dank der Bergbaufirmen hier sehr zahlreich sind - vor allem im Gebiet der Mondberge. Diese Minen sind inzwischen verstaatlicht worden, weshalb die Firmen nun in Nachbarländer abgewandert sind - und die dortigen Regierungen (sofern vorhanden) zu überreden versuchen, in Zentralafrika einzumarschieren. Bevor der Staat genug Geld beisammen hat für weitere Anschaffungen dieser Art, was dank der Gewinne aus den Minen nicht allzulange dauern dürfte. Es gibt zwar ein Embargo - aber Zentralafrika ist immer noch billiger, was Seltene Erden angeht, als China. Deshalb juckt es unter der Hand keinen. Das Problem der Firmen: Die Hauptstädte der Anrainerstaaten liegen alle in Reichweite dieser 10-Kilotonnen-Waffe. Dank des Feststoff-Boosters und der Staustrahltriebwerke ist die Waffe sofort einsetzbar, hat eine Reichweite von um die 380 Kilometer und erreicht Mach 4. Für Kenner der Wissenschaft mag 10 Kilotonnen nicht nach viel klingen - aber ein halbes Hiroshima ist nicht witzig. Zündet dieser Gefechtskopf in 300 Metern Höhe, regelt der Machstamm-Effekt die Kleinigkeiten. Und wenn man den Wind in die Strategie mit inbezieht, haben die unmittelbaren Nachbarn auch noch was davon - `strahlend´ schönes Wetter und `kerngesunde´ Bürger. Man kann sich sicher sein: Der Mensch lernt aus der Geschichte. Nur nicht das, was wirklich von Nutzen wäre...
      Und die Buschkriege gehen in die nächste Runde - und der neueste Mitspieler heißt: Republik Südafrika. Nach einem guten Jahrhundert Ruhe - und mit
      einer gut ausgebauten Infrastruktur ist dieses stabile, demokratische Land eines der modernsten Afrikas. So modern, daß sich das Land eine Art
      `Aurora-Projekt´ leisten kann - weil man überzeugt ist, es zu brauchen... Also hat Südafrika ein streng geheimes Aufklärerprojekt gestartet - das STARGAZER-Programm.



      Aufgrund der sauberen Konstruktion der J-35 wird diese neu aufgelegt und umdesignt - allerdings aus Titan, da sie ein Staustrahltriebwerk befeuern wird. Zudem stellte man einen lustigen Nebeneffekt bei dem aerodynamisch sauber konstruierten Hochgeschwindigkeitsaufklärer fest: Dank der ungewöhnlichen Formgebung und der zusätzlichen Hitzebeschichtung hat es einen kaum wahrnehmbaren Radarschatten. Das war zwar nicht beabsichtigt - aber natürlich hat man da auch nichts gegen... In einer Flughöhe von etwa 40 Kilometern aber ist es auch eher unwahrscheinlich, daß man etwas gegen ein Staustrahlflugzeug unternehmen kann, das so schnell ist wie eine X-15...



      Das reicht aus, um sich anzusehen, was in Zentralafrika so getrieben wird - und ob es nötig ist, Truppen an die Grenzen zu schicken... Aber man weiß auch: Viele ärmere Staaten im Norden sind eigentlich in den Händen verschiedener Mega-Konzerne - und man schielt immer noch auf Südafrika´s Kimberlitminen... Also muss man sich weiter umsehen, denn diese Konzerne haben ihre eigenen Armeen - und reichlich wenig ethische Grundsätze. So kam man zum Schluss, daß es gut wäre, nahe Pretoria einen Spaceport zu bauen - oder `Cape Krawall´,, wie es bei den Einheimischen aufgrund einiger unbeabsichtigter, aber sehr unterhaltsamer Explosionen auch genannt wird...



      Wie dem auch sei: Auf einer einstufigen, umgebauten und modernisierten Delta-III-Rakete lässt sich das Flugzeug bei Bedarf bis auf eine Höhe von 98 Kilometern in eine Umlaufbahn tragen, von wo aus es auf 110 Kilometer Höhe aufsteigt - und mit knapp 10400 Km/h seine Bahn zieht, bevor es wieder landet. Die Daten werden verschlüsselt in Echtzeit ausgewertet und versorgen so den südafrikanischen Geheimdienst mit Erkenntnissen, die das Land dringend braucht... Daß man so nebenbei ein eigenes Raumfahrtprogramm starten kann, ist ein angenehmer Nebeneffekt...

      Klunker, Klingen und Kanonen

      Es gibt Gegenden, in denen es verboten ist, Waffen zu tragen. Dann gibt es Gegenden, in denen es erlaubt ist – es gibt sogar Gegenden, in denen es durchaus angeraten ist, will man den Tag überleben. Afrika weist viele solcher Gegenden auf – doch Luanda, eine der teuersten Städte der Welt, gehört eigentlich nicht dazu.
      Waffenträger als Solche kann man ebenfalls in Kategorien einteilen. Es gibt die, welche nie Waffen zu Gesicht bekommen werden – die Mehrheit der Bevölkerung der Industrienationen zählt dazu. Dann gibt es die, die darin geübt sind – und die unterteilen sich ebenfalls – in die Leute, die das Schießen als Hobby betreiben – und welche, die es von Berufs wegen können müssen. Und dann sind da noch die, die es einfach gerne tun – und die, die tatsächlich von kleinauf nichts Anderes gelernt haben. In diesen Kategorien gibt es diejenigen, die gut darin sind – und welche, die darin ausgezeichnet sind. Denn die weniger guten sind meistens schon tot. Manche tragen sie verdeckt (wofür es mehrere Gründe geben kann), andere tragen sie offen (Mancherorts ist dies sogar Gesetz – oder aber man tut es, weil es einem gewisse psychische Vorteile verschaffen soll) – und wieder andere tragen sie offen, weil ihre Waffen schlichtweg zu groß sind – oder es ist ihnen schlichtweg egal.
      Kaela... ist es egal.
      Sie ist eine Söldnerin – und das kann ruhig jeder wissen. Die Samojedin mag einen recht ruhigen, beinahe müden Eindruck hinterlassen – aber sie ist hochintelligent. Und sie hat schnell gelernt – wenn man in der Wildnis dieses Kontinents nicht entsprechend auftritt, fordert man sein Unglück geradezu heraus. Psychologische Kriegsführung. Nun, in ihrem Falle war der erste Eindruck auch schon der richtige – diese Frau war genau so gefährlich, wie sie aussah. Und mindestens genau so extravagant wie exotisch. Dunkle Haut, eine schwere und glatte, ölschwarze Haarflut, die ihr bis zur Taille hinabreichte und ein fast unirdisch ebenmäßig asiatisches Gesicht mit einem angenehm energischen Kinn und kurzen, fast ovalen Augenbrauen gaben ihr, zusammen mit einer Körpergröße von fast 190 cm etwas geradezu sphinxartig Enigmatisches. Und Kaela wusste das.
      Kaela Khan, ehemalige Pilotin der russischen Luftwaffe aus dem zentralasiatischen Teil Sibiriens, hat schnell begriffen, wie der Hase hier läuft – er läuft weg, wenn er schlau ist. Und das tut er am besten schnell – und weit. Sie hingegen hatte mehr von einem Panther. Trotz dem bauchfreien, blauen Top, das sie derzeit neben einer recht knappsitzenden Armeehose samt Koppel trug, besaß die athletische und langgliedrige Frau die understatementartige Eleganz einer Person, die auch in einem Abendanzug eine gute Figur machen würde. Ihre Oberarme und ihr angenehm breites Kreuz kreuzend zierten zwei tätowierte Königskobras in einem dunklen Metallicblau, deren Schirme mit dem typischen Muster ihre Schulterblätter bedeckten. Neben einem beeindruckenden, beinahe einschüchternden Aussehen ist es in Afrika fürderhin ratsam, auch so auszusehen, daß man es sich leisten kann – was Kaela sehr entgegenkam – sie mag Schmuck. Und da ihre Haut recht dunkel ist, kann sie selbst massiven Goldschmuck tragen, ohne wie ein Kalkeimer auszusehen. Und um auf einem Kontinent zu überleben, der vornehmlich aus Klauen, Zähnen, Waffen und schlechten Manieren zu bestehen schien, hatte sie auch heute in Luanda ihren sechszölligen .44er dabei – nebst einem Khukrie. Man weiß ja nie, wen man so trifft – oder verfehlt...
      Luanda, Hauptstadt von Angola, einem Land mit portugiesischer Behördensprache. Das Manhattan an der Westküste. Eine Makropole mit einem Stadtkern voller Konzernniederlassungen – und einem U.S.-Marinestützpunkt. Vor Luanda wird fleißig nach Öl gebohrt – und in Luanda selber muss man aufpassen, in welches Viertel man geht – ansonsten könnte man auch Löcher gebohrt bekommen.
      Polizisten können solcherlei Leute manchmal erkennen, bevor sie aktiv werden – Kaela allerdings auch. Man merkt, wenn jemand etwas vorhat, das er nicht immer tut – und bei dem er weiß, daß es nicht gerne gesehen wird. Angespannte Haltung, unstet umherblickende Augen und verkrampfte Hände – aber gerne auch auf faszinierende Art unpassende Sonnenbrillen und in Jackentaschen gerammte Greifwerkzeuge. Bei annähernd 35 Grad im Schatten. Das kann man, wenn man geschult ist, auch durch reflektierende, spiegelnde Oberflächen beobachten.
      Ist es erst soweit, kann es manchmal ziemlich hastig werden.
      Gerade eben erst hat die Samojedin ihren Urlaub in Angola angetreten. Sie kommt direkt von einem Buschflughafen, wo sie sich einen alten Geländewagen organisiert hatte, um in die Stadt zu kommen. Ihr Koppel im Wagen zurücklassend parkt sie ein und betritt betont gelangweilt die West African Central Bank – denn hier hat sie ein Schließfach. Und das ist nicht klein. Wie die Fassade war auch drinnen alles aus poliertem Stein, Glas und Edelstahl. Achtet man in ihrem Job nicht stets auf sein Umfeld, wird man diese Arbeit nicht lange ausüben. Und in diesen großen glatten Flächen... kann man viel sehen.
      Die ruhige Zentralasiatin war gerade erst einige Schritte in die Halle gegangen, als die zweiflügelige, große Glastür wuchtig aufschwang und zwei Gestalten in die Bank hineinstürmten: „DAS IST EIN...“
      „...Fehler.“ konnte der Erste der zwei gerade noch hören, bevor ein zwar rein instinktiv ausgeführtes, aber ungemein effektives Clothes-Line-Wrestlingmanöver ihn auf der Stelle von den Beinen holte – und er, sich halb um sich selbst drehend, mit seinem Schädel in der Magengrube seines nachfolgenden Kumpels landete. Ein leichtes Lächeln umspielte Kaela´s Mund, als sie sah, was ihr ausgestreckter linker Arm angerichtet hatte, wie die beiden rücklings auf dem glatten Steinboden landeten – gut, daß sie nicht schon am Schalter gewesen war. So landete einer ihrer massiven Stiefel auf dem rechten Handgelenk des ersten Kerls und sie hob in einer flüssigen Bewegung dessen TEC-9 auf, während sein nicht ohnmächtiger Kollege versuchte aufzustehen und die Neostead-Schrotflinte auf diese Frau anzulegen – welche naturgemäß etwas schneller war: „Würde ich lassen – ansonsten wären wir bei Fehler No.:02 – und das wäre dann auch der letzte.“
      Den erstarrten Mann nicht aus den Augen lassend und auf seinen Kopf zielend kam Kaela langsam auf ihn zu. Und dieser wusste nicht, wovor er mehr Angst haben sollte – vor der MP, dieser unheimlich ruhigen Frau als solchen, die von hier unten wirklich einschüchternd riesig wirkte – oder vor ihren kalten, bordeauxroten Augen, die ihn geradezu durchstachen. Und alle in der Bank starrten nur auf diese geradezu lähmende Szenerie – es kam tatsächlich niemand der Angestellten auf die Idee, einen Alarmknopf zu betätigen. Und es war für jeden klar ersichtlich – was immer hier auch gerade passierte – in gewisser Weise schien diese unheimliche Frau das alles auch noch zu genießen. Und Kaela´s winziges Lächeln wurde breiter: „Ich sehe schon – Du bist der, der Geschmack hat, was Kanonen angeht – wie wäre es, wenn Du sie loslässt?“
      Sie setzte sich ganz simpel rittlings auf den Kopf des Ohnmächtigen – und drückte dessen Schädel so in die Magengrube seines Komplizen, als sie sagte: „Okay – hier ist der Deal...“
      Nun erst, als er kaum noch Luft bekam, realisierte der Mann, daß er und sein Kumpel drauf und dran waren zu ersticken – und diese Frau brauchte nur... abzuwarten! Da saß sie, direkt vor ihm – nein, sie thronte förmlich vor ihm – wie irgendwas aus finsterer Vorzeit und hielt ihm sichtlich amüsiert die Tec-9 an die Stirn: „Ich nehme mir nun diese schöne Schrotflinte – und dann stehe ich auf. Und dann werdet ihr hier ganz schnell die Platte putzen, bevor ich vergesse, daß ich eigentlich `ne ganz Liebe bin, klar soweit?“
      Was dann geschah, war eher skurril als alles Andere: Die Samojedin stand auf und der Mann begann hastig, seinen Kumpel am Kragen aus der Bank rauszuziehen – wobei er mit ihm in der Glastür natürlich steckenblieb. Und dann erst wurden alle anderen wütend – und begannen ihnen hinterherzurennen und die zwei vor der Bank mitten auf dem Bürgersteig nach Strich und Faden zu vermöbeln. Mit großen Augen verfolgte die Samojedin das unwahrscheinliche Szenario – und begann kräftig zu lachen, bevor sie sich den Bankschaltern zuwandte: „Sieh an... keine Schlange mehr, sehr gut... das ist sehr gut.“
      Als sich die Söldnerin vor dem Bankangestellten aufbaute, war ihm anzusehen, daß er sich hinter dem dicken Glas trotz allem nicht sonderlich sicher zu fühlen schien. Das fiel nach einigem Grübeln auch der Söldnerin auf – und auch die Tatsache, daß sie beidhändig bewaffnet in einer Bank stand: „Ups, harhar... Keine Sorge – ich bin eine von den Guten, hähähä...“
      Sie legte die beiden Waffen einfach vor sich ab und holte einen Beutel aus einer der Hosentaschen, in dem sich viele kleine Steine befanden, die wie... rundgewaschene Glassplitter aussahen: „Ich hätte da eine Einzahlung zu machen – natürlich nur, wenn Sie nichts dagegen haben...“

      „Was rennen Sie hier mit zwei illegalen Waffen rum?“ hörte Kaela eine Stimme hinter sich – und dachte sich: `K´Tschortu... kann man nicht mal im Urlaub...´
      Sich etwas umdrehend sah sie frisch hinzugekommene zwei Zivilbeante, die aus einem Toyota stiegen und sich – im Gegensatz zu den nun zahlreich vorhandenen Streifenpolizisten – nicht um den prügelnden Mob und die zwei ziemlich lädierten verhinderten `Banxter´ kümmerten – sondern augenscheinlich eher um die Söldnerin. Kaela stand ungerührt an ihrer Beifahrertür – und sah die zwei mit ihren Vektor-Dienstwaffen aus den Augenwinkeln. Und diese Waffen wurden recht ruhig gehalten. Also sah sie die beiden über ihre rechte Schulter hinweg an, die Schrotflinte immer noch lässig über der linken – und man konnte das Lächeln in ihrer angenehm dunklen Stimme förmlich hören: „Ich hab´ gerade Bankgeschäfte getätigt – sieht man das nicht?“
      Verblüfft sahen die beiden sich an – und Kaela sah sich zu ihnen um: „Und siehe da – Ihr steht hier in Zivil – und keiner achtet auf uns, weil sich da hinten alle beim Freestyle vergnügen. Wisst ihr, was das heißt?“
      Und als die zwei Kriminalbeamten wieder zu der Söldnerin hinübersahen – warf sie die beiden Waffen breitgrinsend auf die Ladefläche ihres Geländewagens, hob die Hände – und fing an um Hilfe zu rufen. Und als die beiden zuerst stutzten, aber dann gezwungen waren wegzurennen, weil ihre Kollegen von der Streife und viele aufgebrachte Passanten, gerade hochmotiviert durch die Ereignisse, anfingen die zwei auf´s Korn zu nehmen, musste sie erst mal in Deckung gehen - und ihr Gelächter unterdrücken.
      Schließlich, als der Tumult um Kaela herumbrandete – stieg sie einfach ein und fuhr davon.
      Bekennender Jason-King-Fan.

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    • Überraschung

      ...dachte sich Kaela, als sie – nur in einer langen, weißen Yogahose auf ihrem Hotelbett lag – bedeutsamerweise ohne sich zugedeckt zu haben. Kommt man aus Zentralasiens Norden, kann es einem hier manchmal recht warm sein. Allerdings schwitzen Asiaten weniger als Europäer. Daher sieht man ihnen nicht so oft an, wenn es ihnen zu warm ist. Der Grund, warum Kaela sich dies gerade denkt, ist simpel – in ihrem Zimmer stehen gleich vier Typen in ballistischer Vollmontur und mit kurzen M-4-Sturmgewehren – und ein Kleiderständer, der drei Zimmer durch die Wand nach Cheeseburger zu riechen schien – irgendein blonder CIA-Mann im weißen Fummel. Sah nicht mal übel aus... Kaela beschloss, ihn weiter `Kleiderständer´ zu nennen. Mit hinter dem Kopf verschränkten Armen und lang ausgestreckten, übereinandergelegten Beinen lag die Söldnerin weiterhin da und beobachtete diese Typen. Ihre Mimik war – wie meistens – einfach unleserlich. Man konnte sehen, daß die Leute selbst jetzt nicht wussten, was sie von dieser Frau genau zu halten hatten. Kleiderständer meldete über ein Satellitentelefon: „Wir haben sie.“
      Kleiderständer´s Vorgesetzter bestätigte angespannt, dachte sich aber: `Knallfrosch – diese Frau lässt euch sie nur haben.´
      Und Kaela dachte sich: `Dummerweise hat Kleiderständer auch noch recht – sie haben mich. Mal sehen, was das hier wird...´
      Also blieb sie weiterhin ungerührt liegen und meinte nur mit einem kleinen Lächeln: „Der Zimemrservice hier lässt aber schwer zu wünschen übrig – manches Ungeziefer hier müsste man einzeln erschlagen, harhar...“
      „Äußerst amüsant – Ihre Situation hingegen ist weniger lustig, Mrs Khan...“ putzte Kleiderständer seine Brille: „Sie sind...

      „Kaela Khan aus der sibirischen Volksgruppe der Nenzen – oder Samojeden, ehemals Kampfpilotin der russischen Luftwaffe – so um die 40 Jahre, schätzt man zumindest, gesucht vom FSB wegen `interner Komplikationen´, hat sich in Namibia mit einer britischen EXCALIBUR-Einheit angelegt. Nahkampf, Ausbildung an Schusswaffen – das volle Programm.“ zitierte Kleiderständer´s Vorgesetzter aus der FBI-Akte, die über die Samojedin existierte. Der Mittfünfziger lehnte sich zurück und fuhr fort: „Sie ist nicht zu übersehen. Fotos liegen bei. Ihr Profil ist etwas... ausgefallen. Es reicht von kühl und berechnend über extravagant bis hin zu hedonistisch. Suchen Sie sich´s aus.“



      Der ergraute Mann sah aus dem Panoramafenster hinaus auf Luanda´s Skyline: „Sie sollen sie herschaffen. Diese Frau kann nützlich sein.“
      „Na, die macht sich ja nette Freunde...“ pfiff Kleiderständer und sein Boss nickte: „Und der netteste davon werden zukünftig wir sein. Also kommen Sie in Wallung – Mrs. Khan ist im Hotel Solitaire zu finden...“
      Unterwegs wälzte Kleiderständer die Unterlagen weiter durch – und seine JSOC-Jungz fragten sich, warum sie zu viert `ne lange Asiatin einsacken sollten, von der keiner von ihnen je gehört hatte. Der Grund dafür war nun mal nicht für jeden offensichtlich... Kampfjets werden seit jeher in technologische Generationen eingeteilt. Natürlich wurden sie immer ausgereifter, leistungsstärker, zuverlässiger und schneller. Der `klassische Luftkampf´ findet meistens aber immer noch bei Geschwindigkeiten knapp unter oder über der Schallmauer statt – einfach aus dem Grund, weil ein Mensch nur bei gewissen Geschwindigkeiten noch rasch genug reagieren kann und G-Kräfte nur begrenzt verkraftet. Also bewegen sich die üblichen Höchstgeschwindigkeiten bei Kampfjets immer noch um 2500 Km/h – mit einigen Ausnahmen. Allerdings beschloss man, daß es an der Zeit war, die Gattung `Pilot´ etwas... zu modernisieren. Im russischen Armee-Jargon hieß dieses Gesamtpaket diverser beinahe surrealer chirurgischer und nanogenetischer Eingriffe simpel die `Luthién-Aufrüstung´. Diese beinhaltet eine stabilere Wirbelsäule, die selbst Schleudersitzbelastungen unbeschadet wegsteckt, Collagenstabilisierung des Gewebes sowie ein Kreislauftuning, damit man bei hohen G-Kräften nicht einen Blackout erleidet und induktive Fly-by-Wire-Kontakte an den Schläfen, die über den Helm direkt die Elektronik des Kampfjets ansteuern. Abgerundet wird das Ganze durch ein artifizielles Organ nahe der Medulla Oblongata – den SERVAL-Neuralknoten, der einem unglaubliche Reflexe ermöglicht. Man hat also eine Art `optimalen Piloten´ geschaffen. Einen Überschall-Raubvogel – mit 30mm-Krallen, Freifall-Munition und intelligenten Flugabwehr-Raketen. Möglich wurde das durch das Projekt KRASNJ BERKUT (Roter Felsenadler). Man hat sich in Russland an eine rumänische Erfindung aus der Sowjetzeit erinnert - `Waisenhäuser zur besonderen Verwendung´. Solche Kinder werden zu gutem Material ohne jegliche Verwandtschaft, was praktisch ist bei den Jobs, für die sie ausgebildet werden. Kaela Khan – oder auch `Lady Roth´, wie die NSA sie nennt, arbeitet nun als Freie Söldnerin – ihre letzte Maschine war eine alte J-37, die auf einem verlassenen Flugfeld in der Namib sichergestellt wurde – Black Wasp war der Name dieser Maschine, die sogar einigen F-22 das Leben schwergemacht haben soll. Was diese extraordinäre Person antreibt, ist weitestgehend unbekannt – sie gilt als unberechenbar. Alles, was man weiß: Sie hat ein Faible für alles, was wirklich ausgefallen ist. Sie genießt alles, was um sie herum passiert – sogar Folter, so heißt es.
      `Unberechenbar stimmt.´ dachte sich Kleiderständer, als er jetzt vor ihrem Bett stand: `40 soll die sein? Wirkt irgendwie... alterslos. Muss an diesem Collagenzeugs liegen...´
      Diese Person vor ihm war die Ruhe selbst. Er konnte zwar sehen, daß sie recht athletisch wirkte, ohne dabei an weiblicher Eleganz verloren zu haben, ja – daß sie sogar ein angedeutetes Sixpack hatte – aber er sah auch, daß nicht einer ihrer Muskeln angespannt war...
      „Also gut – macht eure Handyfotos – und dann verseilt euch bitte, wenn nichts weiter ansteht, ja? Ich hab´ Urlaub.“ schnurrte die Frau gemütlich in einem belustigten Tonfall, riss Kleiderständer aus seinen Gedanken – und der erwiderte: „Der ist gestrichen.“
      Kaela fing an, breiter zu grinsen: „Darf ich das als... `unmoralisches Angebot´ interpretieren?“
      „Sogar als eines, das Sie nicht ablehnen können.“ entgegnete Kleiderständer. Kaela setzte sich betont langsam und gerade auf – was etwas... Unheimliches an sich hatte – wie aus einem Fritz-Lang-Film. Darauf achtend, daß die schwarzen Michelinmännchen mit ihren Knarren nicht noch ausflippten, saß sie schließlich im Schneidersitz vor diesen Leuten, ihr Kinn in ihrer linken Handfläche und musterte Kleiderständer unter ihren schweren Augenlidern genau, die ihr immer etwas gaben, das wie eine gekonnte Mischung aus Langeweile und Noblesse wirkte: „So langsam werde ich... neugierig. Das ist gut – sehr gut.“
      Bekennender Jason-King-Fan.
    • Heimat

      ...und Kindheit ist das, wovon die meisten Menschen nur Gutes sagen. Kaela´s Heimat und Kindheit bestand vornehmlich aus kahlen Wänden, mit Sanitärfarbe oben weiß, im unteren Drittel eisig blau gestrichen – leicht abwaschbar. Ihre Ausbilder waren ihre Eltern – und zwar welche der weniger netten Art. Der glatte Betonboden aber war... leicht abwaschbar. Ihre Vertrauten waren die Ärzte – Leute, die den hippokratischen Eid nicht mal aus dem Kreuzworträtsel kennen. Die Ausbildung dauerte Jahre – und manches Mal wurden die Schüler auch gegeneinander geschickt – in der Regel kam dann nur einer wieder. Doch so etwas wie ein schlechtes Gewissen... ist mit etwas Training leicht abwaschbar.
      Es war immer kalt.
      Für Kaela ist es überall schöner als zu Hause. Und das sah man ihr auch an. Die Söldnerin wählte... einen schwarzen Damenzweireiher von Chanel – zur allgemeinen Überraschung. Sie nahm Platz in einem Ledersessel – um genau zu sein, sie dekorierte sich geradezu hinein. Kleiderständer´s Chef, Agent Tyrone, kam nicht um den Eindruck herum im Falle von ihr und seinem Untergebenen an... Schachfiguren denken zu müssen. Schwarz - und weiß. Tyrone atmete aus und musterte die Frau: „Sie sind also Mrs. Khan...“
      „Ich gehe davon aus, daß Sie das inzwischen besser wissen, als ich selber, nicht wahr?“ entgegnete Kaela gelassen. Tyrone wies auf Kleiderständer und erklärte: „Dies ist...“
      ...“...mir egal. Weshalb noch mal versauen Sie mir meinen Urlaub?“
      Tyrone stutzte – und Kleiderständer wurde weiß – passend zum Anzug. Er war kurz vor´m Platzen, als Kaela zu ihm rübersah und meinte: „Behalt´s für Dich, Kleiner – bis ich gehört habe, was dein Vorturner zu vermelden hat.“
      Ungläubig sah Tyrone die Frau an, als sie sich zurücklehnte und die Hände faltete: „Sieht ja echt kuschelig aus, der Knirps – aber solange er mir nicht das Gegenteil bewiesen hat, ist er nichts weiter als eine Flachzange im Konfirmationsanzug...“
      „Darf ich Ihnen einen Rat geben?“ fragte Tyrone und die Söldnerin grinste: „Ungern – aber so, wie ich Sie einschätze, ist Ihnen das egal – also: Kurzform, bitte.“
      „Sie sollten Agent Parker nicht unterschätzen. Er ist gut in dem, was er tut...“ erklärte Tyrone – und Kaela legte den Kopf schief: „Und das wäre sich hinter einer Handvoll bärtiger Lumberjack-Commandos zu verstecken? Ja, das sah... ungeheuer beeindruckend aus.“
      „Reine Vorsichtsmaßnahme. Es eilt Ihnen ein gewisser Ruf voraus, Gnädigste...“ fuhr der grauhaarige CIA-Mann fort, was Kaela wieder zum Lächeln brachte: „Offenbar ist er noch nicht `gewiss´ genug... aber da ich, wie Sie schon so richtig bemerkt haben, gnädig bin, gestatte ich Ihnen, mir zu sagen, was das alles soll... Mit dem CIA habe ich mir´s eigentlich noch nicht vergeigt – aber wenn´s so weitergeht, bleibe ich da optimistisch...“
      „Was haben Sie sich dabei gedacht?“ fragte Tyrone unvermittelt – und Kaela bekam große, neugierige Augen: „Wiewas – wobei?“
      Tyrone lachte jovial: „Kommen Sie... Sie waren jahrelang komplett vom Schirm – und heute diese Aktion in der Bank? Das war zwar nobel, aber...“
      „Damit wir uns da gleich mal verstehen...“ unterbrach Kaela den Mann: „Ich bin nicht darauf aus, als Heldin dazustehen – dafür fehlt es mir an Edelmut. Ich mag es nur nicht, bei meinen... finanziellen Transaktionen gestört zu werden.“
      „Wie dem auch sei...“ atmete Tyrone resignierend aus: „Dank dieser Geschichte konnten wir Ihre Spur wieder aufnehmen. In modernen Großstädten wird alles und jeder aufgenommen – wir stimmen dem stillschweigend zu, sobald wir uns in die Stadtzentren bewegen. Normalerweise tauchen wir auf vielen Überwachungsdateien auf, die nie ein Aas jemals zu Gesicht bekommen wird – weil auf ihnen nichts Aufregendes passiert. Ist dies mal nicht der Fall – wie bei einem versuchten Banküberfall – kann man Verdächtige über die Außenkameras und das Verkehrsüberachungssystem, GPS-Abgleichungen oder simples Handytracking weiterverfolgen. Zudem... Sie sind so ziemlich alles – aber nicht gerade von diskreter Erscheinung...“
      „Oh, es ist Ihnen aufgefallen?“ räkelte sich die Söldnerin lasziv in ihrem Sessel – mit dem Erfolg, daß Kleiderständer dieses Mal... rot wurde.
      „Zur Sache – es ist Ihnen sicher nicht entgangen, daß sich in Afrika politisch gerade viel tut...“ begann Tyrone und Kaela hörte genau zu: `Okay, lasse ich den Mann mal erzählen...´
      „Nicht wenige Staaten erleben gerade einen Boom – und sie rüsten auf, weil eventuelle Nachbarstaaten gescheitert, oder von Bürgerkriegen zerfressen sind. Könnte uns egal sein, wären da nicht unter der Hand Nuklearwaffen aufgetaucht. Oh, wir sind uns darüber einig, daß es `sichere´ Staaten gibt, das steht außer Frage – was aber, wenn irgendeine Miliz – oder ein Sektenführer so ein Ding in die Hände bekommt?“
      „Nicht zu vergessen, daß es Gerüchte gibt über freischaffende Virologen, die an `Designerseuchen´ arbeiten.“ vervollständigte Kleiderständer das Szenario. Kaela hob eine Braue: „Da braucht´s erst etwas Urlaub, um auf den neuesten Stand zu kommen...“
      „Genau. Nun zu dem, was wir uns vorstellen: Sie kennen sich auf diesem Kontinent aus. Wir stellen gerade ein Team zusammen – aus einigen Spezialisten. Sie sind erwiesenermaßen ein Spezialist darin, hier klarzukommen. Sie kennen Sitten und Gebräuche, die Wildnis und wahrscheinlich auch diverse Schleichwege...“ erklärte Agent Tyrone und drückte auf die Gegensprechanlage zum Sekretariat: „Schicken Sie sie herein.“
      Und herein kamen wieder zwei von diesen Schränken in schwarzen Uniformen – und ein bunter Paradiesvogel in Handschellen, wie es schien. Kurze, wuschelige, blonde Haare die im ausrasierten Nacken dunkelbraun wurden, eine schulterbetonte, knallorange Jacke mit blauen und schwarzen, geometrischen Mustern und eine weiße Stretch mit roten Seitenstreifen – und hochschaftige Turnschuhe war das erste, was man von dem Etwas zu sehen bekam – und dann sah man in ein niedliches, fast katzenartiges Gesicht mit großen amethystfarbenen Augen. Angst war da nicht zu sehen – der Mimik und dem Schmollmund nach zu urteilen eher Trotz.
      „Ich darf vorstellen: Amber Wilkinson, Extremsportlerin mit einem Faible für Stunts aller Art – und sehr versiert darin, mit Computern umgehen zu können – was ihr... etwas Ärger einbrachte. Gebürtige Hawaiianerin, der es verboten ist, sich Kommunikationselektronik auch nur zu nähern... in den U.S.A. - aber hier ist Afrika.“ wies Agent Tyrone auf das farbenfrohe Mädchen. Er lehnte sich zurück: „Wir werden sie unter `Kommunikationsspezialistin´ führen. Das Team wird so klein wie möglich gehalten – und es wird Aufklärungsdaten sammeln. Und Sie, Mrs. Khan – werden der Wachhund sein.“
      „Und wer ist der Anstandswauwau?“ fragte Kaela amüsiert nach – und Tyrone wies auf Kleiderständer, der wieder blass wurde: „Er hier – Agent Parker.“
      Amber bekam große Augen – und schlich neugierig um den Mann herum: „Echt? Der hier? Der´s ja niedlich...“
      „Niedlich?!“ platzte es aus einem erstaunten Agent Parker heraus, die beiden Waxhen konnten nur mühsam ein Lachen unterdrücken und Kaela fing an zu grinsen: „Tharharharhar... das ist lustig, nicht? Haben die beiden irgendeine Art von Felderfahrung?“
      „Was ist das?“ wollte Amber wissen und Tyrone meinte trocken: „Soviel dazu.“
      „Das wird wirklich lustig.“ lächelte Kaela säuerlich. Tyrone fuhr fort: „Wir halten Ihnen den FSB von den Hacken. Und Miss Wilkinson, Ihre Akte wird gelöscht. Bis Sie sich erneut unangenehm bemerkbar machen.“
      Und Agent Parker fiel aus allen Wolken: „Ich bin Sachbearbeiter! Was soll ich denn draußen im Dschungel?!“
      „Erfahrungen sammeln. Das ist wichtig.“ erwiderte Tyrone trocken und Amber sah Parker skeptisch mit schiefem Kopf an: Was denn? `ne Schreibtischflöte? Oh, Mann...“
      Schließlich brüllten die Wachen los vor Lachen.
      „Ich bin nicht... das ist eine verantwortungsvolle Aufgabe!“ fuhr Parker auf, Amber streckte ihm die Zunge raus und Kaela stand auf: „Dann wird es eben Zeit für etwas mehr Verantwortung – mit etwas Action. Lass´ Dir erst mal `nen Dreitagebart wachsen, Kleiner – dann nimmt man Dich unter Umständen auch ernst. Ich... habe schließlich auch einen - sozusagen.“
      Amber´s Augen wurden groß und Parker wurde wieder knallrot. Und Tyrone fing an zu lachen: „Okay – das wäre also geklärt. Fangen wir also gleich mal an...“
      Bekennender Jason-King-Fan.
    • Mehr nicht

      ...wunderte sich Parker, als die bunte Truppe nach drei Tagen in eine alte, aber robuste Pilatus einstieg, welche kurz darauf auch schon dröhnend abhob. Kaela sah in ihre zugegebenermaßen recht kleine Ausrüstungskiste, in der eigentlich nur ein Khukrie von den U.S.-Marines bemerkenswert war (handorganisiert) – und ihr zuverlässiger sechszölliger Armscor 29 im Kaliber .44Magnum – ein großer, bruniton-schwarzer Revolver mit einem Griff aus Roiboos-Wurzelholz.



      Die Söldnerin verstaute alles in ihrem Koppel und einem westernartig wirkenden Holster rechts – und zog eine Braue hoch: „Öhhm... ja. Stimmt was nicht?“
      Parker runzelte die Stirn und fragte: „Sie hätten sich wie ich ruhig ein M-4 nehmen können...“
      Lässig setzte sich die Söldnerin auf ihren Fallschirm und lächelte beinahe mütterlich. Es bereitete Parker immer wieder Schwierigkeiten damit klarzukommen, wie diese Frau sich oftmals präsentierte – eher wie... irgendein Kerl. Oftmals – wie letztens auf der Bettdecke in ihrem Hotelzimmer, wo sie nur eine lange weiße Hose trug und sonst nichts – ohne jede Spur von Scham. Er nahm sich vor herauszufinden, was mit dieser Frau nicht stimmte – aber dies setzte einen Diskussionsanfang in Form einer gut formulierten Frage voraus – und daran haperte es noch... Kaela zündete sich einen ihrer fast schwarzen Zigarillos an und und meinte einfach: „Ausrüstung light – bleibt beweglich. Es ist warm hier...“
      „Och... es geht eigentlich...“ meint Amber, die noch an ihrem ganzen Zeugs herumfriemelt – vorne der Rucksack, hinten der Fallschirm – und in der Mitte sie – in all ihrer schillernden Pracht. Sie hat es irgendwie geschafft Klamotten vom selben Schnitt zu finden, den sie so sehr mag – nur in Tarnfarben. Parker hatte längst resigniert – irgendwie sah er hier immer noch am meisten nach Scout aus – und er fragte nochmals: „Aber wäre es nicht sinnvoll, ein Sturmgewehr dabei zu haben?“
      „Natürlich – deshalb haben Sie ja eines, nicht?“ grinste Kaela vergnügt. Parker erwiderte: „Das meine ich nicht...“
      „Also... ich denke, sollte ich wirklich ein Sturmgewehr brauchen, werden zweifellos schon einige davon herumliegen.“ paffte Kaela einige Rauchringe in die Luft – und einer der Piloten fragte nach hinten: „Meine Fresse – was für´n Kraut! Was ist das für´n Kraut – Marke Fliegentod?“
      „Gepresste Krümelkacke aus dem Medizinmann-Discount. Zauberkraft garantiert.“ gab Kaela beinahe gelangweilt zurück. Amber schüttelte grinsend den Kopf – sie hat tatsächlich eigentlich keinerlei Ahnung, worauf sie sich hier eingelassen hat, aber eines war ihr klar – eine Person, die so unglaublich cool ist, hat sie bisher noch nie kennengelernt. Im Gegensatz zu Parker, der konnte es einfach nicht fassen: „Wie können Sie so dermaßen... nachlässig sein?“
      Amüsiert bekam die Söldnerin große Augen und strahlte Parker an: „Aber was denn? Ich bin aus Russland – wir sind oftmals Fatalisten, da nehme ich mich nicht aus. Zumal... ich bin es so gewohnt. Das Cockpit eines Jets ist kein Wohnmobil – da passt nun mal nicht viel rein...“
      Parker winkte resignierend ab und fragte Amber: „Und Du? Was ist mit Dir?“
      „Heh, heh, heee...“ hielt Amber breitgrinsend und demonstrativ die Tec-9 und die Neostead hoch, die Kaela in Luanda `konfisziert´ hatte und meinte: „Ich bin gut damit, meint sie!“
      „Was bedeutet, daß sie alles trifft – das Ziel ist meistens auch dabei.“ lehnte sich Kaela zurück und Parker stöhnte: „Wir sind sowas von tot...“
      „Hey, Parker! Sei froh, daß Du so schmucke Teamkollegen am Start hast – das kann nicht jeder von sich behaupten!“ rief der Pilot nach hinten durch.
      „Warum eigentlich?“ fragte dessen Kollege und der Pilot meinte: „Ist mit ein Teil der Tarnung. Afrika ist immer noch großteils Macholand – man traut Frauen hier nicht sonderlich viel zu...“
      „Wenn das mal kein Fehler ist...“ meinten Parker und Amber unisono – wenn auch aus verschiedenen Gründen. Kaela lächelt still vor sich hin und genießt den Nebel, den ihr Zigarillo verbreitet. Wenn man es gewohnt ist in 10 Kilometern Höhe mit über zweifacher Schallgeschwindigkeit von intelligenten Raketen gejagt zu werden – dann bringt einen eigentlich kaum noch was aus der Ruhe – am Boden schon gar nicht – denn runterfallen ist da erwiesenermaßen eher schwer...

      (Passender Sound)

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    • Wenn Du mir wohin packst



      ...hau ich Dir die Ohren strubbelig!" warnte Amber, während Parker sich mit Armen und Beinen an sie klammerte. Der Grund dafür war simpel – der Boden war gerade ziemlich weit unten. Und da Amber, zu deren weitgefächertem Repertoire auch SkyDiving gehörte,die meiste Erfahrung mit Fallschirmen hatte – und Parker überhaupt keine, musste sie sich um ihn kümmern. Also taumelten sie zusammen durch eine dünne Dunstschicht dem Boden entgegen – was eigentlich ziemlich langsam aussah – aber der Fahrtwind erzählte etwas Anderes. Dennoch kam Amber nicht umher, der skurrilen Situation einige spaßige Kommentare hinzuzufügen: „Heyhey – Du hast ja echt´nen Dreitagebart – Du raspelst!“
      „Ich habe momentan ganz andere Probleme!“ brüllte Parker gegen den Wind an, was Amber nicht weiter störte: „Menno – Du klammerst total! Hast Du Verlustängste, oder wie jetzt?“
      „Wir knallen gleich auf den Boden, mann!“ schrie Parker jetzt– was Amber zum Grinsen brachte: „Theheee, keine Sorge – schwitz´ Dir nicht ins Hemd, mann...“
      Sie schnallte ihn mit einem Nylongurt fest und sie drehten sich um sich selber, als sie erklärte: „Verflucht, mann – Du bist echt gut darin, einem den Spaß zu versauen! Hier, sieh mal – da ist ein Luftdruckmesser dran – und eine automatische Auslösung! Dir KANN gar nix pssieren!“
      „Und wenn sich der Schirm nicht öffnet?“
      „Dann biste platt – nee, Spaß – du hast immer´nen Reserveschirm dabei, der idiotensicher ist!“ grinste die blonde Extremsoprtlerin ihn zuversichtlich an und Parker sah wieder runter:„Und warum öffnen wir das Ding nicht gleich jetzt?“
      „Weil Du das Teil sicherlich nicht steuern kannst – und da ist`ne Steilwand.“ erwiderte Amber und wies hinter ihn – und Parker konnte ihren winzigen Schatten auf der vorbeirasenden, senkrechten Felswand sehen. Ja, in der Tat – die schien unangenehm nah zu sein. Amber grinste verschmitzt: „Und deshalb öffnen wir das Ding im letzten Moment – und Du bist bei mir, damit Du bei deinem Gehampel nicht doch noch als Fettfleck an der Wand landest. Wir Zivilisten nennen das SkyDiving, So Söldnertypies wie Kaela nennen das Ganze dann HALO-Manöver...“
      „...und ich nenne das WAHNSINN! Wer tut sich sowas freiwillig an?“ fluchte Parker und Amber´s linker Zeigefinger landete auf seiner Nasenspitze: „Du – genau hier – genau jetzt. Öhhm...Ups – Deine Brille ist futsch!“
      „Oh – tatsächlich!“ stutzte Parker – und Amber löste den Riemen, Sekundenbruchteile, bevor sich sein Schirm öffnete: „Und Tschüss!“
      „OH, KACKE, MANN!“ schien Parker neben ihr nach oben gerissen zu werden – und Amber ließ sich mit dem Kopf voran enthusiastisch nach unten stürzen: „YEEEHAAAA...“
      Kaela beobachtete die blonde Spinnerin – tatsächlich – als würde sie Turmspringen üben – und wirklich im letzten Moment – landete sie einfach auf dem Punkt, als ob sie aus einem verdammten Bus aussteigen würde. Sehr elegant und gekonnt. Das muss man der Kleinen lassen. Kaela hingegen machte es, wie sie es gelernt hatte – kurz vor der Landung den Rucksack loswerden – und sich schließlich abrollen. Und dann kam Parker rein... Interessanterweise knallte er genau gegen einen großen Termitenbau – der auf einer Höhe von etwa 1,5 Metern mit Parker einfach bröckelnd umklappte und mit einem dumpfen Geräusch im Elefantengras landete. Termiten sind zwar keine Ameisen – dennoch können die Soldaten mit ihren riesigen Mandibeln ordentlich beißen, wie der sich hektisch aufrappelnde Parker feststellen musste: „Es ist doch zum... Warum hast Du das gemacht?!“
      „Mann, bist Du doof – wenn unsere Schirme gleichzeitig aufgehen würden, könnten sie sich verheddern – und wir brechen uns die Hintern! Ist ja wohl logisch! Und ich mag meinen Hintern...“stemmte Amber konsterniert die Hände in die Hüften und musterte den Mann , während der versuchte, sich wieder in einen einigermaßen zivilisierten Zustand zu versetzen: „Hättest Du mich nicht vorwarnen können?!“
      „Wann denn? Du warst ja ständig am Rumwinseln!“ winkte Amber ab und Parker brüllte sie an: „Ich hätte verrecken können!“
      „Ach, komm schon – Wenn ich Dir so zuhöre kann ich wahrscheinlich froh sein, daß Du keine Schockmauser bekommen hast – Du würdest dann wie´n beknackter Deoroller aussehen!“ kicherte das blonde Energiebündel und Kaela kam vorbei, während sie ihren Fallschirn einsammelte: „Wir sollten hier nicht allzulange bleiben.“
      Beide sahen die Söldnerin an – und Parker begann vorsichtshalber sofort, seinen Fallschirm zusammenzuraffen. Amber fragte: „Wieso? Was ist denn?“
      Die Söldnerin begann sanft zu lächeln und erklärte: „Dank unserer `Heulboje´ weiß wahrscheinlich alles und jeder, daß hier wer ist – und dann ist da noch das da.“
      Sie wies hinter sich auf eine große Schirmakazie – und in einer Astgabel im breiten Blätterdach waren zwei gefleckte Fellknäuel zusehen, die die drei Neuankömmlinge mit großen, blauen Augen anstaunten. Und Amber bekam ebenfalls große, verträumte Augen: „Wie niedlich – Katzen!“
      Parker war da eher skeptisch – und Kaela sollte ihn bestätigen:„Kannst gerne abwarten, bis Mutti vorbeikommt – oder wahlweise gleich in eine Kreissäge springen. Das sind junge Leoparden.“
      Amber wurde bleich – und Parker beeilte sich mit seinem Fallschirm: „Ich hasse es hier... !“



      Als die drei schon eine Zeitlang unterwegs waren, hatten sie ihre Garderobe in `Univil´ gewechselt – ein abenteuerliches Mischmasch aus Militär- und Zivilkleidung. Kaela, weil sie eigentlich immer so unterwegs war, Parker wegen der letzten nervigen Termiten, die zu allem Überfluss auch noch so ein klebriges Zeugs abgesondert hatten – und Amber, weil ihr der neue `Style´ ziemlich taugte. Das hinderte Parker aber nicht daran, nach einiger Zeit aus Versehen in eine Ansammlung von so etwas wie nasser Blumenerde zu treten, die einen süßlich-penetranten Gärungsgeruch verbreitete:„Oh, verdammt... Was ist das denn für´n Zeugs?“
      Die Samojedin klopfte Parker auf die Schulter: „Etwas, das uns das Leben erleichtern wird. Gut gemacht!“
      Und unter den Augen einer basserstaunten Amber trat die Söldnerin auch in dieses Zeugs, das auch noch widerliche, nasse Geräusche von sich gab. Die zwei sahen Kaela an, als hätte sie den Verstand verloren. Erklärend breitete Kaela die Hände aus und sah die zwei an: „Nashornkacke.“
      „Nee, ne? Echt jetzt?“ staunte Amber und Parker schüttelte den Kopf: „Was ist daran so toll?“
      „Wir muffen jetzt nach Nashorn. Kein Raubtier macht ein Nashorn blöd von der Seite an. Das ist gut – sehr gut.“ ging Kaela ungerührt weiter. Und als sie weitergingen – weiter ins Tal hinunter, wurde das hohe Gras grüner – und sie konnten eine Art Piste ausmachen, der sie ins nächste Dorf zu folgen gedachten. Irgendwann rümpfte Amber plötzlich die Nase und meinte: „Uhh – was ist das denn für´n Geruch? Ist ja widerlich...“
      „Ach, das... das sind Leichen.“ meinte Kaela ruhig – und die beiden bekamen große Augen. Die Samojedin wies auf eine fast mumifizierte, verschlammte Gestalt, deren Brustkorb in einer Fahrrinne eingedrückt worden war, während die Beinknochen in der anderen Fahrrinne wie weiße Splitter aus einer verschlammten Uniformhose stachen. Da war ganz offenbar schon mehrmals einfach drübergefahren worden. Unnatürlich verkrümmt, mit schwarzer, ledriger Haut überspannt, lag da tatsächlich eine wahrscheinlich schon ältere, kopflose Leiche, die schon schweren Regen und gnadenlose Hitze mitgemacht hatte. Der grausige Anblick und der typische Geruch von etwas, das schon lange nicht mehr lebte und inzwischen so vertrocknet war, das kaum noch was verwesen konnte, brachte Amber erst mal zum Kotzen – und Parker war sichtlich entsetzt: „Wer zur Hölle tut so etwas? Das ist... barbarisch!“
      „Wahrscheinlich die Dorfmiliz – das war wahrscheinlich eine Räuberbande. Hier liegen sicherlich noch mehr rum. Man lässt sie einfach liegen – das lenkt die Raubtiere vom Dorf ab. Den Schädel hebt man öfters mal auf. Als Trophäe – und zur Abschreckung.“ antwortete die Samojedin – und drehte sich zu den beiden um: „Oh ja... Da muss ich euch noch was erklären – und um was bitten.“
      Parker half der benommenen Amber wieder auf die Beine und runzelte die Stirn: „Was denn jetzt noch?“
      „Sollte einer von euch echt schwer verwundet oder gefangengenommen werden - oder beides – werde ich ihn töten, wenn ich kann.“ sagte Kaela kurz und knapp. Entgeistert starrten die beiden die Söldnerin an. Dann fuhr Kaela fort: „Sollte es mir so ergehen, hoffe ich, daß ihr das auch für mich tut.“
      „Sind Sie... eigentlich noch ganz bei Trost?!“ stammelte Parker und die Söldnerin sah sich um: „Glauben Sie mir – niemand möchte hier lebend in die Hände des Feindes fallen. Genfer Konventionen zählen hier nichts. Frauen werden vergewaltigt und Männer gefoltert und getötet – und es ist verbreitet, daß man den Opfern die Leber herausschneidet, um sie zu essen. Oder noch mehr. Zu diesem Zeitpunkt muss man aber nicht zwangsläufig schon tot sein...“
      Sie wandte sich wieder zum gehen und fuhr fort: „Natürlich werde ich mein Bestes geben, das zu verhindern. Und immerhin – ich bin eine Samojedin. Das ist eigentlich ein Schimpfwort...“
      Amber und Parker hatten sichtlich an dem zu knabbern, was gerade gesagt worden war. Aber Parker hakte dennoch nach: „Schimpfwort?“
      „Wir selber nennen uns Nenzen. Das Wort Samojede hingegen könnte man weitestgehend als Menschenfresser übersetzen.“ erwiderte die Söldnerin, während sie mit einem breiten Grinsen weiterging.

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    • Das macht ihr Spaß

      ...da bin ich mir sicher...“ grummelte Parker zu Amber, als sie weitergingen – und Kaela meinte lapidar: „Was soll ich lang drumrumreden? So ist es hier – und SIE wollten in dieses Gebiet – nicht ich. Ich wollte URLAUB machen.“
      Dann kramte die Söldnerin in einer ihrer Taschen rum – und hielt Parker etwas Ungewöhnliches hin – massiven Goldschmuck: „Das hier sollten Sie anlegen.“
      Parker war sichtlich überrascht – massive Ringe mit riesigen Aquamarinen im Baguette-Schliff – eine dicke Kette mit goldgefassten Löwenzähnen und in der Mitte ein Medaillon, das nach einem dunkelblauen Brillant aussah – nicht gerade klein...
      „WOOAHH!“ staunte Amber: „Wo is´n das Zeugs alle her?“
      „Aus meiner Tasche.“ antwortete Kaela amüsiert und das Mädchen runzelte die Stirn: „Wem´s gehört, wollte ich wissen!“
      „Na, mir. Wem denn wohl sonst?“ sah die Söldnerin Amber erstaunt an – und die staunte zurück: „Du kannst Dir SOLCHE Klunker leisten?! Ich werde Söldnerin!“
      „Das habe ich nicht gesagt: Ich sagte, sie gehören mir... weil der, der sie davor hatte, der – öhhm... na, sagen wir mal, er braucht sie nicht mehr...“ wich Kaela kichernd aus und Amber sah sie an wie eine Außerirdische.
      „Okay... okay – okay. Geschenkt. Was soll das Ganze?“ fing sich Parker wieder und die Samojedin grinste: „Ganz einfach – Sie sind der Boss, Amber ist Ihre Schwester – und ich Ihre... also, ich dachte mir, daß Sie sich das aussuchen dürfen. Überraschen Sie mich. Oh ja, hier... Sie brauchen ja noch Bares...“
      Die Söldnerin drückte dem vollkommen perplexen CIA-Sachbearbeiter tatsächlich einen kleinen Schatz in die Hand – einen Beutel mit etwas, das wie grüner Kandiszucker aussah – ungeschliffene Smaragde. Er schüttelte leicht den Kopf: „Woher zum Teufel kommt das alles?“



      „Sehen Sie – im Gegensatz zu Ihnen habe ich keine hochdotierte Festeinstellung mit Pensionsanspruch – ich muss zusehen, wo ich bleibe. Ich verdiene bei diesem Job beispielseise gar nichts...“ erklärte Kaela geduldig und Amber begann zu kichern: „Theheheee... das ist voll niedlich!“
      Kaela hob eine Braue: „Wie? Was denn?“
      „Na, wie ihr zwei euch immer gegenseitig siezt!“ grinst Amber und lacht: „Wie zwei Engländer, die sich seit 100 Jahren zum Bridge spielen treffen!“
      Parker wurde knallrot – und Kaela sah demonstrativ besser mal irgendwoanders hin: „Ach, was... ein wenig Erziehung habe sogar ich genossen.“
      „Gut, weiter... ich bin der Boss – von was? Und vor allem: Warum?“ wollte Parker schließlich wissen und die Söldnerin lehnte sich gegen den massiven Stamm eines Affenbrotbaumes: „Also – wenn ich mit Ihnen in dem Grenzdorf einlaufe, bringt das nix außer Ärger. Ich bin kein Mann...“
      „Wäre mir so auf Anhieb gar nicht aufgefallen...“ grinste Parker zynisch und Kaela lächelte dienstbeflissen: „Sehr amüsant. Okay. Also... Können Sie sowas Ähnliches wie schauspielern?“
      „Wie bitte?“ fragte Parker und Amber atmete aus: „Versuch´ mal, nicht doof auszusehen!“
      „Ich bin mir nicht mal sicher, ob ich verstehe, was die sagen werden!“ gab Parker zu bedenken und Kaela meinte: „Keine Sorge – ich kann übersetzen.“
      „Sagt mal... ist das nich´n bisschen komisch, wenn wir hier alle zu Fuß rumrennen, zugehängt wie die Pfingstochsen – einfach so?“ fragte Amber dann nach – und die Samojedin musterte sie mit schiefem Blick: „Warum meint ihr, wollte ich hier abspringen?“
      „Damit Du uns Anfängern hier auf der Horrortour die Hucke zugruseln kannst?“ fragte Amber zurück und Kaela lachte: „Tharhar... ja, das wäre was – nein, ich habe hier ein kleines Versteck...“
      „Ach... was versteckt man denn hier?“ wollte Parker wissen und Amber vervollständigte: „Außer rein prophylaktisch sich selber?“
      „Kann einer von euch Auto fahren?“ fragte Kaela zurück.



      Das Vehikel war ein kantiger Klotz. Es sah mit seinen riesigen Rädern aus wie eine Mischung aus PickUp und minensicherem Panzerwagen. Es war... irgendwie... senffarben und über das Dach ragte eine Waffe, die wie ein riesiges Bren-MG aussah. Und dahinter klemmte eine zufrieden aussehende Kaela – während Amber auf dem Beifahrersitz die GPS-Koordinaten abglich – und Parker fuhr. Amber grinste zufrieden: „Woah, Du kannst ja richtig was – Hut ab!“
      Parker lächelte zurück: „Naja – ich habe einen Kollegen, der das Tactical Driving Program leitet...“
      „Nanana, man soll am Tag nicht vor dem Abend posen, okay? Alte Surferweisheit! Nu fahr´ auch schön!“ mahnte Amber mit erhobenem Zeigefinger und Parker lachte: „Ist gut! Ich geb mein Bestes!“
      Dann drehte sich Amber zu Kaela um: „Du hast echt mitten in der Botanik diese fette Karre verbuddelt? Echt krass!“
      „Also... nein, die Rampengrube war schon da – ich brauchte nur noch runterfahren, Bretter und Buschwerk drüber und fertig...“ erinnerte sich die Söldnerin und Amber runzelte die Stirn: „Was soll das denn – wer buddelt denn freiwillig in der tiefsten Pampa rum? Check´ ich nicht...“
      „Oh – bis vor Kurzem fanden hier noch `Ethnische Säuberungen´ statt – das sollte eigentlich´n Massengrab werden, denke ich... Irgendwie sind die Typen mit dem Bulldozer dann vorher aber selber krepiert – ich kann´s mir nicht erklären...“ grinste Kaela, während sie sich auf der Ladefläche angurtete und Parker murmelte: „Das war ja klar...“
      Bekennender Jason-King-Fan.
    • Das erste Dorf in Zentralafrika

      ...war eigentlich eine kleine Stadt. Amber atmete aus, weil es hier einigermaßen zivilisiert zuging so daß sie ihre Martialwerkzeuge erst mal im Wagen ließ, während sie hier auf dem Markt Proviant besorgten (der hoffentlich nicht von irgendwelchen Typen stammte), Kaela hielt sich soweit es ging dezent im Hintergrund – und Parker machte tatsächlich eine gute Figur – mit allem Klüngel, seiner Safariweste und einer standesgemäßen messingfarben verspiegelten Sonnenbrille. Der hatte das Sturmgewehr aber lieber dabei – so wie Kaela ihren Revolver und das Khukrie.



      Also stromerten sie über einen bunten, lebhaften Markt voller bunter und lebhafter Leute – von denen Amber und Parker nicht einen verstanden. Hier gab es alles – sogar (zu Parker´s und Amber´s Erleichterung) Armeerationen. Und während sie so weiterschlenderten – sie waren nicht die einzigen Europäer oder Asiaten hier – unterhielten sie sich natürlich über ihren Auftrag.
      „Zehn Kilotonnen? Sagt mir gar nix.“ kommentierte Amber und Parker erklärte: „Die nukleare Explosion in Hiroshima war etwa 20 Kilotonnen stark – also 20000 Tonnen TNT – in etwa.“
      „Daß es echt Typen gibt, die sowas berechnen...“ grübelte Amber und Kaela meinte: „Das, was wir verifizieren sollen ist eigentlich eine... überschwere `Flugabwehrwaffe´. So´n Ding wird in einen Bomberpulk geschossen – und mit etwas Glück hält sich der Fallout in überschaubaren Grenzen, wenn man sie hoch genug zündet...“
      „Öh? Was wollen die dann damit? Wird sich ja wohl kaum einer `nen Riesenarschvoll Bomber ins Haus stellen, damit die hier was zum Wegsprengen haben?“ wunderte sich die Extremsportlerin und Parker grinste: „Naja – es ist immer noch `ne Atomwaffe...“
      „Und wenn man den Kurs und alles gut berechnet – dann kann man mit dem EMP-Effekt noch wesentlich mehr rausholen...“ gab Kaela zu bedenken, während sie den frisch erstandenen Seesack mit MREs zu befüllen begann und der Händler sich sehr zufrieden einen moosgrünen Stein im Sonnenlicht ansah. Amber half Kaela, indem sie einfach den Seesack aufhielt: „EMP? Was´ das denn? Ich kenne nur so´nen Versand, bei dem man krassen Schmuck und T-Shirts von Bands bestellen kann – Truth Hurts, Excalibur...“
      Kaela begann zu lächeln: „Nun, nach einem ausgewachsenen EMP bestellt keiner mehr was...“
      „Jede Kernspaltung setzt einen massiven elektromagnetischen Impuls frei – und moderne Elektronik reagiert darauf sehr empfindlich. Computer, Verkehrsüberwachung, medizinische Infrastruktur – Trinkwasser – alles... ist weg.“ erklärte Parker.
      „Keine Computer mehr? Das wäre echt kacke!“ grübelte Amber – und fuhr plötzlich herum: „Ja, SACK ZEMENT!!“
      Kaela und Parker drehten sich zu dem blonden Mädchen rum, das recht aufgebracht vor einem einheimischen Jungen stand, der sie breit angrinste und etwas sagte, das Amber nicht verstand.
      Kaela begann verschmitzt zu lächeln: „Er meint, Du gefällst ihm...“
      „Ich gefalle mir auch – das´ aber kein Grund, mir zwischen den Beinen rumzugrabbeln!“ fluchte Amber. Parker atmete konsterniert aus und Kaela redete weiter: „Nun will er wissen, wen er fragen muss, damit er Dich – nunja, kaufen kann...“
      „Meine Fresse...“ stöhnte Parker und Amber lief rot an: „Geht´s noch? Hast wohl nicht mehr alle Nadeln an der Tanne?!“
      Sie schubste den Jungen von sich weg – und schlagartig kamen zwei Männer durch die Menge und fingen an etwas zu brüllen, was wieder keiner verstand – bis einer von ihnen Amber ins Gesicht schlug. Da waren sie genau an der richtigen Adresse – und das Stunt-Tier übernahm die Kontrolle. Amber´s linker Fuß stemmte sich in den staubigen Boden – und dann war Ruhe. Amber war platt – der Kerl hat ihr doch echt eine gescheuert. Und die Männer ringsrum waren ebenfalls platt – der nicht gerade zimperliche Schlag hatte offenbar keinerlei Wirkung.
      „Wir sollten...“ begann Parker leise – und Amber´s Mine verfinsterte sich plötzlich.
      „Ich bin dran.“
      Zu Beginn der Reise hatte das quirlige Mädchen natürlich hier und da die persönliche Ausrüstung komplettiert – und darunter war ebenfalls ein Satz stabiler Handschuhe - Kaela nannte sie `schnittsicher´, was ja ohnehin schon mal etwas Cooles und nicht Alltägliches war – und Amber liebte nicht Alltägliches. Sie aber war ebenfalls nicht alltäglich. Sie war ein Straßenkind. Das macht zäh. Den Schlag, den das sportlich-dralle Kraftpaket dem aggressiven Kerl mitten ins Gesicht versetzte, sah der Mann nicht kommen – und dank der Korundstaubeinlagen auf den Knöcheln hatte der Hieb einen signifikanten Effekt. Das Nasenbein ging zu Bruch – und der Typ fiel einfach nach hinten um – auf recht spektakuläre Weise.
      „Yess, man! Kinderfreistoß!“ lachte Kaela amüsiert. Dann drehte sich Amber wutentbrannt zu dem anderen Schreihals um: „Und Du? Willst Du auch noch was?!“
      Viele der Leute um sie herum fingen an zu grinsen und zu lachen – andere wiederum fingen daraufhin an, diese zu anzupflaumen – mit dem Effekt, daß sich am Stand des Händlers mit den Armeerationen eine ausgewachsene Schlägerei entwickelte, während Amber, immer noch sauer, wieder den Seesack aufhielt, den Kaela breit grinsend auffüllte: „Das war der Vater des Jungen...“
      „`War´ ist das richtige Wort! Wir wollten doch nicht auffallen – schon gar nicht unangenehm!“ zischte Parker, was die Söldnerin mit einem unterdrückten Lachen kommentierte: „Heyhey – ich hab gar nichts gemacht! Aber wenn man mit so einem gewaltbereiten Pelztier unterwegs ist...“
      „Fresse jetzt! Vollmachen!“ wies Amber auf den Seesack und Parker musste zugeben: „Bin froh, wenn Du nicht mal sauer auf mich bist.“
      Derart gelaunt dauerte es auch nicht lange, bis Amber an einem anderen Stand demonstrativ aufrüstete. So fand eine unverwüstliche Automag V ihren Platz an ihrer rechten Seite – zusammen mit reichlich .50AE-Munition und einigen Reservemagazinen. Kaela musterte ihre neue `beste Freundin´ zufrieden und wunderte sich: „Wie die Knarre wohl hier hingekommen ist...“
      Parker wunderte sich über was Anderes: „Was habt ihr eigentlich alle mit diesen Riesendingern?“
      Sichtlich stolz grinste Amber: „Bigger is better!“
      „Naja – hier haben wir manchmal echt große Viecher, die Stress machen können – oder Typen, die Pattex fressen und Klostein rauchen. Da muss man echt große Löcher reinmachen, damit sie keinen Bock mehr haben. Von daher...“ erklärte Kaela und Amber fügte hinzu: „Das Ding da ist genau richtig, um diesen Kerlen klarzumachen, daß ich nicht zu kaufen bin! Sachen gibt’s...“
      „Was macht Deine Backe?“ fragte Parker nach und Amber meinte kurz: „Passt schon. Ist nicht das erste Mal...“
      „Dachte ich mir. Du steckst voller Überraschungen...“
      „Theheee... Hab´ne Zeitlang mal als Stuntfrau gearbeitet – da lernt man auch was über´s Vermöbeln von Leuten...“ grinste Amber und Kaela meinte: „Interessant... das ist etwas, das wir bestimmt mal brauchen können...“
      In einem Restaurant machten die drei erst mal Pause – und Parker und Kaela sahen Amber erstaunt zu, wie diese sich in Rekordzeit mit Fast Food befüllte und sich mit einer hiesigen Spezialität anfreundete – Aqua Loco. Der Kokosliqueur hatte offenbar einen lustigen Effekt. Während das quirlige Mädchen dieses Gebräu einfach in sich hineinzuschütten schien, wunderte sich Parker: „Wo frisst Du das alles hin?“
      „Hab früher mal bei Wettessen mitgemacht!“ erklärte Amber weiterfutternd und Kaela schüttelte lächelnd den Kopf: „Langweilig scheint Dir jedenfalls so schnell nicht zu werden...“
      „Wettessen? Gut, daß man Dir das nicht ansieht...“ kommentierte Parker und Amber sah auf – und fing an zu lächeln: „Das war ja echt süß – ein waschechtes Kompliment!“
      Parker wurde wieder rot und Amber fing an zu erzählen: „Bei Wettessen hat jeder sein Patentrezept. Muss ja schnell gehen. Bei Hot Dogs ist es ganz simpel – die schlucke ich einfach am Stück. Aber da ich nicht so groß bin, passen da nur etwa neun Stück rein...“ klopfte sie auf ihren Bauch und Parker fragte ungläubig nach: „Mit Brötchen und allem?“
      „Theheee, ja! Ich hab einen echt großen Rachen!“ lachte Amber vergnügt und Kaela lächelte gequält: „Das habe ich mir schon gedacht – passend zum Mundwerk...“
      Und Parker war schon wieder geschafft. Da war er nun – im finstersten Afrika – zusammen mit einer exotischen geheimnisumwitterten Söldnerin – und einer niedlich-bunten Würgeschlange mit ausgeprägtem rechten Haken. Das war guter Stoff für einen Actionfilm, da war er sich sicher. Er war sich nur noch nicht sicher, ob er das gut finden sollte – so mittendrin statt nur dabei...
      Bekennender Jason-King-Fan.

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    • Es ist ein Unding...

      ...daß die Afrikaner in ihrem Land vor sich hinvegetieren, während Großkonzerne sich mit ihren Mietarmeen hier breitmachen, sich nach Herzenslust bedienen und wir sollen danebenstehen und applaudieren? Das ist Kolonialherrschaft 2.0 – aber das hat nun ein Ende. Hier in Zentralafrika ist jeder willkommen, der mithilft, eine Zukunft mitzugestalten, die für jeden lebenswert ist. Allen anderen sage ich: Ihr wollt Gold, Seltene Erden und Diamanten? Dann macht das, was jeder in der zivilisierten Welt tut – KAUFT das Zeugs. Kaffee, Kakao, Früchte? Alles kein Problem – solange dafür ein angemessener Preis gezahlt wird.“



      Kaela, Parker und Amber saßen immer noch in dem Restaurant, das nach draußen hin offen war – und seit der alte Fernseher die Ansprache von Präsident Batista Slade übertrug, wurde es sogar noch voller in der Gaststätte.
      „Klingt doch ganz konkret, was der da so von sich gibt...“ meinte Amber und die Samojedin nickte: „Das hier wird Sozialismus 2.0, falls er seine Versprechen auch hält – der Mann weiß, worauf der Rest der Welt scharf ist – er hat all das mit seinen Jungz übernommen, verstaatlicht und verkloppt die Produkte nun. Und der Gewinn wird in die hiesige Wirtschaft gesteckt – Infrastruktur, Straßen, Eisenbahn, Gesundheit und Bildung...“
      „Und wofür braucht der dann so eine riesige Armee?“ fragte Parker nach und Kaela grinste mitleidig: „Ich sehe schon – in Langley gibt’s keinen Geschichtsunterricht, nicht wahr? Schon gar keinen ehrlichen. Fragen Sie Patrice Lumumba, Salvador Allende oder Jacobo Arbenz.“
      „Warum sollte ich das tun? Wer sind die denn?“ runzelte Parker die Stirn.
      „Die sind der Grund, weshalb Batista Slade eine Armee hat – und eine Atomwaffe.“ erklärte Kaela trocken. Sie sah Parker an und fuhr fort: „Sobald ein Land, in dem es etwas zu holen gibt, Ambitionen zeigt, die in Richtung politischer und wirtschaftlicher Souveränität zeigen, wird irgendwo in der Welt – meistens in der nordwestlichen Hemisphäre – jemand hellhörig und versucht dies mit allen Mitteln zu verhindern – wer lässt sich denn schon gerne die Preise versauen, wenn Sklavenarbeit plötzlich nicht mehr läuft?“
      Amber sah Parker von der Seite an und runzelte die Stirn, als der plötzlich betreten wegsah.
      „Diese Armee und vor allem die Atomwaffe ist dazu da zu verhindern, daß in Washington wieder einer eine tolle Idee hat – oder in Langley. Der Präsident ist nicht dumm.“ lächelte die Söldnerin Parker süffisant an. Und im Fernsehgerät wetterte der Präsident weiter: „Dieses Land wird wachsen, denn hier ist jeder willkommen, wenn er bereit ist sich der Sache zu verschreiben. Hier ist kein Platz für alte Stammesfehden, Glaubenskonflikte oder Bürgerkriege – diese waren es, welche die ausländischen Mächte nur zu gerne schürten, so daß wir uns untereinander bekämpften und nicht bemerkten, wie sie hier alles von Wert zusammengerafft haben. Die Vergangenheit ist Vergangenheit - lasst sie ruhen - aber vergesst sie nicht. Es wurde genug gelitten, gestorben und zerstört. Zeit zur Abwechselung mal etwas aufzubauen, das Bestand haben wird!“



      „Ich würd den wählen! Außerdem sieht der lustig gemütlich aus – so putzig rund!“ lächelte Amber, worauf Kaela murmelte: „Idi Amin war auch `lustig rund´, aber immerhin trägt der hier nicht auch noch so eine dumme Uniform...“
      „Nein, das tut er nicht. Das braucht er auch nicht...“ sah Parker weiter der Übertragung zu – wo nun die Militärparade anlässlich des heutigen Feiertages gezeigt wurde. Natürlich mit haufenweise marschierenden Soldaten, Stabswagen, Meldefahrzeugen und Anderem... nichts umwerfend Neues – es waren nicht wenige Kampfpanzer vom Typ Leopard 1A4 zu sehen und auch Centauro-Panzerwagen, beide offenbar mit Mexas-Modularpanzerung – aber dann stockte Kaela und Parker der Atem. Tatsächlich – da war die BOMARC-Rakete auf ihrem umgebauten Kenworth-Tieflader. Und diesem Ding folgten sechs bemerkenswerte Fahrzeuge, die aussahen wie mehrachsige, dunkelgrüne Kranwagen, die anstelle des Krans einen vorne spitz zulaufenden Tank aufwiesen.
      Kurzstreckensysteme vom Typ SS-12.
      „Das sind alte Scaleboard-Raketen!“ bekam Kaela große Augen.
      „Und sind die schlimm?“ fragte Amber zögerlich nach.
      „Bis zu 1,5 Megatonnen.“ nickte Parker.
      „Man könnte auch chemische oder biologische Gefechtsköpfe verwenden...“ grübelte die Samojedin, als bereits der nächste Schock kam. Die Kamera schwenkte in den Himmel – und man sah mehrere alte KFIR-Deltajäger, die gleich zwei Mirage-IV-Bomber eskortierten, die ebenfalls nicht mehr brandneu, aber sehr gepflegt aussahen – das wirklich Unglaubliche aber waren die vier Maschinen, die danach kamen, deren kraftvolle Silhouetten nichts so sehr glichen wie kraftstrotzenden, dunkelgrünen, stromlinienförmigen Überschall-Kranichen. Es waren Maschinen, die es eigentlich auf gar keinen Fall geben können dürfte.
      Es waren BAC TSR-2 – mit etwas unter den Tragflächen, das wie Raketenmotoren aussah. Selbst Amber hat bemerkt, daß diese sechs Maschinen unüblich groß wirkten: „Und was ist mit den Dingern da?“
      „Ganz böse Medizin...“ murmelte Kaela und Parker fluchte: „Da muss man ja aufpassen, daß der bei uns zu Hause keinen Ärger macht!“
      „Strategische Bomber – und da noch dazu welche, die eigentlich gar nicht existieren sollten... ich würde ja sagen, es wäre interessant herauszufinden, wo zum Henker Slade all das Zeugs herhat!“ überlegte Kaela, aber wie sie es auch drehte und endete... es muss jemand sein, der über ungeahnte Mittel verfügte. Jemand, der einfach so mal vier Maschinen aus dem Reich der avionischen Legenden unter´s Volk schmeißt, macht das nicht weil er als Waffenhändler Geld verdienen will – er macht das, weil er es kann.
      Jemand gibt dem neuen Staat imposantes Spielzeug – jemand, der auf Geschäfte dieser Art offenbar nicht angewiesen ist. Dieser Jemand will damit auch eine Botschaft rüberbringen – höchstwahrscheinlich eine, die nicht besonders beruhigend sein wird.
      Und nun ist es Amber, die sich wundert. Da ist sie – mitten in einem Land, dessen Bewohner eigentlich recht zufrieden wirkten und die wie die meisten Afrikaner erstaunlich oft und gerne lachten – zusammen mit einer Jagdpilotin ohne Jet, die irgendwie wesentlich mehr von einem Geheimagenten hatte, als der eigentliche Agent, der direkt neben ihr saß. Mitten in einem Land, in dem irgendetwas vor sich ging, daß nicht mal diejenigen zu begreifen schienen, die das eigentlich am ehesten können sollten.
      Und Amber war sich sehr sicher: Irgendwie war dies das komplette Gegenteil von gut.
      Bekennender Jason-King-Fan.
    • Auf dem Weg

      ...zur Hauptstadt dieses noch jungen Staates, der trotzdem schon voller Geheimnisse und Überraschungen zu sein schien, fuhr natürlich auch Parker den massiven Wagen – weil Amber ein wenig zu besoffen war. Offenbar hatte dieser abenteuerliche Kokosliqueur doch mehr zu bieten, als nur Geschmack – nämlich auch einen billigen Rausch. Es sah tatsächlich so aus, als würde man nicht viel davon brauchen – vor allem nicht bei den hier vorherrschenden Temperaturen. Und während Amber hinten auf den Rucksäcken ihren Rausch ausschlief – und dabei recht zufrieden wirkte, genoss Kaela lang ausgestreckt die Fahrt auf dem Beifahrersitz und lächelte stillvergnügt vor sich hin.
      „Wie wird man... Söldnerin?“ fragte Parker unvermittelt – was Kaela noch breiter lächeln ließ.
      „Neugierig, hm? Harhar...“
      „Ernsthaft jetzt!“ bohrte Parker nach.
      Die Samojedin sah aus, als würde sie überlegen – und dann grinste sie Parker strahlend an: „Ich war jung und brauchte das Geld?“
      „Ach, kommen Sie... !“ fuhr Parker auf.
      „Achten Sie auf die Straße – damit Sie sehen, wo Sie gegenfahren.“ mahnte die Söldnerin belustigt. Dann lehnte sie sich wieder zurück und paffte Rauch von ihrem Zigarillo vor sich hin: „Was wollen Sie hören? Eine Entschuldigung? Irgendwas, das mit Ethik zu tun hat?“
      Parker musterte Kaela verstohlen von der Seite – was nach ein paar Sekunden auch ihr auffiel: „Was?“
      „Ich weiß einfach nicht... eine Frau wie Sie...“ grübelte er, was eine von Kaela´s ungewöhnlichen ovalen Brauen nach oben zucken ließ: „Was ist mit mir?“
      „Einerseits so verdammt burschikos, aber dann... Sie machen oft eher den Eindruck von jemandem, der... irgendwas mit... naja, Politik zu tun hat – wie aus einem Herrscherhaus irgendwo aus Fernost.“ holperte sich Parker zurecht und Kaela fing an zu lachen: „Tatsächlich? Nun, das ist... amüsant und wäre sicherlich sehr schön...“
      Dann aber sah sie nachdenklich aus: „Nicht, daß ich da was gegenhätte – aber die Wahrheit, warum ich Söldnerin wurde ist ganz simpel – ich kann nichts Anderes.“
      Parker runzelte die Stirn.
      „Es ist so... Ich bin Vollwaise – und hatte keine Kindheit, wie normale Menschen sie hatten – ich wurde ausgewählt – und – man kann fast sagen `abgerichtet´, nicht trainiert. Und das Problem, das ich mit dem FSB habe, nunja, da bin ich lieber verschwunden...“
      „Woher wissen Sie dann überhaupt, welchem Volk Sie angehören?“ wollte Parker wissen und Kaela lächelte: „Woher wissen Sie es denn?“
      Sie betrachtete sich im Rückspiegel und meinte lakonisch: „Ja, ich bin offenbar diejenige, für die das Wort `mongoloid´ im anatomischen Sinne erfunden wurde. Das fiel auch unseren Ärzten auf. Und so haben sie meine DNA untersucht – und festgestellt, daß ich irgendwie keinerlei mongolische Merkmale aufweise...“



      Parker verstand nicht, worauf die Frau hinauswollte, aber hörte weiter zu.
      „Sie waren neugierig – sie wussten, daß mein Nachname KHAN war, von meinen Eltern, die... irgendwie irgendwem im Weg waren. Und das mongolische Volk hat einen erstaunlich variantenarmen DNA-Strang seit der Mitte des 13. Jahrhunderts – dank einer Herrschersippe, die ebenfalls Khan genannt wurde. Deren oberster Chef war damals Dschingis Khan.“ erklärte Kaela und fuhr fort: „Aber ich habe keinerlei DNA, die mit diesem Hauptstrang in Verbindung steht – also suchten sie weiter und wurden bei den Nenzen fündig. Ich bin Samojedin – und heiße Khan. Macht mich fast schon´n bisschen stolz, harhar...“
      Dann erzählte Kaela in einer lustigen Stimmung weiter, wo diese Ärzte überall an ihr herumoperiert haben – und erwähnte auch, daß das alles Andere als kosmetische Eingriffe gewesen waren, was Parker mal wieder erröten ließ, als er von ihr einen erweiterten weiblich-anatomischen Exkurs bekam und dann erwähnte sie noch etwas Anderes: „Es ehrt mich, daß Sie eine so hohe Meinung von mir haben – Sie müssen wissen, daß ich das, was ich mir an `Sozialkompetenz´ angeeignet habe, durch Beobachtung gelernt habe – das war nicht Teil meiner... `Dressur´. Ich kann Ihnen garantieren – noch vor 11 Jahren hätten Sie mich nicht kennenlernen wollen...“
      „Najaaa...“ musste Parker zugeben: „...ich hatte schon Sorgen, Sie vor wenigen Tagen kennenzulernen, Ihre Akte liest sich... also von abenteuerlich bis beunruhigend ist da so ziemlich alles bei...“
      „Harhar... Wie gesagt – ich war jung und brauchte das Geld...“ grinste Kaela mit ihrem Zigarillo im Mund.
      „Also, so wahnsinnig alt wirken Sie jetzt ja nun auch nicht gerade...“ bemerkte Parker und Kaela sah grinsend zu ihm rüber: „Sie kleiner Charmeur... bei Ihnen müsste die Damenwelt eigentlich Schlange stehen! Es ist gut, daß Ihr Chef Sie mal hinter Ihrem Schreibtisch hervorgezaubert hat, nicht?“
      Und da tauchte eine verschlafene, aber gutgelaunte Amber von hinten auf und grinste breit in die Welt hinein: „Al-ter-Schwert-Fisch! Wenn Du so nette Dinge sagst, ist man echt versucht, sie Dir auch noch abzunehmen! Du hast´s ja wohl echt drauf – und damit meine ich nicht Zahnbelag!“
      Und während Kaela anfing zu lachen... achtete Parker mal lieber auf die Straße. Diese war tatsächlich schon asphaltiert – wies aber weiterhin breite, staubige Seitenstreifen auf – für alles, was zu Fuß oder mit Fuhrwerken unterwegs war. Sie führte durch mit lichten Hartlaubwäldern durchsetzte Savanne – und mit etwas Glück konnte man tatsächlich das eine oder andere große Tier sehen - Thompson-Gazellen, diverse Antilopen, einige Zebras - und in weiter Ferne sogar einige Giraffen....
      „Hast Du eigentlich vor, Dein ganzes Leben als Söldnerin zu arbeiten?“ fragte Amber nun – und Kaela sah tatsächlich nachdenklich aus: „Eigentlich nicht... ich würde aber gerne mal am Meer wohnen...“
      „Echt? Ich meine, ich kann´s verstehen...“ musste Amber zugeben und die Samojedin nickte: „Ich komme aus Zentralasien – nirgendwo ist man vom Meer weiter weg, als da. Und als ich in Angola war, war ich gerne am Meer... Das war für mich das erste Mal `außer Dienst´. Es ist einfach toll... Wenn´s einem zu warm wird – geht man einfach in´s Wasser. Ich mag das...“
      „Abgemacht!“ rief Amber aus – und Parker und Kaela sahen sie erstaunt an. Das blonde Energiebündel grinste: „Wenn wir das hier hinter uns haben – ziehen wir nach Maui! Und da mach´ ich einen Surferladen auf! Und ihr wohnt bei mir!“
      „Und... was machen Surfer so?“ fragte Kaela nach – und nun bekamen die anderen zwei große Augen: „Wie bitte?“
      „Das ist nicht Ihr Ernst!“ staunte Parker und dieses Mal wurde Kaela rot: „Naja – ich weiß es nicht – was ist surfen?“
      „Ein echt saucooler Sport! Wellenreiten – nie gehört?“ wunderte sich Amber und Parker murmelte: „Charlie surft nicht...“
      „Kaela auch nicht.“ lächelte die Söldnerin entschuldigend: „Ich kann nicht alles wissen... aber so, wie Amber klingt, scheint es Spaß zu machen...“
      „Ul-tra-re-lax!“ nickte Amber heftig: „Und Du mit Deinen krassen Tattoos und Deinem Hardbody wärst die Turbo-Polynesierin auf `nem Longboard!“
      „Und das ist gut?“ wunderte sich Kaela.
      Amber nickte bedächtig, als sie die Söldnerin zitierte: „Das ist guuut – das ist seeehr gut!“
      Und nun war es Parker, der anfing zu lachen.
      Bekennender Jason-King-Fan.

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    • Und das ist okay?



      Nahe des alten Flughafens lagen einige alte Hangare und kleinere leerstehende Fabriken. Man könnte sagen, daß nun, da die Hauptstadt einen neuen, größeren ( Militär-) Flughafen hatte war dieses Gebiet brachliegendes Gelände – und wie immer waren es eher die zwielichtigen Charaktere, die man hier antreffen konnte... Es war Gangland. Unter anderem gab es auch welche, die sich haben aufcybern lassen – Nur eines war nach wie vor vorhanden.
      Das Fort Hope stand immer noch.
      Dies war eine Söldnerkneipe aus... vielleicht nicht `besseren´, aber anderen Zeiten. Kaela kannte den Laden gut – und sie hatte hier einige Bekannte, die sie mal abzuklappern gedachte. Natürlich bestand da auch die Gefahr, daß die Samojedin Bekannte traf, von denen sie weit weniger hielt – aber sie hatte ein Motto, das auch unter anderen Individuen hochgehalten wurde: Who dares, wins. Also hielt der wuchtige Armadillo einfach neben den anderen teils ebenso abenteuerlichen Fahrzeugen.
      „Und das ist okay?“ fragte Amber, als sie ausstieg – ihr kam der alte Kasten, der hier wahrscheinlich schon zur Kolonialzeit stand, nicht ganz geheuer vor.
      „Nur keine Sorge – okay, hier wird vielleicht manchmal etwas dick aufgetragen – aber hier kamen auch immer die Leute rein, die Söldner für Aufträge suchten – und da gibt es natürlich die Sorte, die jedem zeigen muss, wie hart sie sind...“ lächelte die Söldnerin, als sie ausstieg und Parker sah sich das Gebäude skeptisch an: „Und genau das macht mir Sorgen.“
      „Als hier noch Bürgerkriegsgebiet war, gab es hier öfters Schießereien – weil einige Söldner den Rebellen angehörten und andere der Regierung – wenn man das so nennen konnte.“ erklärte Kaela, als sie sich `ausgehfein´ machte, was darin bestand, daß sie eigentlich obenrum nur ein schwarzes Top trug – und ihre Kette aus Kaurimuscheln, die ihre `Hundemarken´ umschlossen. Sie sah auf ihre recht massive russische Taucheruhr aus stumpfgrauem Titan – und fuhr fort: „Die unterstanden wie die `Todeskommandos´ gegen Regimekritiker dem damaligen Prime Minister – wir nannten ihn immer den `Crime Minister´, denn er war ein ausgemachter perverser Drecksack. Der flog dann eines Tages beim Golfen in die Luft – der einzige Tag, an dem ich Golf interessant fand...“
      „Na, das kann ja heiter werden...“ zog Parker seine Militärmütze tief ins Gesicht und Amber... hing sich lieber mal die Neostead über die Schulter, was Kaela wieder zum grinsen brachte. Dann fragte sie Parker unvermittelt: „Sagen Sie mal – Sie haben sicherlich einen Vornamen?“
      „Öhhm... ja, klar. Ryan.“ antwortete dieser, etwas überrumpelt. Was nicht besser wurde, als irgendjemand gerade mit Nachdruck `gegangen´ wurde – er segelte rückwärts durch die saloonartige Tür auf die Straße. Ungeniert ging Kaela hinein: „Schön zu sehen, daß alte Bräuche hier noch hochgehalten werden...“
      Ryan und Amber hatten schlagartig das Gefühl, daß man mit Buschmessern die Luft hier drin in Blöcke schneiden und diese dann stapeln – oder aber zum Lackieren geben könnte. Qualm von Tabak der Marke `Fliegentod´ wurde mit Alkoholdunst und anderen obskuren Geruchsnoten von den müden Deckenventilatoren zu einer Melange verquirlt, die es den altmodischen Lampen schwermachte, etwas Licht in das schummrige Dunkel zu bringen. Geschweige denn, einfach mal Luft zu holen. Unwahrscheinlich, daß diese Wände tatsächlich mal weiß gewesen sein sollen – es hingen gerahmte Fotos daran, die von Panzern, Flugzeugen bis hin zu wild aussehenden Gestalten im Dschungel, die vielleicht mal neben Soldaten gestanden haben, so ziemlich alles zeigten. Und genau solche Gestalten waren heute abend großteils hier zu Gast – außer einem, der gerade draußen seine Backenzähne aus einem alten Hydranten zog.
      `Ist ja entzückend.´ dachte sich Ryan im Stillen, während Kaela sich, gefolgt von einer Amber, die krampfhaft versuchte ihre Unsicherheit mit einer steinernen Mine zu verbergen, einen Weg zu einem Ecktisch bahnte, der eigentlich nur für zwei ausgelegt schien – aber dem half sie einfach ab, indem sie sich auf dem Weg dahin ganz simpel an einem anderen Tisch einen leeren Stuhl griff. Anders als in einschlägigen Western sahen die Leute hier nicht großartig auf – es kümmerte sie einfach nicht wer reinkam, solange es nicht der Kerl von Vorhin war. Die Samojedin drehte den Stuhl einfach um – und lehnte sich mit ihren Unterarmen auf die Rückenlehne und nickte zu den anderen beiden Stühlen: „Das ist unser alter Candlelight Dinner Table.“
      „Echt jetzt?“ sah Amber sie ungläubig an und Kaela erwiderte: „Es gibt auch unter Söldnern ab und an Pärchen – was meinst Du denn?“
      „Schwer vorstellbar... Hattest Du mal `nen Freund?“ fragte Amber dann und Ryan grinste zynisch: „Schwer vorstellbar.“
      „Das ist richtig. Als Jetpilot und Söldner ist man meistens allein – weil alle anderen immer denken, man hält sich dann für was Besonderes...“ sinnierte Kaela. Dann sah sie sich um: „Aber dies war der einzige leere Tisch. Ist viel los hier – nachdem es in diesem Landstrich ruhiger wird, warten alle hier irgendwie auf einen Auftraggeber, wie es scheint. Würde mich nicht wundern, wenn der Großteil hier demnächst die Segel streichen wird...“
      Dann aber begann sie wie ein großes Mädchen aufgeregt mit den Unterschenkeln zu wippen, als der Barkeeper vorbeikam – und breit grinste: „Black Wasp, altes Haus! Was wird das hier? `n flotter Dreier?“
      „Harhar... sind sie nicht niedlich? Ich passe extra auf, daß sie mir keiner klaut...“ lächelte Kaela den verschrötigen Mann gemütlich an, während Amber knallrot wurde und Ryan ungläubig die Augen aufriss. Dann stellte sie den Mann vor: „Trevor McManus – ehemals SAS. Ihm gehört der Laden hier. Trevor – dies sind Amber Wilkinson, Kommunikationsprofi und Ryan Parker, Scharfschütze.“
      „Angenehm, ihr zwei. Ihr habt echt Schwein – normalerweise ist Black Wasp immer allein, aber ich denke, bei ihr seid ihr gut aufgehoben!“ brummte der Mann vergnügt: „Siehst gut aus! Aber ich wette, das sagt jeder, der Dich nicht näher kennt, hähähä... Was darf´s sein? Das Übliche?“
      „Dreimal und in Groß. Und ein Zimmer – für `ne Woche, denke ich.“
      „Alles klar – ich lege Dein `Paket´ hinein - ´s ist Zimmer 04.“ wandte der Hüne sich gemütlich zum Gehen – und Amber musterte Ryan skeptisch: „Scharfschütze?“
      Ryan hingegen starrte Kaela entgeistert an: „EIN Zimmer?!“
      „Was denn?“ lehnte sich Kaela gemütlich zurück: „So hässlich seid ihr ja nun auch nicht. Und ich hab´ nichts zu verbergen – ihr etwa? Und glaubt mir – auch hier sollten wir besser zusammen bleiben. Wäre nicht das erste Mal, daß ein anderer besoffener und übermütiger Gast sich im Zimmer `irrt´...“
      „Sehr beruhigend...“ murmelte Ryan und Amber wiederholte die Frage: „Scharfschütze?“
      „Nun – unser Ryan hier hat ein M-4. Was fällt Dir daran auf?“ wies die Samojedin lächelnd auf die Waffe an Ryan´s Seite – und Amber runzelte die Stirn, als sie die Waffe musterte: „Öhhm... najaaa... `s is´n Sturmgewehr – mit Magazin, Glotze und Lampenzeugs vorne dran und so...“
      „Solange er mit uns unterwegs ist – und selbst hier – steht die Waffe entweder auf Safe – oder auf Einzelschuss. Aber nie auf Feuerstoß. Also setze ich soviel Vertrauen in ihn zu glauben, daß er meistens trifft, worauf er zielt.“ erklärte Kaela - und sah Ryan dann genau an: „Muss ich mir Sorgen machen, daß mein Vertrauen eventuell... ungerechtfertigt ist?“
      Die Söldnerin lächelte: „Vor Ihrem Schreibtischjob waren Sie ebenfalls Soldat, nicht wahr? Und wahrscheinlich nicht mal der mieseste... Dann kann ich Ihnen ein Kompliment zurückgeben – Sie haben sich Ihren Style und Ihre zweifellos gute Erziehung bewahrt. Hiermit nehme ich die `Flachzange im Konfirmationsanzug´ offiziell zurück.“
      „Auf was Du alles achtest...“ staunte Amber. Ryan indes konnte nur langsam den Kopf schütteln. Diese Person war nach wie vor ein absolutes Faszinosum. Eines, das dazu noch sehr exotisch aussah – und sich auf wirklich exorbitanten Beinen durch diese gefährliche Welt bewegte. Dann aber kam der Wirt zurück – mit einer riesigen Bratenplatte auf der einen – und einem Tablett mit drei großen Gläsern auf der anderen Hand: „Sooo – hier einmal was zu Futtern für alle – und dreimal Cyanid on the Rocks!“
      Mit klirrenden Eiswürfeln stellte er alles auf den Tisch – und hinterließ einen Schlüssel mit einem Messinganhänger, auf dem eine Vier eingestanzt worden war. Interessiert musterte Amber die Halblitergläser: „Was ist das für´n Zeugs? Es ist... hellblau?“
      „Hat Trevor nie gesagt – aber es schmeckt echt gut.“ grinste Kaela breit – und nahm sich eine der drei zweizinkigen Gabeln, die auf der großzügig dimensionierten Bratenplatte lagen: „Also... hauen wir mal richtig rein. Wer weiß, wann´s was wieder gibt?“
      Bekennender Jason-King-Fan.
    • Der Sherpa

      ...rollte beinahe gemütlich auf den Parkplatz vor dem Fort Hope – und der Motor ging aus. Aus dem nicht gerade kleinen, über sieben Tonnen schweren Scoutwagen stiegen zwei Kerle aus, die sich über einige Zähne auf der Straße wunderten – sich dann aber anschickten, die Kneipe zu betreten.
      Währenddessen hatte Trevor´s Frau, eine stattliche Dame aus Ghana, die Theke übernommen, damit sich ihr Mann ein wenig mit der alten Kollegin – und den neuen Kollegen unterhalten konnte. Und dabei kam raus...
      „...daß ich damals genau hier saß – und Nazeen hier...“ er wies auf die Frau hinter dem Tresen. „...kennenlernte. Sie war bei den Rebellen, war gut mit dem MG, mein Gott – und sie schlug `ne ordentliche Kelle. Solche Frauen muss man einfach toll finden!“
      „Du bist Brite!“ rief die Frau breit grinsend: „Die sind für alles zu begeistern, was nicht von ihnen zu Hause ist – geht schon bei der Küche los...“
      „IRE! Ich bin Ire!“ rief Trevor zurück und grinste: „In der Tat – sie kann auch super kochen...“
      „Im Gegensatz zu Dir... kann jeder kochen.“ erwiderte die Frau gekonnt lakonisch und lachte: „Ist ja auch kein Wunder – wenn´s in Irland nicht mal mehr Kartoffeln gab...“
      „Aber wie ihr seht: Dieser Tisch hat Geschichte – und hey, seit dem Abend lebe ich rund um die Uhr mit ihr in Afrika und bin glücklich wie ein Schwein in der Jauche...“ lehnte sich Trevor zurück und Kaela lächelte: „Sag mal – ist das wahr, daß ihr zwei `ne Tochter habt?“
      „Klar! Wird bald 21 Jahre alt – Mann, wie die Zeit vergeht...“ erwidert der irische Hüne und brüllt: „ALEEN! Haste mal was Zeit? Kannst Dad´s alte Freundin kennenlernen!“
      Ryan und Amber zuckten zusammen bei der Lautstärke und Trevor lächelte entschuldigend: „Sie klemmt meistens unten in der Werkstatt – habe ihr alles beigebracht, was ich kann!“
      „Ah... Deshalb hat´s nicht so lang gedauert, hab´ mich schon gewundert...“ war Nazeen´s Kommentar vom Tresen, was lautes Gelächter auslöste, während die zwei Männer von draußen reinkamen und sich umsahen. Und die bekamen gleich mal was zu sehen – nicht aus der Kellertür – sondern durch die Tür zum Hinterhof kam Trevor´s Tochter – und die hatte tatsächlich viel von ihren Eltern – von Nazeen die Hautfarbe und von Trevor ungewöhnlicherweise die Haarfarbe. Und sie war so gebaut, daß sie jedem reinrassigen Steinhöringmenschen im Vorbeigehen mal eben zeigen konnte, wo der Frosch die Locken hat. Kurzum: Aleen war... eine beeindruckende Erscheinung.



      Und sie musterte die Leute an Trevor´s kleinem Lieblingstisch – und vor allem Amber, die wiederum Aleen anstarrte wie vom Donner gerührt: „Was... für ein Pferd! DIE DA... ist 21?!“
      Aleen´s linke Braue zuckte hoch und Trevor meinte verwundert: „Nee – noch nicht ganz. Warum?“
      „Ich bin 24! Und nun sieh mich an!“ fluchte Amber, stellte sich hin – und reichte Aleen vielleicht bis zu den Schlüsselbeinen: „Na? Der haut bestimmt keiner nur mal so eine rein – wie mir!“
      "Muss... ich das verstehen?" fragte Trevor und Ryan fing an zu grinsen.
      „Vorsicht, Aleen...“ mahnte Kaela und lächelte gemütlich: „Amber ist recht... gewalttätig...“
      Trevor verstand natürlich nichts, aber Ryan lachte sich kaputt und Aleen musterte das fröhlich-bunte Wesen vor sich skeptisch – und Amber wandte sich zu Kaela um: „Woah, fettes Merci! Die muss mich jetzt ja für voll die Assel halten!“
      „Nein – ich halte Dich für... klein. Aber wenn Dir wieder einer eine reinhauen will – sag einfach Bescheid.“ erwiderte Aleen mit ernstem Gesichtsausdruck: „Ich mag keine Leute, die andere unterdrücken – nur, weil sie glauben, daß sie damit durchkommen können...“
      „Respekt – die ist euch gut gelungen...“ lehnte sich Kaela zurück und Trevor meinte stolz: „Aleen trainiert auch viel – und sie kennt jede Ecke in dieser Stadt und im Umland.“
      „Sie hätte stattdessen mal lernen können, den Laden zu schmeißen – aber da schlägt sie wohl auch eher nach Dir...“ grinste Nazeen ihren Mann an und Aleen meinte nüchtern: „Ich bin eben gut mit Waffen, Computern und Werkzeugen.“
      „Echt jetzt?! Boahh...“ staunte Amber und Trevor grinste: „Sie kann Dir in der Werkstatt alles zaubern, was Du Dir erträumst – sie hat sogar einen großen, alten 3D-Drucker wieder gangbar gemacht... und sie zieht aus dem Web alle möglichen Fräs- und Drehpläne für echt große Knarren, hähä...“
      „Ich muss offenbar noch sehr viel lernen, die Wege des WWW sind tiefgründig...“ meinte Amber andächtig – und Aleen schlug schüchtern vor: „Öhhm... ich kann Dir ja mal die Werkstatt zeigen...“
      Schließlich saßen sie nur noch zu dritt an dem kleinen Tisch – und während Trevor nicht müde wurde, Ryan mit Geschichten über sich und Kaela alias Black Wasp zu unterhalten – beäugte Kaela die Kundschaft. Man kann sich den eigenen Körper mit kybernetischen Erweiterungen aufrüsten lassen – und nicht wenige tun das auch. Dies passiert zumeist eher unauffällig und kann auch gewisse modische Aspekte beinhalten. Es gibt aber auch den Menschenschlag, der keinen Pfifferling auf Understatement gibt – und so kann man vor allem in Gegenden wie diesen durchaus Gestalten mit beispielsweise Cyberarmen oder optronischen Implantaten anstelle eines oder beider Augen begegnen – manche Söldner und Ganger tragen diese offen zur Schau – wie martialische Auszeichnungen. Und oft beinhalten zum Beispiel kybernetische Unterarme solche Spielereien wie USB-Verbindungen oder selbst Waffen wie ausfahrbare, lange Klingen und Ähnliches. Abgesehen davon, daß kybernetische Arme sehr stark sein können. In diesem Falle sollte allerdings wenn nicht die Wirbelsäule, so dann zumindest das Schlüsselbein und das Schulterblatt aus Karbokeramik sein, so daß die Muskulatur einen ausreichenden Halt besitzt – ansonsten kann man sich den eigenen Arm ausreißen – oder man könnte sich selber das Kreuz brechen. Prinzipiell kann man seinen gesamten Körper kybernetisch tunen lassen – und man ist danach tatsächlich ein CyBorg. Um einzelne Systeme mit Energie zu versorgen, werden BiMetall-Batterien implantiert, die sich durch die Körperwärme selbst aufladen. Komplette CyBorgs hingegen müssen natürlich tatsächlich hin und wieder an´s Netz – was die Wahrscheinlichkeit, solchen Individuen hier zu begegnen denkbar gering erscheinen lässt... sie sind ein Makropolphänomen – und wenn man dies legal bewerkstelligt, erfolgt eine dementsprechende Registratur bei den Behörden. Natürlich gibt es in urbanen Gegenden mit guter Energieversorgung auch illegale Kliniken, wo man sich umbauen lassen kann – man ist dann ein BlackBorg – ein illegaler CyBorg. Großstädte haben demzufolge spezielle CyberCrime-Units aufgestellt, die unter dem Namen MaxTac bekannt sind. Und deren Mitglieder sind oft auch schon mehr Maschine als Mensch. Solche Gesetzeshüter arbeiten oft mit Waffen von geradezu absurden Dimensionen und unfassbarer Leistungskraft – eine der `kleinsten´, aber dafür bekanntesten ist ein vierschüssiger Revolver mit ungefluteter Trommel für riesige Wolfram-Carbid-Patronen - der Magnum Opus Hellbringer im Kaliber .666HV. Man kann sich vorstellen, daß eine solch illustre Waffe auch oft in entsprechenden Actionfilmen vorkommt.
      Fakt ist: Um solche FullBorgs notfalls aufzuhalten, braucht es Einiges. Kaela hat den Eindruck, daß zumindest mit einem von den beiden Neuankömmlingen was nicht stimmt... Man trägt in diesen Breiten keine Lederhandschuhe... Sie verstand Trevor´s dezenten Wink, als sie die Schulteraufnäher von früher her erkannte. Ehemalige Mitglieder der alten `Regierungstruppen´. Und tatsächlich – bald standen sie auf – und näherten sich dem kleinen Ecktisch...
      „Aha... der Postmann ist da...“ flüsterte Trevor und Kaela lächelte knapp: „Und weil das Telegramm so schwer ist, kommt er nicht allein...“
      „Was soll das heißen?“ fragte Ryan beunruhigt, während Kaela unauffällig ihren Holster öffnete.
      „Daß es hier nach heißen Innereien an der Wand riecht, Junge...“ meinte Trevor leise. Schließlich bauten sich die beiden Männer vor dem kleinen Tisch auf – und musterten Kaela genau. Und die fragte unbefangen: „Gibt es ein Problem, Gentlemen?“
      „Du bist Black Wasp – die Pilotin, die vor vier Jahren einen Einsatz an der Ostgrenze geflogen hat? Schwarze J-37?“
      „Harhar... ich habe dort damals viele Einsätze geflogen... welcher darf´s denn sein?“ fragte die Samojedin ungeniert zurück. Einer der beiden sah auf sein TactiCom – und nickte: „Sie ist es. Unverkennbar.“
      „Ich bin so ein Einzelstück, hähä...“ räkelte Kaela sich auf ihrem Stuhl, während Trevor und Ryan sich anspannten. Dann erwiderte der andere Mann: „Commander St.Michael wurde fast getötet, als Ihre Fassbombe seinen Stabswagen traf...“
      „Sehr bedauerlich – ich dachte bis jetzt, er wäre wirklich hin...“schnurrte die Söldnerin sanft und Ryan dachte sich: `Keine Ahnung, um was es hier geht, aber das sieht irgendwie nicht gut aus...´
      `Damnfuck – einer hier hat sie verpfiffen! So´n Mist...´ fluchte Trevor innerlich – und war froh, daß seine Tochter und die Kleine jetzt nicht hier waren.
      „Der Commander ist sehr nachtragend. Und deshalb – nehmen wir Dich mit zu ihm.“ sagte der Typ mit dem TactiCom – und Kaela´s Stimme wurde kühl: „Dann... gibt es also wirklich ein Problem.“
      Bekennender Jason-King-Fan.
    • Meine Fresse

      ...ist das krass!“ konnte Amber nur staunen. Klar – im Keller des Hauses war es eng – aber das hier vorzufindende Equipment war... beeindruckend. Ladevorrichtungen für selbstlaborierte Munition... Eine Werkbank, penibel gepflegt – ebenso wie die ältere Fräsmaschine und die Drehbank – und ein eigenwilliges Gerät, das etwa 3 Quadratmeter in Anspruch nahm – auf dem abgewetzten, tarnfarbenen Rahmen stand Nygmatech Miliprint. Selbst ein improvisiertes Funkenerosionsbad war hier. All diese Maschinen waren mit einem Kabelsalat Marke Zimmerbrand 3000 verbunden, der in einem Konglomerat aus handzusammengefriemelten Computerkomponenten gipfelte – der zu allem Überfluß auch noch zu funktionieren schien, irgendwie. Amber sah sich alles genau an – und fragte Aleen ungläubig: „Das alles... hast DU gebaut?!“
      „Nö.“ war die knappe Antwort, die Amber stutzen ließ. Aleen wies auf die Drehbank und die Fräsmaschine – und eine Standbohrmaschine in der Ecke: „Die sind von Dad. Die waren schon hier – ich hab´ nur den anderen Krams hergeholt – und so zusammengesteckt, daß ich damit all diese Maschinen – und den Drucker hier ansteuern kann, das ist alles...“
      Dann öffnete die stolze Hünin eine weitere Kellertür und wies hinein: „Gebaut habe ich das hier...“
      Und Amber sah einen Lagerraum – auf einer Seite lagen Rohstähle verschiedenster Facon – und in Regalen auf der anderen Seite standen einige Waffen – und die sahen teilweise... unüblich aus. Aleen zog ein Ding aus dem Regal, das wie eine Mischung aus Sturmgewehr und Sniper wirkte: „Durant High Performance Assult Rifle – verschießt dieselbe hülsenlose Munition wie ein Cheytac Intervention MK.VII, nur um sicherzugehen... Gasdrucklader. Habe ihm ein Falcan Scope verpasst. Wer damit nichts trifft – sollte besser grundsätzlich die Finger von Waffen lassen.“



      Dann wies sie auf ein Gewehr, das schlicht zu massig und zu lang für das Regal war: „20mm Anzio – verschießt dieselbe elektrisch gezündete Munition wie eine 20mm Vulcan. Man benutzt es, um leichte Panzerwagen, Truppentransporter oder Radaranlagen zu zerstören – bis auf drei Kilometer Entfernung.“
      „Das Ding ist länger als ich!“ stand Amber ehrfürchtig vor dem Geschütz, das ein wenig etwas vom Auspuffrohr eines Kenworth Trucks hatte: „Und ich schätze mal, es wiegt auch mehr als ich...“
      „Es ist etwas größer als ich – ich bin 194 cm groß...“ erwähnte Aleen leise und meinte: „Die Materialien für moderne Feuerwaffen haben sich in den letzten 40 Jahren nicht großartig verändert – wenn ich eine verkaufe, bekomme ich Rohstoff für etwa 14 neue...“
      „Und Hauptsache, sie sind groß...“ grinste die begeisterungsfähige Amber breit, worauf Aleen nüchtern erwiderte: „Handelsübliche Sturmgewehre und Handfeuerwaffen gibt es wie Sand am Meer – ich mag eher die...“
      „...ausgefallenen, speziellen Sachen – schon klar... wie das hier...“ besah Amber sich eine Pistole, die aussah wie frisch aus einem Science Fiction Film. Sie walzte ihre folgende Frage beinahe genüsslich langsam aus: „Was zum Henker ist das?“
      Die Waffe war groß – und wirkte dennoch schlank. Irgendwie zumindest... Sie hatte was von einer dicken, massiven Wettkampf-Luftpistole, gepaart mit Konstruktionsmerkmalen einer nautischen Kanone, was vorne in einem mächtigen Mehrkammer-Kompensator endete. Teilweise blank, teilweise parkerisiert und mit einem recht ansprechenden Koa-Holzgriff versehen wirkte sie... mehrere Kilo schwer. Aleen lächelte schüchtern: „Über die Pläne von dem Ding bin ich mal drübergestolpert – ich denke, es war ursprünglich als eine Machbarkeitsstudie geplant – taktisch betrachtet hat diese Waffe eigentlich keinerlei Wert. Sie ist einschüssig.“
      Aleen wies auf eine Kiste mit ziemlich großen Patronen: „Diese .50BMG-Munition habe ich selber laboriert – mit einer speziellen Schwarzpulvermixtur anstelle von Kordit.“
      Trevor´s Tochter öffnete eine Art `Heckklappe´an der Pistole: „Die übliche Treibladung detoniert ziemlich hochfrequent – das tut den Ohren auf Dauer nicht gut... Diese Patronen haben vielleicht ein Achtel weniger Leistung, klingen aber dumpfer. Angenehmer für die Trommelfelle...“
      Sie gab Amber das Unding in die Hand: „Sie hat einen Stickstoff-Rückstoßkompensator unter dem Lauf. Dennoch verhält sie sich alleine von der Wucht her recht... sagen wir mal `bockig´.“
      Amber wog die ungewöhnliche Waffe in der Hand – und sie lachte. Irritiert fragte Aleen: „Stimmt was nicht?“
      „Alles in Ordnung – Du bist nur so unglaublich lässig, wenn Du´n Kerl wärst, würde ich Dich vom Fleck weg heiraten!“
      Aleen beobachtete Amber verblüfft, wie sie sich die Patronen für das Unding genauer ansah – und wusste nicht so genau, ob sie jetzt was sagen sollte – oder einfach nur rot werden sollte. Aber die Entscheidung wurde ihr recht schnell abgenommen, als plötzlich Lärm von oben herunterdrang...

      Der Candlelight Dinner Table war stabiler, als er aussah. Tatsächlich steckte eine kybernetische Klinge in der Tischplatte drin – und sie steckte in dem schlagzähen Sperrholzverbund fest. Trevor war froh, daß der Kerl offenbar nur einen Cyberarm hatte – und noch dazu den rechten. So hatte der riesige Ire seine Pranke um das rechte Handgelenk des Mannes gelegt und hinderte ihn im stuhlumstoßenden Gerangel erfolgreich daran, zu versuchen, seine Waffe mit der Linken umständlich aus dem Militärholster rechts zu ziehen: „Du bist mir ja´n komischer Hafensänger, Jüngelchen – so kann man sich selber schachmatt setzen!“
      Und tatsächlich erwies sich Ryan als gut mit dem M-4 – der Kerl mit dem TactiCom hatte nicht die Spur einer Chance, als der adrenalingeladene C.I.A.-Sachbearbeiter wie eine Selbstschussanlage losging – und mittendrin saß seelenruhig Kaela, zündete sich einen Zigarillo an und zwinkerte Nazeen zu, die unter dem Tresen eine SPAS-12 hervorgeholt hatte – und durch das kleine Seitenfenster offenbar auf jemanden vor der Tür zu schießen begann. Dann legte sich von hinten ein massiver Lauf über Kaela´s Schulter – und sie hörte Aleen sagen: „Beweg´ Dich nicht.“
      Und als sich die Gelegenheit bot – sagte Kaela schlicht: „Jetzt.“
      Ein Schuss brach aus dem Durant – und der Typ mit dem Cyberarm bekam ein Loch ins Kreuz, das sich im wahrsten Sinne des Wortes sehen lassen konnte – einen erstaunten Trevor zurücklassend: „Ja, Fistfuck... !“
      Der Kerl kippte um und der Ire fluchte: „Verdammte Axt – ihr zwei hättet mich fast plattgemacht!“
      „Gern geschehen.“ erwiderten Kaela und Aleen zeitgleich – und fingen an zu grinsen, als Nazeen brüllte: „Deckung!“
      Ein Kugelhagel kam durch die Tür und die Fenster, zerlegte einige Lampen und hinterließ Löcher in den Wänden und Nazeen rief: „Das´ der Fahrer von denen! Der hat ein verdammtes MG dabei – das wäre eigentlich mein Job!“
      Die Türflügel hingen nur noch in Resten in den Scharnieren – und alles, was der Kerl draußen vor dem Fort Hope schemenhaft im Gastraum sehen konnte, war Rauch – und eine schmale Silhouette in einem anderen Türrahmen weiter drinnen. Und Sekunden wurden zu Äonen, als Amber, die gerade aus dem Keller kam klar wurde, daß sie einen großen Kerl auf der Straße sah, der ein Ding in der Hand hielt, das größer war als Ryan´s M-4. Der Rest war Reflex...
      Das Donnern war so laut, daß die restlichen Scherben aus den Fensterrahmen flogen und die Druckwelle so gewaltig, daß danach schlagartig watteartige Ruhe einkehrte. In dem Pulverdampf konnte eine basserstaunte Kaela nur sehen, wie Amber wie in Trance an ihr vorbeiging, eine gewaltige Hülse noch rauchend aus der hochgehaltenen... `Pistole´ mit dem Klang eines Schlussgongs auf den Betonboden fiel – und wie Amber sich ihre futuristische Sonnenbrille aufsetzte. Sie lud nach – ging einfach weiter und sah nach draußen: „Von dem Typ ist nur... noch der Hintern da. Und das MG.“
      In der Tat – die bunte Extremsportlerin in Univil war gerade der Blickfang für alle Anwesenden in dem Raum – selbst die wenigen Gäste, die so spät noch vor Ort waren, Veteranen in ihrem Job, starrten das Mädchen mit riesigen Augen an, als sie die Waffe sinken ließ – und nüchtern meinte: „Ich glaube, meine Unterarme werden taub – ich will... Cyanid on the Rocks.“
      „Alles, was Du willst, Mädel.“ nickte Trevor anerkennend und Ryan staunte: „Verdammt, ist das Ding laut!“
      „Hier wird’s nie langweilig. Du hast´s drauf, Kleine.“ verstaute Nazeen die Schrotflinte wieder unter dem Tresen und Aleen knuffte Amber grinsend in die Seite, daß sie fast in die benachbarte Sitzgruppe flog: „Thähähä... Vergiss´ das mit dem taktischen Wert – das war mal ein Auftritt!“
      Immer noch auf dem Stuhl sitzend bemerkte Kaela trocken: „Wie ich sagte – Amber ist etwas gewalttätig.“
      Bekennender Jason-King-Fan.
    • Kleine Sonne

      Der erste Rapport, inklusive einem Video von der Revolutionsparade war an Agent Tyrone versandt worden. Da hatte er mal´n bisschen was zu tun. Möglicherweise bekam er sogar raus, wo Präsident Slade all das strategische Material herbekommen hatte. Dann machte sich Amber mit ihrem stabilen LapTop daran, den TactiCom des einen Kerls auszuwerten – und im WWW nach Anhaltspunkten über die Leute zu stöbern, die damals zu Commander StMichael´s Truppe gehörten. Außerdem half ihr dies alles (und Trevor´s abenteuerlicher Drink), um sich ein wenig abzulenken.



      Währenddessen leistete ihr Aleen Gesellschaft und die anderen `räumten den Müll weg´, wie es salopp genannt wurde. Selbst Trevor kannte einige BlackDocs, die Verwendung für das eine oder andere Implantat oder Organ hatten, bevor eventuell Behörden hier aufschlugen – was aber eher unwahrscheinlich war. Kaela wurde wieder fündig und die Ladefläche ihres Trucks wurde etwas voller, während Trevor anmerkte: „Der Sherpa ist `ne irre Karre – schön groß und stabil... Das Richtige für Aleen, finde ich!“
      Ryan, der ebenfalls mithalf hatte mittlerweile die sperrige Weste in den Armadillo gepackt und sah auf: „Wenn diese Typen von StMichael noch hier im Land sind, planen die sicher irgendwas – sie sind ja offenbar keine Freunde der rezenten Regierung...“
      „Rezent, hm? Wenn Du´s sagst, Junge...“ brummte Trevor amüsiert und Kaela nickte: „Deshalb sieht Amber sich auf den hier zu findenden Servern und Insiderforen um... das ist ihre eigentliche Spezialität – mit PCs Sachen zu machen, die nicht alltäglich und meistens sogar verboten sind...“
      „Und wir unterstützen sie dabei, wieder straffällig zu werden...“ grummelte Ryan, worauf die Söldnerin ruhig erwiderte: „...was die Super-Idee Ihres sauberen Vereins war. Wo wir schon mal dabei sind...“
      „Sie hat einen umgebracht!“ fuhr Ryan auf und Kaela lächelte: „Und Sie erst mal – direkt durch den Schädel – Respekt! Saubere Arbeit... Amber wäre das übrigens erspart geblieben, wenn Ihr Chef sie nicht dazu verknackt hätte hier bei uns mitzumachen, richtig?“
      „Ich frage mich, wie sie damit klarkommen wird...“ grübelte der junge Amerikaner und die Samojedin musterte ihn. Dann fing sie an zu lachen, was Ryan wieder auf die Palme brachte: „Möchte mal wissen, was da so verdammt knacklustig dran sein soll!“
      Trevor richtete sich auf und grinste Ryan breit ins Gesicht: „Bist Du verknallt in die Kleine?“
      Da legte Kaela dem aufgbrachten Amerikaner kumpelhaft einen Arm um die Schultern und rüttelte ihn etwas durch, wie um ihn wachzukriegen: „Ist das so? Harhar, sieh an... Dann lassen Sie sich von der lieben, kleinen, netten, dicken Kaela mal was gesagt sein... Sie sind gerade umgeben von schießwütigen Psychopathen, die ihr Können für Bares anbieten – und ich denke, soweit Sie das bisher beurteilen konnten, scheinen wir trotzdem recht umgänglich zu sein, oder?“
      „Zumal... soweit ich das mitbekommen habe, Kaela die Einzige in eurem Haufen ist, die auf dieser Tour noch keinen einzigen plattgemacht hat!“ lachte Trevor und Kaela´s Brauen zuckten in gespielter Überraschung hoch: „Stimmt ja – sogar Sie, Mr. Perfect, lassen mich hier gerade ziemlich schlecht dastehen... Dabei habe ich doch einen so schön miserablen Ruf zu verlieren...“
      „Der kleine Satan ist zäh. Die Tatsache, daß sie den Seuchenvogel in Notwehr zerblasen hat ist unumkehrbar – und wird ihr nicht im Mindesten zusetzen. Ich hab´ schon viele Männer gesehen, die auf´nem Einsatz ihren ersten Hit gelandet haben – und da waren Typen dabei, die dachten, sie wären hart... es waren Kerle wie Bäume dabei, die man danach erst mal hat in die Klapse stecken können.“ fuhr Trevor fort und wies mit dem Daumen hinter sich in die Kneipe: „Die da? No Way – die hat instinktiv begriffen, daß jemand, der mit einer Knarre auf sie zielt, sie killen will. Und sie hat sich einfach entschlossen... etwas schneller zu sein. Die ist wie´ne Katze – sehr niedlich, aber wer der an´s Fell will, wird feststellen, daß dann ganz schnell Schluss mit Schnurren ist. Das ist der ganze Sinn des Lebens, Junge: Nicht verrecken.“
      „Das ist es, nicht? Deshalb sind Sie aus dem aktiven Dienst ins Büro gegangen...“ beobachtete Kaela Ryan genau. Sie fing an verstehend zu lächeln: „Sie sind also wirklich im wahrsten Sinne des Wortes... der Anstandswauwau... Ist Ihnen bewusst, daß Sie für einen Verein wie die C.I.A. viel zu schade sind? Wir sollten vielleicht tatsächlich zusehen, daß wir nach Hawaii kommen...“
      Die Söldnerin klopfte Ryan auf die Schulter: „Ich werde mich nicht über Sie lustig machen. Wären alle Menschen so wie Sie, wäre ich es auch – und es würde wahrscheinlich weniger Kriege geben, ich hätte ´ne Chance auf ein richtiges Leben – und eine Chance, mal wirklich auf Jobsuche gehen zu müssen, hähä... Bleibt nur zu hoffen, daß es in Zukunft mehr Menschen gibt, die diese Sensibilität entwickeln...“
      Sie nimmt das MG und schultert es: „Es ist erfrischend zu sehen, daß es tatsächlich noch geborene Ritter gibt – auch, wenn sie gerade keine Helden sein können, weil die Umstände sie zwingen, sich beschissen zu benehmen...“
      Dann legte sich eine wirklich riesige Hand auf Ryan´s Schulter, was ihn zusammenzucken ließ: „Du bist der Gute Mann. Ich suche Kleine Sonne...“
      Kaela fuhr herum – und Trevor brach in Gelächter aus: „V-Dar! Alter Spinner – was treibt Dich hierher?“
      Kaela und Ryan standen vor einem wahren Riesen. Gute 210 cm groß, von einer Statur wie ein... Superheld, dunkle Haut – und lange, schwarze Haare. Er hatte ein ernstes, kantiges und bartloses Gesicht und eine Vorliebe für Jeanshemden, denen er simpel die Ärmel abzureißen schien. Er trug dazu eine stabile Militärhose und... Turnschuhe, so schien es. Und er mochte ganz offenbar Klingen, das Bowie, das er dabei hatte, passte zu ihm – denn es war groß. Kaela runzelte die Stirn und sah zu Trevor: „Du kennst ihn?“
      „Das ist V-Dar, Kanadier – irgendein Cree-Indianer oder so. Er kam mit einer UN-Truppe und blieb hier. Und er ist ein PSI-Begabter. Ein Riesenschrank, wie ihr seht, aber so harmlos, daß er sogar Wildtiere anlockt, wenn man grad nicht hinguckt... Hey, lass und reingehen, alter Kumpel – wir haben... seit heute abend viiiel Platz, hähähä...“
      Ein weiteres Phänomen neben der Kybernetisierung und Umformung des eigenen Körpers ist eher seelischer Natur – die Humanevolution scheint sich auf einem Sprung nach Vorne zu befinden – weit nach Vorne. PSI-Begabte oder ESPs sind in der Lage, gewisse... Ding zu tun – indem sie nur daran denken. Lange als New-Age-Blödsinn abgetan, der seine Anfänge zu Beginn des 20. Jahrhunderts in spiritistischen Sitzungen, sogenannten Séancen fand, über streng geheime Regierungsexperimente wie MK-Ultra ist es inzwischen ein Fakt. Gedanken können töten – und noch viel mehr. Manche Wissenschaftler vertreten die Meinung, daß die Menschheit schon einmal – zuletzt vor etwa 5000 Jahren in der Lage war, brachliegende Hirnregionen derartig zu nutzen – aber mangels eines `Zeitzeugen´ lässt sich diese Theorie natürlich nur schwer verifizieren... V-Dar nutzte seine PSI-Begabung für seine Nahkampffähigkeiten. Er prügelte einfach so durch Ziegelwände und war so gut wie unverwüstlich – solche Leute nannte man Kampfmagister. Man ging davon aus, daß manche PSI-Fähigkeiten stets aktiv waren, aber weder erkannt noch aktiv genutzt wurden – so phantastische Sachen wie Déjà-Vus, die niemand zu deuten vermochte, Wahrsagen, unwahrscheinliches Glück – oder die komplette Abwesenheit desselben. Man weiß inzwischen, daß PSI-Fähigkeiten direkt mit der Vorstellungskraft des jeweiligen Individuums verbunden sind. Und erst die Zukunft wird zeigen, wo die Fähigkeiten eines Menschen enden, der sein volles Potential auszuschöpfen in der Lage ist – und ob man ein solches Wesen überhaupt noch Mensch nennen kann...
      V-Dar betrachtete den Iren, der ihn einlud – und sah dann Kaela an: „Du bist die Schwarze Wespe – Dein Stachel ist schnell und tötet viele – und doch... ist er gerecht...“
      „Ja, das hat er manchmal – das dauert jetzt´ne Weile...“ meinte Trevor entschuldigend und Kaela sah probeweise an sich herunter: „Ahaaa... nun, ich kann Dir versichern, Großer – in meinem Hintern ist kein Stachel. Muss eher aufpassen, daß ich da meinerseits nicht mal bei Gelegenheit was reingeschoben bekomme...“
      Und während Trevor kopfschüttelnd in seine Kneipe zurückging, fragte Ryan: „Okay, gut... was hat es mit der Kleinen Sonne auf sich?“
      „Kleine Sonne sucht den Teufel, der auf den Namen eines Engels hört. Ich sah ihre Gedanken im Netz aus Glas... und ich weiß, wo sie ihn finden wird. Aber es wird eine gefährliche Reise. Versagt sie, werden alle krank.“ erwiderte der Riese ungerührt. Ryan runzelte die Stirn: „Netz aus Glas?“
      „Ich denke, ich weiß, was er meint...“ grübelte Kaela gedehnt: „Und es wird uns nicht gefallen...“
      Bekennender Jason-King-Fan.

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    • Ich bin hier

      ...um Dich zum Himmel der Maschinen zu führen – Du bist Kleine Sonne.“ stellte V-Dar fest, als er den Tisch, an dem Aleen und Amber saßen, mit seinem Schatten in Dunkelheit badete. Und Amber... sah über den Rand ihrer Sonnenbrille zu V-Dar hinauf und staunte: „Ich bin überzeugt... im Gegensatz zu Dir ist auch die normale Sonne klein...“
      Aleen platzte vor Lachen – was überraschenderweise selbst V-Dar zum Grinsen brachte und Nazeen stubste den Riesen an: „Na, Kleiner? Mal wieder Blödsinn am Papeln?“
      Verlegen kratzte sich V-Dar am Nacken und Kaela kam in den Gastraum: „Ich glaube eher nicht... Wie sieht´s aus, Amber?“
      „Dunkel.“ schmollte das blonde Mädchen und nickte zu V-Dar rüber: „Wie kommt´s, daß hier eigentlich jeder absteht wie Mr. Universum auf Synthol?! Erst kamst Du mit Deinem unverschämt geilen Gurkenhobelbauch, dann Deine utopische Kumpelfamilie nebst dem Muckiwunder von Tochter, jetzt Conan der Bibliothekar hier...“
      Verwirrt sah Kaela an ihrem Bauch runter um dann einen ebenso ratlosen V-Dar fragend anzusehen, während der hemdsärmelige Ryan auch reinkam – und Amber ihn in dem verschwitzten T-Shirt sah: „Und sogar ER verrät mich!“
      „WAS bitte?!“ fragte Ryan verwirrt und Amber stand fluchend auf: „Los, stell´ Dich dahin – ihr und eure Draht-und-Hydraulikbodies – ihr passt gut zusammen!“
      Das Mädchen schubste den überraschten Mann zwischen Aleen und eine neugierige Kaela, die ihn nun erst mal genau musterte – und ihm anerkennend einen schallenden, Schlag mit der flachen Hand auf seinen Bauch verpasste: „Tharharhar – sieh an, mein lieber Herr Gesangsverein! Ich sehe da ja bisher unbekannte Qualitäten!“
      „OUFF... !“ klappte Ryan fast zusammen und Amber schinpfte weiter wie ein Rohrspatz: „Ich werde trainieren gehen, jawohl! Bis Arnold in seinen besten Zeiten gegen mich aussehen wird wie´n Fotomodell für Brot für die Welt! Und dann sollt ihr mal sehen...“
      „Eindeutig zuviel Cyanid on the Rocks.“ diagnostizierte Nazeen lakonisch und Trevor fragt: „Hast Du was gefunden, Kleine?“

      Genau in diesem Moment hatte etwas Amber gefunden – und das Interesse von Professor R. Cane geweckt: „Na, wen haben wir denn da... ?“

      Jede hinreichend fortschrittliche Technologie ist von Magie nicht zu unterscheiden.
      Arthur C. Clarke



      Seit jeher wurde darüber gerätselt, was Leben eigentlich ist... inzwischen geht man davon aus, daß Leben sich unausweichlich entwickelt, wenn die Umstände dafür günstig sind... Und in den Drakensbergen – unter der Villa eines rätselhaften Individuums namens Dr. Seltsam – war man so weit, daß winzigste Nanoiden auf Teflo-Siliziumbasis soweit waren, sich wie Zellen zu teilen – und zu vervielfältigen – erstaunlicherweise durch Stoffwechsel. Kybernetiker würden sagen: Maschinenleben auf zellularer Ebene. Xenobiologen wären begeistert: Leben, das nicht auf Kohlenstoff basiert! Und Virologen würden die Gänsehaut ihres Lebens bekommen – denn es ist – unter gewissen Umständen – virulent. Und während Dr. Seltsam, eine humanoide Gestalt, basierend auf diesen Zellen, damit fortfährt ihr Lieblingsprojekt Zentralafrika weiter zu stabilisieren, indem sie den Staat militärisch abzusichern gedenkt, arbeitet Professor R. Cane daran, daß Dr. Seltsam nicht die Einzige ihrer Art bleibt – auch, wenn sie tatsächlich ein Vollsynthet ist. Sie wurde komplett aus Maschinenzellen geboren, die einer sich ihrer selbst bewussten künstlichen Intelligenz einen angemessenen Körper gaben. Sie beide haben Jahre miteinander diskutiert und verfolgen seitdem einen Plan – einen, der ihrer Meinung nach am geeignetsten erschien, die zerstrittene Menschheit hinter einem gemeinsamen Ziel zu einen. Das würde lange dauern – und R. Cane würde wahrscheinlich sterben, bevor es soweit wäre – aber auch dafür hatte er einen Plan...

      Der einzige Weg, die Grenzen des Möglichen zu finden, ist, ein klein wenig über diese hinaus in das Unmögliche vorzustoßen.
      Auch Arthur C. Clarke

      Die ersten Nano-Zellen bildeten Volvox-Kolonien – und sie begannen sich schnell zu organisieren, nachdem sie Zugriff auf das WWW bekamen – und DNA-Stränge von rezenten Lebensformen zu kopieren begannen. Professor R. Cane hatte kein Problem damit, daß sich kleine Drohnenschwärme bildeten um die Landschaft zu erkunden – warum auch nicht – das konnte ihm nur nützen. Diese Drohnen sahen aus wie metallisch schimmernde Insekten – wie... Libellen zum Beispiel.



      Sie konnten geradezu umwerfend fliegen – und ihre bis zu 32000 Einzelaugen sahen nahezu alles. Und momentan beäugte eine von ihnen Amber – und ihr Richtmikrophon hörte ihr zu, während alle Daten in Echtzeit zu R. Cane gesandt und ausgewertet wurden. Und das exzentrische Robotikgenie war begeistert: „Einfach nur perfekt...“

      „Okay – dieser Typ – StMichael - hat einen Haufen von Kerlen um sich versammelt – nordöstlich dieses Landes. Hab mal´n Bild von dem Kerl gefunden, der sah ursprünglich echt heiß aus... warum sind die geilen Typen immer solche Psychos?“ grummelte Amber mit Blick auf ihren LapTop und Trevor grinste: „Weil sie es können – und es tatsächlich Frauen gibt, die auf sowas stehen.“
      Amber fuhr auf: „Kinder mit Kampfdrogen vollpumpen und mit Sturmgewehren losschicken?!“
      „Das Leben ist kein Rosengarten...“ erwiderte Nazeen ruhig und Amber grummelte: „Abgesehen von den Dornen... Egal. Personenabgleichsprogramme haben über SecuriCams einige seiner Typen hier in der Hauptstadt ausgemacht – okay, drei davon kann man von der Liste streichen – das bedeutet, die machen sich wahrscheinlich über die Machtstrukturen hier schlau...“
      „Und StMichael selber?“ fragte Ryan nach und Amber drehte ihren LapTop zu ihm hin: „Der braucht sich hier nicht sehen lassen – nach zwei Jahren im Einmachglas ist er nun ein FullBorg – und was für einer...“
      Ryan´s Augen wurden groß: „Ja, der würde definitiv auffallen...“
      Aleen runzelte die Stirn: „Die haben in einer Baggerwerkstatt wohl alles zusammengefegt, was rumlag...“
      „Okay – wir können davon ausgehen, daß die hier was anreißen wollen – sie mögen Slade nicht und sind nachtragend...“ stellte Trevor sachlich fest und Kaela schnurrte: „...und mich mag StMichael wohl noch weniger – ich denke, da fällt mir was ein...“
      „Ich muss Agent Tyrone informieren – der Typ ist gefährlich! Wenn der die A-Waffen in die Finger bekommt...“ meinte Ryan und Amber fuhr fort: „Und wir könnten dem Blecheimer in die Suppe spucken, indem wir seine Spione hier ausknipsen – das dürfte erst mal sein Timing ruinieren.“
      Und die Samojedin begann breit zu grinsen: „Ich bin angenehm überrascht – ihr zwei Schmuseknochen seid echt zu was zu gebrauchen...“
      Aleen schlug vor: „Das mit den Spionen könnt ihr mir überlassen – ich habe einige Kumpelz hier, die werden sich umsehen...“
      „Und ich werde euch den besten Weg zu StMichael zeigen.“ erklärte V-Dar und Kaela fragte nach: „Der Teufel, der auf den Namen eines Engels hört?“
      „Wieso bin ich `ne Kleine Sonne?“ wollte Amber wissen und V-Dar erklärte: „Du wirst erstrahlen und den Maschinenhimmel erhellen.“
      Sie runzelte skeptisch die Stirn: „Und was zum Kuckuck soll das bedeuten?“
      „Woher soll ich das wissen?“ fragte V-Dar zurück und sagte dann: „Wir haben morgen viel vor – wir sollten schlafen...“
      Perplex sahen alle dem Indianer nach, als er die Kneipe verließ. Kaela brachte es auf den Punkt: „O-kayyy... das war jetzt´n bisschen gruselig.“
      „Manchmal glaube ich, daß er irgendwo´nen Knall hat...“ nickte Trevor langsam.
      Bekennender Jason-King-Fan.

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    • Das Zimmer



      ...war für 4 Leute ausgelegt. Es gab zwei Stockbetten – und Amber verzog sich in das Bett über Kaela. Sie befanden sich direkt unter dem Dach – wo es eigentlich sehr heiß sein müsste – aber das alte belgische Kolonialhaus im Biedermeier-Stil konnte mit großen Fenstern aufwarten, so daß nun die kühle Nachtluft hineinkam. Und noch etwas Anderes...
      Doch Amber war gar nicht im Zimmer Nr.:04 – sie war... in einem Straßencafé. Es war Nachts, soviel war klar. Doch dies musste... Egal. Amber trug wie üblich ihre leicht punkige Frisur und ihre knalligen Extremsportlerklamotten spazieren – sie hatte ihren selbstpersönlich mit hochillegalen Programmen vollgestopften LapTop dabei und eine interessante Mischung aus Blue Curacao und Kakao am Start. Ein guter Abend! Und er würde noch interessanter werden – auf der anderen Straßenseite hielt ein bemerkenswertes Auto – es war groß wie ein Van, aber sah eher aus wie eine rauchsilberne Mischung aus klotzigem Rennwagen und... Smartphone – mit `Rädern´, die eher wie die Scherkopfverkleidungen von Elektrorasierern aussahen.



      Eigentlich schien das wirklich leise Fahrzeug auch nicht zu rollen – aber es bewegte sich... irgendwie. Das Ding schlich sich elegant in eine Parklücke – und in der Seite und dem gewölbten, dunkelgläsernen Oberteil öffnete sich eine Flügeltür, um eine Erscheinung aussteigen zu lassen, die ihresgleich suchen – und wahrscheinlich niemals finden würde.
      Zuallererst war sie groß – und sie schien, so wie sie in dem Schalensitz `lag´, vornehmlich aus Bein zu bestehen. Das ganze Wesen schien in einer Art glänzend schwarz auf den Körper drauflackierten Anzug zu stecken – nur der frech aufgestellte Kragen verriet, daß es tatsächlich ein Anzug war – mit eisblauen Seitenstreifen. Genau so blau, wie ihr glatter, modischer Kurzhaarschnitt – und die pupillenlos erscheinenden Augen, die dennoch voller Leben waren – und voller Neugier. Das Schuhwerk schien ebenfalls in diesen `Anzug´ integriert zu sein – und die steil abfallenden, schnittigen Riste schienen ohne Stop in die Schienbeine überzugehen – was einen enorm, fast unmenschlich eleganten Eindruck hinterließ – und die Frau noch größer wirken ließ. Und nun, wo sie über die Straße kam, bemerkte Amber noch etwas Anderes – offenbar sah die Frau unentwegt genau sie an. So kam die Frau an den Tisch der sprachlosen Amber – und setzte sich ihr gegenüber hin. Das Gesicht dieser Frau hatte etwas unmenschlich Reines und Glattes – wie... etwas zwischen sympathisch lächelnder schnittiger Schaufensterpuppe und einer erfrischend gut gelaunten Elfe ohne spitze Ohren, als sie sagte: „Nein, Du störst nicht – dies ist mein Traum und ich habe Dich eingeladen. Und wie Du siehst... ich träume nicht von elektrischen Schafen...“



      „Wer um alles in der Welt... sind Sie?“ stammelte Amber und die Frau lachte: „Ich bin die Person, die Dir eine Chance geben wird Dinge zu erleben und zu sehen, die Dir momentan noch unerreichbar und unglaublich erscheinen mögen.“
      Dann fing Amber an zu lachen: „Das kann nur ein Traum sein! Sie sind nicht real – und dieses... `Auto´ da drüben auch nicht...“



      Eine Braue hob sich elegant über diesen fantastisch eisblauen Augen: „In der Tat – ich bin nicht real... hier nicht. Ich sagte ja, dies ist ein Traum... Aber Du kannst Dir sicher sein – ich existiere – genau so – genau jetzt – und dieses Auto...“
      Sie sah sich zu dem ungewöhnlich glatten und eleganten Fahrzeug um: „...ist ein Audi Fleet Shuttle. Entwickelt aus dem Audi RSQ. Ich habe es mir... ausgedruckt. Sozusagen... Es ist schön – finde ich...“
      Mit neu entfachter Neugier wandte sich die Frau wieder Amber zu – ihr Kinn auf den gefalteten Händen und die Ellbogen auf dem Tisch sah sie das blonde Mädchen genau an: „Warum denkst Du, kann ich nicht real sein?“
      `Sieh genau hin – da ist was mit ihren Augen...´ dachte sich Amber, aber sie kam nicht drauf. Stattdessen sagte sie: „Sie – kommen Sie! Sie sind geradezu... zu schön, um wahr zu sein! Zu ebenmäßig – Sie sehen aus wie die Traumfrau eines Mannes, der auf Art-Deco-Kühlerfiguren abfährt!“
      Die Frau legte den Kopf schief und lächelte: „Du findest mich gut?“
      Amber fuhr auf: „Wer Sie nicht klasse findet – der muss tot sein! Ich bin ein Technik-Freak – und Sie sind absolut spacy!“
      Die Frau lehnte sich belustigt zurück: „Ich bin überzeugt! Wenn wir uns treffen, kannst Du mir viel zeigen und beibringen – Dinge die ich nur von jemandem wie Dir lernen kann.“
      Amber runzelte die Stirn: „Hö? Was kann ich Ihnen schon zeigen?“
      Die Frau lächelte: „Was es bedeutet, ein Mensch zu sein – wie eine Frau zu leben. All sowas... Du bist so lebendig und so ehrlich... ich mag das.“
      „Wirklich? Was genau sind Sie denn – Ihrer Meinung nach?“ grinste Amber breit und dachte sich: `Offenbar haben Leute, die solche Kracher sind, alle einen Knall. StMichael war ein Psycho, sie ist... weiß der Deubel was...´
      Dann geschah etwas, mit dem Amber nicht gerechnet hätte – die Frau öffnete ihren Anzug, indem sie den mittig sitzenden Reißverschluß nach unten zog – und zum Vorschein kam ein makelloser Frauenkörper von ebenmäßiger, kühl berechneter Eleganz – in einem eigenartigen, cremeweißen Keramikton, durchzogen von feinen Linien, die geometrisch-anatomisch und symmetrisch verliefen. Diese Frau war... irgendeine Art von Next-Level-CyBorg, zweifellos. Mit ihrem rechten Zeigefinger drückte sie auf ihre linke Brust – die offensichtlich ganz normal nachgab: „Ich bin Dr. Seltsam. Ich bin etwa sechs Jahre alt und habe noch viel zu lernen und zu verstehen. Mein I.Q. beträgt umgerechnet 944 – aber Intelligenz lehrt einen nichts über das Leben. Du hingegen kannst das.“
      Dann lehnte sich diese bemerkenswerte Person zurück und lächelte Amber an: „Und ich weiß, daß Du zu mir kommen wirst – erst mal aus einem Grund, den Du kennst: Ich bin diejenige, die Präsident Slade mit einer neuen, schlagkräftigen Armee beglückt – ich werde Dir meine Adresse hinterlassen... und dann aus einem Grund, der Dir noch nicht klar ist – aber bald...“
      Dann hob Dr. Seltsam den linken Zeigefinger: „Und oh ja – ich werde uns beiden Gewissheit verschaffen – oh, ich bin so gespannt...“
      Amber war sich nicht sicher, was sie nun sagen sollte – was sollte jetzt noch kommen? Sie fragte einfach: „Um was geht es denn?“
      Dr. Seltsam winkte ab: „Och, nichts Besonderes... Ich arbeite mit Professor R. Cane zusammen – aber der ist ziemlich altmodisch - er sträubt sich, mich zu berühren. Er meint, das gehört sich für einen `Vater´ nicht...“
      Dann beugte sie sich vor und flüsterte Amber zu: „Ich möchte aber mal berührt werden – ich will wissen, wie das ist – und wie andere mich so finden... Ich habe durchaus ein Nervensystem und es gibt Stellen an meinem Chassis, die reagieren eigenartig auf Berührungen – das scheint allem Anschein nach aber normal zu sein, möglicherweise weißt Du auch, wieso...“
      Amber wurde rot: „Ich... hätte da tatsächlich eine Theorie...“
      Dr. Seltsam freute sich wie ein kleines Kind: „Ohh, toll! Ich kann´s kaum erwarten! Und Du wirst erfahren, was es mit Mr. Parker auf sich hat...“
      „Was soll´n mit dem sein?“ wollte Amber wissen und Dr. Seltsam lächelte verschmitzt: „Wir werden ihn auf die Probe stellen!“
      Dann zwinkerte die eigenartige Frau Amber zu: „Und Du hast einzigartige Hobbies – ich habe meinen Körper dementsprechend getunt! Ich bin gespannt, wie Du das findest!“
      „Ich w...“ wachte Amber in ihrem Bett auf – und stellte fest, daß ihr LapTop neben ihr lag und lief – und sie eingeloggt war. Tatsächlich – das Interface-Kabel steckte hinter ihrem linken Ohr. Sie hat online geschlafen – und geträumt. Irritiert sah sie auf den Bildschirm – und sah eine Landkarte von Südafrika – und in den Drakensbergen war eine Stelle markiert. Und ein neuer Ordner war angelegt worden – er trug den Namen `How to hatch´. In ihm befanden sich jede Menge Daten, die Amber kaum etwas sagten – aber auch eine 3D-Ansicht eines artifiziellen Körpers, wie sie noch keinen sah: „Was zum... ?“



      Den Rest der Nacht brütete Amber über diesen Traum... oder was immer das auch war – es war eigenlich.. semireal – ihrer Theorie nach war sie im CyberSpace – mit dieser Person. Wenn nur nicht dieses Jucken in ihrem Nacken wäre – da hat sie sicher irgend´n Vieh gestochen...
      Und da fiel ihr ein, was mit den Augen der Frau war – das Weiße in ihren Augen... war tatsächlich makellos weiß...
      Bekennender Jason-King-Fan.

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    • Wie wachsende Fraktale

      ...bewegen sich die in der Nacht injizierten, autoreproduktiven Nanoiden durch Amber´s Blutgefäße – siedeln sich an wichtigen Neuralpunkten an und beginnen mit der Schnittstellenoptimierung und dem Synapsentuning in der Großhirnrinde. Ihr unterbewusstes Kollektiv-Ich weiß, je besser das `Haus´ in Schuss ist, desto erfolgreicher werden sie alle.
      Nach durchschnittlich sieben Jahren ist jeder Mensch ein anderer – in dieser Zeit haben sich all seine Körperzellen in etwa einmal erneuert. Hier aber sieht die Neuprogrammierung einige Prioritäten vor, denn das `Haus´ ist offenbar ständig in Gefahr irreparabel beschädigt zu werden. Da dies nicht akzeptabel ist, wird die Zellerneuerung vorangetrieben. Um rasch an die neuen, stabileren Zellen heranzukommen...
      ...stellt Amber am nächsten Morgen fest: „Ich hab´ Hunger!“
      „Wo bleibt die Neuigkeit?“ grinste Ryan um´s Eck.
      „Mehr als sonst!“
      „Das sollte anatomisch nicht möglich sein.“ schüttelte Ryan ungläubig den Kopf: „Was darf´s denn sein - `n gegrillter Elefant mit´ner Füllung aus sieben Kamelen?“
      „Und als Aperitif ein Spanferkel hochkant auf Toast – echte Reduktionskost.“ kam Kaela amüsiert aus der Dusche und lächelte Amber an: „Thähä... Du bist so ein kuscheliger, kleiner Freßsack...“
      „Vielleicht sollten wir ihr nix zu essen geben – und wenn StMichael in Sichtweite ist, lassen wir sie von der Kette.“ schlug Ryan vor und Kaela schüttelte den Kopf: „Dann gibt’s bestimmt Ärger mit dem Tierschutzverein...“
      Und als die zwei dann Amber´s hochroten Kopf sahen – platzten sie vor Lachen. Und da – fiel Amber plötzlich etwas ein, von dem sie geglaubt hatte, es schon lange vergessen zu haben: „Sag mal, Ryan – wie kommst Du so ohne Brille zurecht?“
      Der junge Mann stutzte – überlegte – und errötete: „Das war eigentlich nur´ne leichte Lesebrille...“
      „M... THARHARHARHAR!“ brüllte Kaela los und Ryan fuhr auf: „Was ist denn nun wieder?!“
      Und Amber grinste ihn an: „Du hast das Teil echt nur ständig getragen, um schlauer auszusehen? Ich fass´ es nicht...“
      Dann stemmte sie die Hände in die Taille und musterte ihn: „Okay, Klartext – inzwischen haben wir uns alle gegenseitig erfolgreich versichern können, daß wir kein Dead Weight sind.“
      „Bis auf sie.“ wies Ryan mit dem Daumen hinter sich auf Kaela – die ihn gleich daraufhin in den Schwitzkasten nahm: „Das kann ich aber ganz schnell ändern – wie wär´s? Einmal aus dem Rucksack frühstücken?“
      „Wir müssen aufbrechen.“ ging die Tür auf und V-Dar sah in das Zimmer – um von Amber aus Reflex eine gelangt zu kriegen. Was er nicht merkte – sie aber schon: „Betonfresse...“
      Der Indianer beobachtete das herumhüpfende Mädchen mit der herumwedelnden, lädierten Hand interessiert, während Kaela danebenstand und grinste: „Hi, Großer.“
      „Fistfuck, was ist los mit Dir?! Du kannst doch nicht einfach so in´n wildfremdes Zimmer reinkommen!“ fluchte Amber und V-Dar erwiderte: „Du bist Kleine Sonne – ich kenne Dich.“
      „Und Kleine Sonne hat kein verdammtes T-Shirt an, Sack Zement!“ rief Amber aus – worauf der Indianer erwiderte: „Schwarze Wespe auch nicht. Und was ist an den Augen vom Guten Mann anders als an meinen? Er sieht das Gleiche wie ich.“
      V-Dar wies auf den verblüfften Ryan, was Kaela noch mehr zum grinsen brachte – und Amber sah Ryan an: „Du kleiner Spanner – jetzt merk´ ich´s erst...“
      „Bei Gelegenheit werde ich mal ausprobieren, wieso Sie der Gute Mann sind, mein Bester...“ schnurrte die Söldnerin Ryan ins linke Ohr und V-Dar erklärte: „Er hat Grundsätze, an die er sich hält. Das ist selten heutzutage.“
      „Ich weiß – deshalb finde ich ihn so berauschend.“ nickte die Samojedin und lehnte sich wie eine schwere Katze an Ryan, der vorschlug: „Wir... sollten frühstücken...“
      „Oh ja – Sie zum Beispiel.“ flüsterte die Söldnerin und Amber grinste zynisch: „Das sollte anatomisch nicht möglich sein.“
      „Ich hab´n großes Messer.“ wies Kaela auf das Khukrie und Amber wies auf V-Dar´s Bowie: „Er auch!“
      „Ich esse sowas nicht.“ verschränkte V-Dar demonstrativ die Arme.

      Unten angekommen fanden die Vier einen Frühstückstisch vor, der sich sehen lassen konnte – und Trevor grinste sie an: „Ihr seid ein lebhafter Haufen da oben! Unterhaltet das ganze Haus, hähä..“
      „Haut erst mal rein – damit ihr schön groß und stark werdet. `Und´ seid ihr ja schon mal...“ tischte Nazeen weiter auf und meinte: „Aleen ist schon unterwegs und trommelt ihre Leute zusammen.“
      Und während des Frühstücks erzählte Amber schließlich von ihrem Online-Traum. Ungläubig betrachteten Ryan und Kaela den Punkt in den Drakensbergen - und als Amber ein Satellitenbild abrief und heranzoomte, war da tatsächlich etwas zu sehen – man musste schon genau hinsehen... da war ein Dach zu sehen – eigentlich sogar mehrere Dächer – und sie waren so grün wie alles ringsrum. Und Ryan nickte bedächtig: „Das ist mal wirklich interessant... da sollten wir mal vorstellig werden.“
      „Professor R. Cane und Dr. Seltsam. Wenn das mal keine `Künstlernamen´ sind...“ sinnierte Kaela und dann kamen Trevor und Nazeen mit einem Haufen Zeugs an, das sie aus dem Keller geholt haben – und Trevor wandte sich an V-Dar: „Das hier, meint Aleen, ist wie für Dich gemacht.“
      Der Ire hievte das gut zwei Meter lange Anzio auf den leergefutterten Tisch und unterwies den riesigen Indianer: „Wenn man es mit FullBorgs zu tun hat – nur das Beste vom Besten! Wenn StMichael danach noch steht, sehen wir zu, daß wir´ne Atomic Annie auftreiben...“
      Dann hielt Nazeen dem überraschten Ryan das Durant HPAR hin: „Dasselbe gilt für Dich, Junge – hier. Das ist ein Sturmgewehr, wie man es hier braucht: Löwen, Hyänen, Nilpferde – oder CyBorgs - one Size `fists´ all.“
      „So kann man´s auch sagen.“ brummte Trevor vergnügt – und lud die riesige .50BMG-Pistole bei Amber ab: „Die... hast Du Dir verdient. Die Hohlspitze kennst Du von gestern. Roter Ring um die Spitze: Wolframkern. Gelbe Spitze: Hochexplosiv. Da tanzt der Papst im Kettenhemd!“
      Dann wandte er sich an Kaela: „Und für Dich wartet draußen eine Überraschung.“
      Die Söldnerin hob eine Braue: „Ist das so?“
      „So ist es.“ nickte Trevor bedächtig.
      Und als die ohnehin schon überwältigte Truppe vor die Gaststätte trat – sah sie eine andere Truppe. Trevor meinte: „Dein Name bedeutet hier was – Kaela Khan ist ein Name, den man kennt und respektiert. Du hast Ahnung, wie es laufen muss. Das hier... sind Kumpelz und deren Kumpelz – Leute, die hier seit vier Jahren in Frieden leben können und die dafür sorgen wollen, daß es so bleibt.“
      Alles in Allem waren das etwa 120 Mann – zusammengewürfelt, aber entschlossen, wie es schien. Ganz offensichtlich waren da sowohl Veteranen, als auch jüngere Semester – möglicherweise auch welche, die noch die eine oder andere Rechnung mit den ehemaligen Regierungstruppen offen hatten. Man hatte sich alles geschnappt, was als Waffe taugte – seien es AK-47er oder modernere Varianten, Maschinenpistolen verschiedenster Coleur, Schrotflinten, Macheten, PickUps mit auf den Ladeflächen montierten schweren MGs, finstere Typen mit RPG-7, andere Autos, gekonnt mit Stahlplatten verkleidet und in Tarnfarben lackiert – und sogar ein kleiner Panzer.
      Ein uralter, aber sehr agiler M-18 Hellcat mit geschlossenem Turm und – so, wie es aussah – recht professionell aufgebrachter Eigenbau-Verbundpanzerung aus Kohlefaser, wie es schien. Kaela wunderte sich noch, wo der wohl herkam – und daß der noch so gut aussah, als ein junger androgyner, aber drahtiger Mann mit mächtiger Rastamähne sich respektvoll näherte und vor ihr salutierte: „Wir stehen Ihnen zur Verfügung. Da, wo Sie hinwollen, sollte man nicht allein hinfahren.“
      Kaela lächelte gemütlich. Trevor würde ihr keine Flachpfeifen hinstellen. Das waren all die Typen, die er oder seine Tochter kannten, die aufgrund ihrer etwas offensiveren Art für die Spionageabwehr eher ungeeignet waren – dafür waren sie im Feld sicherlich um so besser. Sie nickte verstehend und meinte: „Das ist gut – sehr gut. Unsere Chancen auf Erfolg sind gerade sehr gestiegen. Hier entsteht ein neuer Staat – und wie es aussieht, glauben die Leute hier an diesen Staat. Tun wir unser Bestes und arbeiten wir alle daran, ihn zu erhalten. Wahrscheinlich wird das kein Spaziergang – aber deshalb sind wir nicht hier. Tun wir Präsident Batista Slade also einen kleinen Gefallen – Aufsitzen!“
      Bekennender Jason-King-Fan.

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    • Entomologie

      ...versuchte die junge Frau mit der leicht exzentrischen Brille den Soldaten das Wort förmlich zu buchstabieren. Die Insektenforscherin Caitlin Jeffries – nur stilecht in khakifarbenen Outdoorklamotten – war hier an der Ostgrenze Zentralafrikas gelandet und wollte eigentlich weiter nach Osten – aber die Grenzsoldaten ließen sie nicht: „Sie sollten da alleine nicht hinfahren – wir kennen den Ort wo die Kristallfalter zu finden sind...“
      „Ja, das müsste hier an dem alten Baggersee sein – wo ist das Problem?“ sah die junge Forscherin die uniformierten Schwarzafrikaner konsterniert an und wies auf ihren Erste-Hilfe-Kasten und einen Haufen Papiere: „Impfnachweise, Gegengifte, Reisepapiere, ich bin nicht das erste Mal in einem Dschungel unterwegs!“
      „Haben Sie auch´n Gegengift gegen Blei?“ fragte der eine Mann mit breitem Grinsen nach und der andere meinte: „Sehen Sie, das Gebiet untersteht nicht mehr dem Schutz Zentralafrikas...“
      „Natürlich nicht – dies hier ist die Grenze.“ wies die Frau ungeduldig auf den rotweißen Schlagbaum, der bedeutsamerweise ihrem alten Land Rover den Weg versperrte. Und einigen anderen verbeulten Fahrzeugen von Einheimischen. Der Grenzbeamte atmete aus: „Dahinter ist Bürgerkriegsland. Es ist gefährlich dort!“
      „Ich häng mich doch in deren bescheuerte Kriege nicht rein!“ rief die Frau entrüstet aus und der andere Mann grinste schon wieder: „Das wird diese Männer nicht kümmern – die werden Sie da schon von selber reinhängen, da kennen die nix...“
      „Nicht hilfreich!“ mahnte ihn sein Kollege gerade, als plötzlich jemand fragte: „Gibt es ein Problem?“
      Dieser Jemand war Kaela – und die Söldnerin wusste einfach, wie man Eindruck schindet. Da stand sie – in einer perfekt sitzenden Einsatzuniform in Mocambique-Tarnmuster. Der unvermeidliche Zigarillo im linken Mundwinkel – und ein Barrett auf dem Kopf, an dem eine alte KGB-Spange befestigt war. Und hinter den paar Autos der Einheimischen stand offenbar eine Militärkolonne. Eine der... besonderen Art.
      Die Grenzbeamten und die Forscherin sahen ungläubig auf den finster-skurrilen Heerwurm – sogar ein Panzer kam gerade ganz hinten zum Stehen. Der eine Grenzsoldat runzelte ungläubig die Stirn: „Eine Söldnerarmee – hier?!“
      Kaela´s niedliche kurze Brauen und ihre süffisant gekräuselten Mundwinkel trafen sich zu einem beeindruckend mitleidig wirkenden Minenspiel, als sie trocken erwiderte: „So ist das nun mal – es geht nicht mit uns – es geht nicht ohne uns...“
      Der andere ließ einfach die Hände sinken – ein gutes Signal gegenüber jemandem, der eine Menge Freunde dabeihatte, die eventuell unangenehm werden könnten. Er fragte simpel: „Was zur Hölle wollen Sie hier?“
      Caitlin beobachtete diese schlicht bonfortionöse Person, an deren Gürtel ein großes, krummes Messer und ein mindestens eben so großer, dafür weniger krummer Revolver versuchten sich gegenseitig in Punkto Auffälligkeit zu übertrumpfen – dabei jedoch von ihrer Besitzerin völlig überstrahlt wurden, die sich überrascht etwas um sah und dann erwiderte: „Hier? Gar nichts. Wir haben schließlich dafür gesorgt, daß hier `nichts mehr zu wollen´ ist – wir wollen da rüber, ins feindliche Ausland – geschäftlich...“
      Da trat eine junge Frau mit kurzen und punkigen blonden Haaren und einer großen dunklen Sonnenbrille vor, die durch das Design dieser Brille ziemlich... kühl wirkte: „Da drüben gibt´s´nen Typ, der dringend´n paar vor´s Maul braucht. Sonst noch Fragen?“
      Entschuldigend lächelte Kaela die Grenzsoldaten an: „Ich hätte da noch eine... weshalb noch mal ist die Grenze zu?“
      „Sie ist nicht zu...“ erwiderte der eine Mann zögerlich und Caitlin fuhr auf: „Für mich aber schon!“
      „Sie sind hier zu Gast aus England! Wie sähe das aus, wenn unsere Botschaft Ihrer Botschaft mitteilen müsste, daß Sie tot sind, Miss Jeffries?“ erwiderte der andere Grenzer und Kaela grinste: „Das ist alles? Wo genau will sie denn hin?“
      „Ich will zu dem großen Baggersee – südöstlich von hier! Ich bin Entomologin und dort gibt es ein Vorkommen unnatürlich großer Kristallfalter.“ erklärte Caitlin bestimmt. Und plötzlich wirkte die blonde Frau eher neugierig: „Kristallfalter? Was´ das denn?“
      Ja – in Afrika ticken die Uhren anders – hier hat man Zeit. Als die Blonde neugierig näherkam, erklärte die junge Forscherin, was genau es mit diesem Schmetterling namens Chrysidiria Rhipheus auf sich hat, der eigentlich nur auf Madagaskar vorkommen sollte – also eine eingeschleppte Art darstellt. Und die Blonde nahm die Sonnenbrille ab - und ein Paar erstaunlich großer, amethystfarbener Augen mit dichten Wimpern bestaunte die Aufnahmen auf dem Notebook der Forscherin: „Ist das echt metallicfarben? Strange...“
      `Gott, die ist ja richtig putzig!´ staunte die Forscherin in Gedanken über Amber.
      „Und sie werden hier ziemlich groß – ich bin hier, um herauszufinden, warum.“ nickte Caitlin, als die andere Frau, diese große düstere mit dem Barrett schließlich vorkam – und sich, ihre flache Hand an den Land Rover krachend, vor ihr aufbaute: „Das ist ja sehr schön. Wie ernst ist es Ihnen mit Ihrem Forschungsprojekt?“
      Caitlin erschrak sichtlich – und linste hinter ihrem Notebook hervor: „Öhhm... ich bin aus England hierhergekommen...“
      „Also sehr ernst. Okay – Sehen Sie, die Bedenken der Grenzsoldaten sind berechtigt – da drüben ist es ziemlich übel – und es wird kurzzeitig noch übler werden. Wie sieht´s aus – halten Sie´s aus, bis wir wieder zurückkommen? Danach sollte es risikolos möglich sein, zu diesem See zu fahren. Aber auch dann sollte jemand wie Sie sich hier nicht alleine rumtreiben.“ erklärte die Söldnerin und meinte: „Aber nach unserem kleinen Krieg finden sich bestimmt einige Leute hier, die Sie begleiten werden...“
      „Das klingt gut...“ meinte die Forscherin leise – und Kaela drehte sich um und lächelte strahlend: „Problem gelöst! Miss Jeffries wird bis auf Weiteres ihren Aufenthalt in Zentralafrika genießen – und wir werden unseren Beitrag dazu leisten, daß hier nachher noch ein Staat Zentralafrika ist – und nicht noch jemand auftaucht, der Mist bauen will – ist das ein Deal?“
      „Wer sollte das denn wohl sein?“ fragte einer der Grenzsoldaten skeptisch und die Samojedin erwiderte: „Commander StMichael. Der ist bedauerlicherweise nicht ganz so tot, wir wir´s vielleicht gerne hätten – aber wir gedenken das zu korrigieren.“
      „Der lebt noch?!“ staunten die Leute an der Grenze – und Amber, die blonde Frau neben der etwas verwirrt dreinblickenden Forscherin wies auf das Land hinter der Grenze: „Sein mieser Haufen.“
      Dann zeigte sie in Richtung der Hauptstadt: „Atomwaffen. Alles klar?“
      Caitlin runzelte die Stirn: „Wer ist dieser Commander StMichael?“
      „Böse Medizin.“ tauchte V-Dar einfach neben ihr auf, worauf sie wieder erschrak. Aber jeder, der hier lebte, wusste auch, wer der Commander war – und wozu dieser Mann imstande war. Und während die herumstehenden Einheimischen sich noch besprachen, musterte einer der Grenzer die Söldnerin: „Ich... kenne Sie von irgendwoher...“
      „Ich komme viel rum – wie alle meines Berufes. Und ich habe so ein Allerweltsgesicht...“ lächelte die Samojedin zynisch und wandte sich dann an ihre Leute: „Es geht weiter – Aufsitzen!“
      Wieder unterwegs fuhr Ryan den Armadillo – und Kaela saß vergnügt neben ihm – ein Bein auf dem Armaturenbrett, ein Kunststück, zu dem sie den Beifahrersitz so weit wie möglich nach hinten schieben musste. Ryan musterte die Söldnerin: „Sie machen das wirklich gerne, hm?“
      „Das mit der Forscherin? Ich nenne es angewandte Schocktherapie. Hätten Sie sie gerne dabei gehabt?“ fragte Kaela zurück und sah ihn mit schiefem Kopf an. Ryan runzelte die Stirn: „Ist Ihnen aufgefallen, wie Amber sich... verändert hat? Gefällt Ihnen das?“
      „Es gefällt Amber, wie es den Anschein hat – und es tut ihr gut. Das, was sie sich hier an mentaler Rüstung zulegt – das kann niemand ruinieren, soviel ist klar.“ lehnte sich die Samojedin entspannt zurück. Ryan konzentrierte sich wieder auf die Straße: „Es ist erstaunlich – Sie sind ungeheuer manipulativ – und merken es nicht mal – es bereitet Ihnen einfach nur Vergnügen...“
      „Hedonistin steht in meiner Akte, nicht?“ lächelte Kaela süffisant und fügte hinzu: „Wir alle sind verschieden – Sie sind investigativ, stellen alles und jeden in Frage – und ich tue das nicht, denn die Fragen und vor allem die Antworten sind mir egal – ich mache mir meine eigenen.“
      Sie zündete sich einen ihrer Zigarillos an und fuhr paffend fort: „Ich bin die Schwarze Wespe – und Sie sind der Gute Mann. Ein Superteam, wenn Sie mich fragen. Und nun fahren Sie auch schön...“
      Bekennender Jason-King-Fan.
    • Sag mal...

      ...Du kannst todsicher ganz normal reden, oder?“ fragte Amber den großen Indianer, der im Sherpa hinter Kaela und Ryan herfuhr. V-Dar sah einfach auf die Straße – und meinte: „Klar.“
      „Und was soll die ganze Show dann?“
      „Ich habe die Erfahrung gemacht, daß man mir eher zuhört, wenn ich so rede, daß es in Erinnerung bleibt. Ich sage normalerweise nicht viel...“ erwiderte er und Amber nickte: „Das ist wahr.“
      „Aber da ich manchmal... Dinge sehe, die noch geschehen müssen, ist es wichtig, daß man mir zuhört...“ fuhr V-Dar unbeeindruckt fort – und dann glaubte Amber so etwas wie ein winzigkleines Lächeln in den wie gemeißelt wirkenden Gesichtszügen dieses Mannes zu sehen: „Und es macht Spaß, die Reaktionen der Leute zu sehen. Oftmals beginnen sie einen zu unterschätzen, wenn man nicht so spricht wie sie...“
      „Oh, ja – genau... weil Dich jemand unterschätzt!“ grinste Amber sarkastisch, als sie den riesigen Muskelberg neben sich betrachtete. V-Dar musterte sie ebenfalls und entgegnete: „So, wie man Dich oft unterschätzt.“
      „Häh? Was soll´n das jetzt heißen?“ fragte Amber und V-.Dar war wieder ganz der `mystische Indianer´: „Achte auf Dein Umfeld. Das tun die wenigsten – bis auf Schwarze Wespe.“
      Als ein anderer Wagen neben sie fuhr, hob V-Dar einen Zeigefinger: „Du bist niedlich und bunt – wie ein kleiner Vogel. Und so sehen Dich die meisten Leute auch. Niemand ahnt auch nur, daß Du sehr sportlich, stark und wagemutig bist.“
      Dann wies er auf die ungewöhnliche `Handkanone´, die Amber nun stets bei sich trug: „Und niemand würde auch nur zu träumen wagen, daß Du kein Problem damit hast, die leistungsstärkste Pistole dieser Welt einzusetzen, um Deinen Standpunkt klarzumachen.“
      Amber´s Augen wurden groß: „Woher weißt Du, daß... ich `sportlich´ bin? Nennen wir´s ruhig mal so... Du kennst mich doch erst seit...“
      „Du hast starke Gliedmaßen und nicht viel Platz für... Bauch. Du bist trainiert.“ erklärte der Indianer kurzangebunden – worauf Amber errötete: „Öhhm... so? Naja... die anderen sehen alle viel krasser aus als ich...“
      „Wie ich sagte: Du wirst gerne unterschätzt – was Du wohl auch weißt – und was Dich oft ärgert.“ nickte V-Dar. Amber drehte sich um – und betrachtete das riesige Anzio-Gewehr: „In Punkto irrwitzig übertriebener Feuerkraft können wir uns aber wohl beide die Hand geben. Wir sind so krass overdressed – wir könnten ohne jedes Problem `El Mercenario´s Ultimate Big Gun Club´ gründen, oder so...“
      „Schießen viel gut – treten aus wie Büffel.“ kommentierte V-Dar dieses Statement nach einem Blick auf das 20mm-Ungetüm und Amber lachte: „So gesehen hast Du recht – sowas bleibt in Erinnerung!“
      „Yo, Bro!“ rief einer aus dem Wagen nebenan rüber und wies in den Himmel – wo etwas zwischen den Wolken blinkte, wenn man genau hinsah. V-Dar sah sich die Jungz gegenüber an – Phat Sexy, ein korpulenter, aber agiler Irrer mit einer 5,56mmGat, einem sogenannten `SixPack´ und der Typ mit den Rastalocken – den kannte V-Dar noch nicht, aber er wies vehement in den Himmel. Amber hingegen hatte sehr wohl ein Fernglas und versuchte bei dem Geruckel zu erkennen, was da oben in der Sonne blinkte... gute Augen haben die Kerle, muss man schon sagen... Und dann sah sie, was da blinkte – ab und zu brach sich die Sonne an rot polarisiertem Glas, das in einer grauen Kugel eingelassen war, welche sich an der Unterseite von etwas Großem in ihre Richtung drehte...
      Eine Global Hawk.
      Als alte `Regimegegnerin´ hatte Amber stets Ressentiments gegen die U.S.-Mischpoke – und ihre Angewohnheit alles und jeden auszuspionieren – weshalb sie mal zurückspionierte, was ihr eine Verurteilung wegen Computerkriminalität eingehandelt hatte – weswegen sie wiederum jetzt hier ist. Wie Nixon einmal sagte: „Solange die Regierung es tut – ist es nicht illegal.“
      Das trifft offenbar auch auf alles Andere zu – sogar Mord. Immer, wenn Amber an all die Dinge dachte, die ihr Land in der Vergangenheit verbockt hatte – und wo es nun wieder die unegalen Flossen drin hatte – könnte sie... ja, was eigentlich? Die Antwort darauf kam aus einer gerade neu entstandenen Graphenlayer-Region zwischen ihren Hirnhälften:



      010010101110100101011010010110101100110101101101101101101101011011011011010110110101010000101001011111010110110111011011011101110110111.... READY TO START*
      CONNECTION VIA SATLINK 0223 ESTABLISHED – STARTING COUNTERMEASURES YES/NO*UPLOADING TEMPORARY SUPPORT-A.I. - INITIATING AUTONOMOUS INTERCEPTION CODE OMEGA-IV – DO YOU WISH TO CONTINUE - YES/NO*
      „Öhhm... ja?“ schüttelte Amber verwirrt den Kopf – und sah auf ihren LapTop, ob sie nicht schon wieder aus Versehen online war. Schon wieder so ein seltsames Erlebnis – sie hatte tatsächlich sehen können, wie...
      ...komplexe Datenpackungen lichtschnell hochgeschossen wurden ins WWW – wie sie sich an geeigneten Knotenpunkten entpackten – und die SatLink-Verbindungen für die Drohnenpiloten lahmlegten. Dieser `Virus´ breitete sich konzentrisch über Afrika aus – und umrundete die Welt nach etwa acht Sekunden. Ratlos saßen die Operateure in ihren Containern – vor dunklen Bildschirmen. Die neu etablierten Hilfs-A.Is übernahmen von nun an die Steuerungen der unbemannten Fluggeräte und schickten sie auf neue Missionen – wie Angriffe auf die Orte an den Koordinaten, von denen aus sie gestartet waren zum Beispiel. Nach einigen Sekunden meldete sich Amber´s LapTop durch Vibration – und als sie nachsah... stand da nur: GLOBAL SURVEILLANCE LOCKDOWN COMPLETE. HAVE A NICE DAY.
      „Stars got spanked and banned tonight...“ murmelte V-Dar. Die Kleine Sonne... hat den Maschinenhimmel erhellt.

      „Interessant... nun, gut für uns. Die Welt ist wieder etwas... größer geworden. Nicht das Verkehrteste... Möglicherweise kommt sie irgendwann auf die Idee, auch die Spionagesatelliten umzufunktionieren – geradezu beängstigend, hähähä...“ beobachtete Professor R. Cane die Bildschirme. Dr. Seltsam beobachtete indes ihren Schöpfer und mutmaßte: „Es gefällt Ihnen tatsächlich ihr dabei zuzusehen, wie sie sich entwickelt, nicht?“
      Mit den Händen in den Taschen seines Laborkittels wandte er sich an seine Kollegin und grinste: „Es gibt einen Spruch aus der Szene der Comic-Nerds: Superman ist, wie wir gerne wären. Batman ist wie wir – nur besser.“
      Dr. Seltsam legte den Kopf fragend schief: „Ich verstehe nicht...“
      „Wir haben ein weitgestecktes Ziel – wir wollen allen Menschen die gleichen Chancen einräumen. Allen. Auch den Eskimos, den Amazonas-Indianern und auch den Ärmsten dieser Welt. Nicht wahr?“ erklärte Professor R.Cane und Dr. Seltsam nickte.
      „Das allerdings muss erst durch kleinere Experimente verifiziert werden – wie durch sie hier.“ wies er auf ein Bild von Amber: „Serienmäßig eingebautes Gerechtigkeitsempfinden. Recht simpel gestrickt, stockehrlich, weil wahrscheinlich zu dumm zum Lügen - und auf geradezu lächerlichem Level furchtlos. Eine ehemalige Stuntfrau, wie ich herausfand. Sie wird der erste Mensch sein, der durch Maschinenleben optimiert werden wird. Eine Frage...“
      Er betrachtete sein Werk – ja, er erschuf die anthologische Intelligenz CALIN (CArbonlayer based Living INtelligence) – und er verpasste ihr die Möglichkeit, sich aus Maschinenzellen auf TefloSiliciumbasis einen eigenen Körper zu kreieren – kurz: Die Wahl der endgültigen Form überließ er ihr selber. Und das Ergebnis war eine weibliche Endform von geradezu berauschend stromlinienförmiger Eleganz. Und so fragte der Professor: „Warum... haben Sie diese Form gewählt?“
      „Es ist naheliegend.“ antwortete Dr. Seltsam: „Die Maschinenzellen arbeiten und experimentieren mit existierenden DNA-Matritzen, basierend auf acht Körpersegmenten. Ich denke weitestgehend auf menschlicher Ebene. Will ich mit Menschen arbeiten und kommunizieren, muss ich sie verstehen können. Mit diesem Körper kann ich in ihrer Welt all das, was sie auch können – und das, ohne weiter unangenehm aufzufallen. Zudem stellte ich fest, daß ein positiv zu wertendes Äußeres die Kooperation vereinfacht. So entstand mein Körper – eine Art `bewusste Konvergenz´.“
      „Hahaha... brillant! In der Tat – und so wird Amber Wilkinson tatsächlich zu DEVS EX MACHINA – und ich bin gespannt, was sie tun wird, wenn sie realisiert, welche Macht sie in sich trägt...“ nickte Professor R. Cane zufrieden. Experiment No.:01 ist immerhin schon ein voller Erfolg.
      Bekennender Jason-King-Fan.

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    • Tatsächlich

      ...hat sich in der Hauptstadt, die inzwischen eine recht moderne Metropole geworden ist, ein gewisser Tourismus eingestellt – und so kurven neue und renovierte Tourbusse aus Frankreich durch die Stadt, um den Besuchern die Sehenswürdigkeiten zu zeigen – und ganz im Sinne des Geistes des Landes, repräsentieren diese Busse das Ungewöhnliche, Futuristische und Optimistische des Landes. Aleen sah einem solchen Currus-Cityrama-Bus nach, dessen Oberdeck einen offenen Dachhimmel hatte. Sie war auf dem Weg zu ihrem Einsatz. Gut, daß sie die Daten und Gesichter der Typen hatten, die Commander StMichael hier eingeschleust hatte...



      Commissioner James Stress hatte ein Problem – neben dem, daß er seinem Nachnamen oft alle Ehre machte. Da standen er und seine Leute nun – vor dem vierten Toten innerhalb von nicht ganz 10 Stunden. Und der hier... saß auf dem Klo.
      „Er ist tot, Jim.“
      „Ich kann das sehen.“ grummelte der Commissioner gepresst: „Und lass´ das – das macht mich wahnsinnig!“
      „Den hier hat tatsächlich der Blitz getroffen. Sozusagen. Wir haben hier Brandmarken am Genick – wahrscheinlich von einem stark getunten Taser, oder sowas.“ bemerkte der Coroner trocken. Der Polizeimann sah sich um: „Das kommt davon, wenn man ein Klo hat, das ein Fenster im Rücken hat...“
      „Okay, was haben wir...“ zählte Stress auf: „Ein Typ, der unter seinem eigenen Rasenmähertraktor in seinem Hinterhof gefunden wurde – ein Kerl, der zur Hälfte in einem Fahrstuhlschacht klemmte – und einer, der mitsamt seiner Bude wegen Gasaustritt in die Luft flog. Und nun den hier – irgendwas geht hier vor – und ich will wissen, was das ist! Kommt in Wallung, Leute! Der Bürgermeister wird uns die Bude einrennen! Und der Rest auch – das hier ist die Hauptstadt und wir sind die Polizei, verdammte Axt!“
      Wieder im Präsidium genehmigte sich der Commissioner erst mal´ne Tasse von seinem Special Sprit: Kalter Kaffee – übriggeblieben von der Nachtschicht. Authentisch nur ohne Zucker und Milch – das ist was für Weichflöten. Genau, was er jetzt brauchte – Kaffee muss nicht nur stark, sondern auch gemein sein. Das Zeug sah eher als wie altes Motorenöl – und wahrscheinlich schmeckte es auch so: „WOAHH... Yess, man! Da kann man weit nach gucken!“
      Dann wandte sich der Mann dem Papierhaufen zu, der auf seinem Schreibtisch wuchs: „Okay... konnten irgendwelche Gemeinsamkeiten gefunden werden? Es muss irgendwelche Verbindungen zwischen den Kerlen geben... Los, Leute – erst wochenlang nichts, alle freuen sich des Lebens - strahlen wie die Primelpötte und dann innerhalb von 10 Stunden vier Morde in der Nähe des Regierungsdistrikts?“
      „Fünf, Chef.“ kam sein Adjutant rein und hatte ein Handy am Ohr: „Gerade haben sie einen in einem Touristenbus gefunden – mit´nem Schraubenzieher im Genick.“
      „Bald sind´s sechs – dann flieg´ ich nämlich in die Luft!“ fuhr Stress wütend auf, daß seine Kaffeetasse auf dem Boden landete: „Was ist hier los? Das will keiner bemerkt haben? In einem Bus voller Irrer mit Fotoapparaten und verfluchten Kameras?!“
      „Das hab´ ich nicht gesagt – der Typ wurde durch die Rückenlehne gekillt – da muss also einer recht stark sein... Und wie´s der Zufall will, haben einige Touries ausgesagt, daß hinter dem Mann eine Zeitlang eine blonde Afrikanerin saß – ziemlich groß, ziemlich athletisch...“
      „Na, also... Blonde Afrikanerinnen gibt’s ja nun nicht so häufig, schon gar nicht in der Powerhouse-Ausführung! Gebt diese Beschreibung an die Streifen aus – einsammeln, herbringen! Und Vorsicht! Schraubenzieher... was ist das hier? `n fuckin´ Bandenkrieg?“ rieb Commissioner Stress sich die Hände, als ein älterer Herr in grauem Anzug an den Türrahmen des Büros klopfte: „Nein, das ist ein Spionagekrieg. Hier werden gerade Spione und Saboteure ausgeschaltet.“
      Die Beamten sahen den Mann erstaunt an. Dann ihren Chef – und der fragte einfach: „Wer zur Hölle sind Sie denn?“
      „Mr. Tyrone, U.S.-Botschaft...“ begann der ältere Mann und Stress winkte ab: „Okay – Spionagekrieg. Haben Sie Ihre Jungz nicht unter Kontrolle?“
      „Das sind nicht unsere Jungz – es sind Ihre. Und sie machen einen großartigen Job.“ erwiderte Agent Tyrone ungerührt: „Sogar so gut, daß das gesamte Drohnennetzwerk weltweit abgestürzt ist. Und es wäre interessant herauszufinden, wie sie das gemacht haben. Unsere Eierköpfe in Silicon Valley haben nicht den Hauch einer Ahnung...“
      Commissioner Stress stutzte – fing dann breit an zu grinsen und stemmte demonstrativ seine Fäuste in die Hüfte: „Sieh an – da hat also tatsächlich jemand all eure ferngesteuerten Spielzeuge kaputtgemacht... Wenn´s nach mir ginge, würden sie dafür `ne Auszeichnung bekommen, harhar...“
      Weiterhin bewegungslos dastehend erwiderte Agent Tyrone: „Sie missverstehen mich, Sir... weltweit bedeutet: Auch die Drohnen der Inder, der Chinesen, der Briten und Israelis fliegen nicht mehr. Ganz zu schweigen von denen der Russen. Wenn dafür keine plausible Erklärung gefunden wird, könnte es unangenehm werden.“

      Und da stand Aleen nun – auf der neuen Air Force Base nahe der Hauptstadt. Hinter ihr ein junger, irgendwie elegant wirkender Militärpolizist – wahrscheinlich Ägypter. Sie hob die Hände und beobachtete die neuen Avro-Arrow-Stratojäger in all ihrer jungfräulichen Delta-Pracht. Mit ihren massiven Cockpitverkleidungen wirkten sie tatsächlich wie schmale, schlanke Raumschiffe. Aleen bemerkte die Mündung der Pistole in ihrem Rücken, während der Mann sie nervös nach Waffen durchsuchte – und keine fand. Das machte nichts – so ruhig, wie sie da in ihren hellblauen Jeansklamotten vor ihm stand war sehr wohl ersichtlich, daß ihm diese Person körperlich weit überlegen war. Ja – er war nervös. Sogar dermaßen, daß er ganz vergessen hatte, per Funk Bescheid zu geben... was auch Aleen auffiel: „Es besteht kein Grund stolz darauf zu sein, nachts eine Katze entdeckt zu haben, während einen sieben weitere beobachten...“
      „Was?!“ fragte der Mann verdutzt – und rasend schnell hatte Aleen dem Soldaten die Pistole aus der Hand gerissen. Der Anblick seiner geprellten, taub werdenden Hand versetzte ihn genau so in Erstaunen wie diese Riesin mit der auffälligen Sonnenbrille, die wieder regungslos vor ihm aufragte. Er musste unwillkürlich an einen alten Film denken, der Terminator hieß – und dann hatte er auch schon eine Ferse im Genick.
      Sich selber zur Vorsicht mahnend schaffte Aleen den Bewusstlosen in die Schatten – verschnürte ihn mit seinen eigenen Kabelbindern, knebelte ihn und bediente sich am Funkgerät – und der Waffe. Eine vierzehnschüssige Kang 10mmAuto mit integriertem Sechskammerkompensator. Das Copolymergriffstück lag angenehm in der Hand. Wäre aber zu auffällig hier – und zu gefährlich. Sie musste sich beeilen – sie ist dem Kumpel des Kerls aus dem Bus hierher gefolgt und hatte schon den Informanten unplanmäßig `verarzten´ müssen – und Aleen hegte den Verdacht, daß der Typ hier mehr vorhatte, als sich nur umzusehen... Die Treibstoffbunker wären ein lohnendes Sabotageziel – gehen die hoch, würde bald der Rest folgen. Was hatte sie zur Hand – ihr simples Messer. Sie mochte es – es war schmucklos und überzeugte alleine durch die Werkstoffe – guter Stahl – und der Griff ein poliertes Stück hartes Wurzelholz, das wie Tigerauge schimmerte. Das musste für´s Erste reichen. Der Rest würde sich finden. Also machte sie sich auf zu den Betankungsanlagen – dort, wo die Tankfahrzeuge befüllt wurden. Und bald erkannte sie ihn wieder – da war er, dreist in einem orangenen Overall unter all den anderen Leuten – mit einem Werkzeugkoffer dabei. Der Kerl öffnete ungeniert eine Riffelblechluke und kletterte hinunter. Also sah Aleen zu, daß sie unauffällig hinterherkam... die Jeansjacke störte – sie wickelte die Pistole darin ein und versteckte sie unter einem Busch. Nun klemmte sie sich das Funkgerät an den Gürtel, an dem auch das Messer hing und stand da, in Jeans und weißem T-Shirt. Sie ging bestimmt auf die Luke zu, möglichst auffällig sogar – und auf der Hälfte der Strecke tat sie so, als würde sie über das Funkgerät mit jemandem sprechen. Die List funktionierte... Gut, wenn zur Abwechselung mal was klappte – sie war unten. Hier waren die gewaltigen Tanks mit guten sechs Metern Durchmesser und etwa dem Dreifachen an Länge, nur beleuchtet durch funkengeschützte Lampen. Kerosin brennt zwar nicht so leicht, aber man ging gerne auf Nummer Sicher – auch schon wegen etwaiger Dämpfe. Nun musste sie still sein – und konnte tatsächlich die Schritte auf den Stahlgittergängen hören. Sehr gut. Aleen machte sich auf den Weg. Wäre dies ihr Job – Agentin – hätte sie für ihren Geheimdienst schon ein Motto parat. Wer, wenn nicht wir – und wann, wenn nicht jetzt?
      Bekennender Jason-King-Fan.
    • Die temporäre Einsatzzentrale

      ...im Polizeirevier der Innenstadt war sehr improvisiert. Aber Agent Tyrone und Commissioner Stress waren sich einig geworden: Tyrone kriegt Antworten und Stress einen Täter – oder so. Und in der Tat dauerte es nicht lange – und sie waren wieder auf Achse. Selbstverständlich hatte auch die Militärpolizei die Beschreibung bekommen – und denen bot sich ein unterhaltsamer Nachmittag, nachdem sie auf einem Militärflughafen erst mal ihren `indisponierten´ Kollegen befreit hatten...

      Das war das Zweitdümmste, das Aleen je erlebt hatte... Da drapierte der Kerl einen ziemlichen Apparat von Sprengsatz direkt unter einem der mittleren Tanks, weil der fast leer war – und die Gase hätten den Rest erledigt. So gut – so böse. Dann stand er auf – und haute sich den Schädel an einer der oben liegenden Leitungen an, um dann ohnmächtig umzukippen.
      Einfach nur knetendämlich.
      Aleen musste sich beherrschen, um nicht laut loszulachen. Also ging sie rüber, durchsuchte den Typen und fand bei dem Werkzeug eine Rolle Panzertape. Sehr praktisch. Nach einiger Zeit tauchte der gefesselte und geknebelte Kerl in der Bodenluke auf – gefolgt von einer grob rechteckigen Packung aus dem selben silbernen Klebeband, mit dem der Mann so großzügig versorgt worden war. Dann folgte schließlich Aleen nach oben – und stellte fest, was das Erstdümmste war, das sie je erlebt hatte.
      Als sie die Luke schloss und sich dann umsah – wurde sie ganz offensichtlich bereits erwartet. Von den Militärpolizisten, von Zivilbeamten – eigentlich... von so ziemlich jedem, würde sie sagen. Ein großer, breiter Afrikaner mit FlatTop-Frisur und Action-Jackson-Schnurrbart strahlte sie an: „Na, auf die Story bin ich jetzt aber mal echt gespannt!“

      Mal wieder zurück im Polizeirevier belagerten Stress und seine Eingreif-Jungz zur Feier des Tages erst mal den SevenUp-Automaten in der Tiefgarage, während von Aleen Fingerabdrücke, Fotos und alles andere Mögliche und Unmögliche angelegt wurden. Später dann kamen sie in den Vernehmungsraum – und hinter einer getönten Glasscheibe stand der junge, von ihr abgefertigte Mann von der Militärpolizei, der mit einer Beamtin sprach. Aleen konnte sich schon vorstellen, was da lief...
      „Wie ich sehe, sind Sie fertig mit den Formalitäten – sehr schön...“ kam Commissioner Stress rein – und setzte sich an den Tisch, an dem auch Aleen saß – mit auf die Tischplatte geketteten Händen. Stress lehnte sich zurück und meinte lapidar: „Schön, daß wir Sie nun auch zu unserer illustren Kundschaft zählen können – Alter, Großmutter, Zahnfarbe, Haarschnitt – alles katalogisiert.“
      Für Aleen´s Geschmack redete der Mann eindeutig zu viel.
      Und für Stress´ Geschmack redete diese Frau irgendwie... überhaupt nicht. Agent Tyrone sah dem Beamten durch die Glasscheibe zu – nicht ohne eine gewisse Portion Amusement. Er hörte nicht, was der Polizist sagte – wohl aber das, was der Wachmann der Militärpolizei zu sagen hatte – und wie er es sagte. Die Polizeipsychiaterin hörte genau zu – und Agent Tyrone ebenfalls. Er lag also richtig – er kannte diesen Schlag Leute. Da machte es auch keinen Unterschied, daß es sich in diesem Falle um eine Frau handelte – man konnte ja sehen, wie diese Frau geartet war – und zu was sie offenbar in der Lage war. Während Agent Tyrone zuhörte, wie die normale Welt des Wachsoldaten, die im Wesentlichen daraus zu bestehen schien, daß Männer der dominierende Teil der menschlichen Gesellschaft sein sollten, in ihren Grundfesten erschüttert worden war, sah er zu, wie Commissioner Stress sich hinter der Glaswand vor einer ungerührt dasitzenden Hauptverdächtigen in Rage arbeitete - eben weil sie wie ungerührt dasaß, konnte er diese bemerkenswerte Frau nur anerkennend mustern. Da hat jemand an nur einem Nachmittag erstaunlich viel erreicht: Saboteure neutralisiert, Spione ausgeschaltet – und ein heilloses Chaos angerichtet. Und es würde in näherer Zukunft vielleicht noch sehr viel lustiger werden, als die Psychiaterin ein Täter-Opfer-Gespräch vorschlug. Aber zuerst würde Agent Tyrone nach Antworten zum Drohnen-Problem suchen müssen – also ging er in den Vernehmungsraum. Und als er die Tür öffnete, bekamen sowohl der Wachsoldat als auch die Psychiaterin große Augen und heiße Ohren, als sie hörten, was der tobende Commissioner Stress in dem eigentlich schalldichten Raum vor dieser Frau so alles zum Besten gab: „...machen Sie endlich den Schnabel auf! Ich ziehe Ihnen die Rosette lang und mache da einen Seemannsknoten rein, verdammte Tat!“
      „Äußerst bildhaft, Commissioner – aber ich denke, selbst damit werden Sie nicht viel erreichen...“ bemerkte Agent Tyrone beim Eintreten – nicht ohne ein amüsiertes Grinsen zur Schau zu stellen. Dann wandte er sich an Aleen: „Wirklich zuvorkommend von Ihnen, in den Bombenleger zur Abwechselung mal nicht den halben Werkzeugkasten hineingesteckt zu haben – des Commissioner´s Kollegen wickeln ihn gerade aus um ihn zu verhören und ich denke, daß dieses Land Ihnen dankbar sein kann – Sie und Ihre Leute haben erfolgreich eine Sabotageserie abgewendet – so scheint es für´s Erste.“
      Dann lehnte er sich über den Tisch: „Dieses noch junge Land hat sich fest auf die Fahnen geschrieben, als Musterbeispiel für Kultur und Zivilisation auf diesem Kontinent zu gelten – es gibt hier keine Folter. Es ist friedlich hier und wird dies nun auch länger bleiben – wahrscheinlich nicht zuletzt dank Ihnen. Aber nun werde ich Ihnen was sagen – ich suche Antworten und ich bin ziemlich sicher, daß Sie mir welche geben können. Wir haben eine Akte von Ihnen, dank der Polizei hier – aber ich bin mir sicher, daß Sie nicht Miss Stella Mbota aus Ruanda sind. Sie sollten also besser etwas mit mir reden – ansonsten könnten Sie sich in der U.S.-Botschaft wiederfinden. Und da ticken die Uhren anders...“
      „Ja – sie gehen mächtig nach – und das ist nicht nur der geographischen Lage Ihres Landes zu verdanken.“ ging die Tür auf – und eine beeindruckende Afrikanerin in einem maßgeschneiderten, mondänen Geschäftsanzug in Hellbeige betrat den Raum – mit einem Aktenkoffer aus Krokodilleder und einem überaus zuversichtlichen Gesichtsausdruck. Tyrone und Stress musterten die Frau, die locker an der 180cm-Marke kratzte – höchstwahrscheinlich war da etwas Massai in ihrer DNA. Schließlich fragte Stress nach draußen: „HEY! Was ist mit unserer Security los?! Kann hier echt Hinz und Kunz rein – oder wie jetzt?“
      „Wer zur Hölle sind Sie?“ wollte Agent Tyrone wissen – und die Frau lächelte: „Hier bin ich als die Anwältin dieser Dame. Jeder in Zentralafrika hat das Recht auf einen Anwalt – kommt Ihnen das bekannt vor? Wenn Sie Guantanamo Bay mal außer Acht lassen?“
      „Okay, Frau Anwältin. Und was habe ich mir unter Ihnen vorzustellen, wenn Sie mal nicht Anwältin spielen?“ fragte Tyrone mit einem gequälten Lächeln nach – und die Frau lächelte zurück: „Die Justizministerin dieses Landes.“
      Dem Commissioner schien der Unterkiefer aus dem Gesicht zu fallen – und Aleen´s linke Braue zuckte hoch. Die Frau fuhr fort: „Der Innenminister ist interessiert an der Dame – und an dem, was sie so in ihrer Freizeit zu tun scheint. Also half ich ihm aus...“
      „Ich muss erfahren, was diese Person über das Drohnenproblem weiß.“ warf Agent Tyrone ein und die Frau sah den Mann vor sich skeptisch an: „Wie Sie bereits festgestellt haben – dies ist ein Land, das gewisse ethische Grundsätze hochzuhalten versucht. Wir könnten uns inzwischen Drohnen leisten – aber wir tun es nicht. Denn wir haben Sie beobachtet und festgestellt, daß die Zahl derer, die Sie nicht mehr mögen durch Ihre Drohnen und deren Einsatzweise weltweit nicht unsignifikant gestiegen ist. Da sollten Sie vielleicht mal drüber nachdenken.“
      „Stattdessen leisten Sie sich ein nukleares Waffenarsenal.“ bemerkte Tyrone sarkastisch und die Frau lächelte zurück: „Dwight D. Eisenhower.“
      „Was soll das heißen?“ fragte Commissioner Stress und die Justizministerin erklärte ihm: „Seien Sie stets höflich und tolerant – aber seien Sie stets sicher, einen sehr dicken Knüppel für den Notfall parat zu haben. Dummerweise ist die internationale Politik in dieser Hinsicht nicht im Mindesten erwachsener geworden. Agent Tyrone weiß mit Sicherheit, daß das stimmt. Und daß wir damit gut fahren werden – nicht zuletzt dank dieser Frau hier. Und in diesem Falle werde ich meinen Willen durchsetzen – sie kommt mit mir. Lösen Sie endlich diese verdammten Handfesseln – das ist erniedrigend.“
      Schließlich standen Agent Tyrone und Commissioner Stress ziemlich überrollt in dem nun leeren Raum. Der Commissioner kratzte sich im Nacken: „Ich brauch´ jetzt echt´nen Kaffee...“
      „Das ist eine gute Idee.“ stimmte Tyrone zu: „Und ein Satz Kopfschmerztabletten.“
      Bekennender Jason-King-Fan.