Flammpanzer

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  • Flammpanzer
    Panzer oder Panzerfahrzeug, bei dem als primäres oder sekundäres Waffensystem ein Flammenwerfermontiert ist. Grundsätzlich gab es zwei Typen: Einen, bei dem das Flammöl im oder in gepanzerten Behältern auf dem Panzer transportiert wurde und einen, bei dem der Brennstoff in einem gepanzerten Anhänger mitgeführt wurde (z. B. Churchill Crocodile).

    Bereits im Ersten Weltkrieg gab es Pläne, Flammenwerfersysteme in Panzern zu montieren, wahrscheinlich kam aber kein solches Fahrzeug zum Einsatz. In der Zeit zwischen den Kriegen entwickelten vor allem die Italiener und Russen Flammpanzer, die aber bei Beginn des Zweiten Weltkrieges veraltet und kaum noch einsatztauglich waren.

    Alle kriegführenden Nationen stellten Flammpanzer her und setzten diese mehr oder weniger intensiv im Zeitraum 1939-1945 ein. Besonders auf dem pazifischen Kriegsschauplatz erlangten die Flammpanzer des U.S. Marine Corps (meist M 4 Shermans in versch. Versionen) einen Ruf als fürchterliche Waffe beim Kampf gegen stark befestigte Stellungen. In Europa wurden hauptsächlich der britische Churchill Crocodile und der russische OT-34 benutzt. Die Deutschen experimentierten bis zum Kriegsende immer wieder mit einigen verschiedenen Typen, konnten aber letztlich keinen wirklich überzeugenden Flammpanzer entwickeln, auch wenn solche Fahrzeuge in größeren Stückzahlen gebaut und auch eingesetzt wurden.

    Auf deutscher Seite produzierte man allerdings mit dem HANOMAG Sd.Kfz. 251/16 ein bewährtes Halbkettenfahrzeug in respektabler Menge, das mit zwei schwenkbaren Flammdüsen (links und rechts versetzt im Kampfraum) in einem gepanzerten Schutzschild und - zu Beginn - zusätzlich mit einem tragbaren Gerät (Flammenwerfer 41) ausgerüstet war. Dieses Kampffahrzeug hat sich z. B. bei schnellen Gegenstößen in der Normandie oder auch im Osten durchaus bewährt. Auch Beutepanzer wie der frz. B2 wurden zu Flammpanzern umgebaut und verwendet - u. a. bei der Operation "Market Garden" gegen britischen Fallschirmjäger in den Niederlanden oder gegen Partisanen in Jugoslawien. Der am häufigsten gefertigte deutsche Flammpanzer, der sog. "Flammpanzer III" auf Panzer-III-Basis, überzeugte kaum, da die effektive Reichweite der Waffe nicht über 40-45m kam. Der ebenfalls wenig erfolgreiche Vorgänger "Flammpanzer II" wurde gar nur zu Beginn des Russlandfeldzuges benutzt; danach baute man die noch vorhandenen Panzer-Wannen in Selbstfahrlafetten für PAKs um. Der Flammpanzer Hetzer war im Grunde eine recht brauchbare Waffe mit einer Reichweite von gut 50m - 60m, im Vergleich zum Churchill Crocodile mit über 100m Reichweite aber immer noch keine optimale Lösung.

    Gegen Ende des Krieges plante man den Einsatz des Kampfpanzes "Tiger" als überschwerer Flammpanzer (Reichweite des Flammstrahls bis zu 200m und Stickstoffantrieb), über ein Projektstadium mit einem halbfertigen Prototypen kam diese Idee aber wegen der Kriegswirren 1945 nicht hinaus. Hitler persönlich hatte immer wieder auf die Produktion von eher offensiv nutzbaren Flammpanzertypen gedrängt, so etwa beim Bau des bereits o. g. Flammpanzers "Hetzer", der extra für die Ardennen-Offensive aus Hetzer-Jagdpanzern (20 Stck. für zwei Kompanien) umgebaut wurde.


    Die Sowjet-Armee verließ sich zu Beginn des Krieges u. a. auf den KV-8s, eine Flammenwerfer-Version des schweren KV-1 Kampfpanzers. Mit etwa 1000 gebauten Fzg. war der kleinere OT-34 (ein T-34 mit dem ATO 41 oder ATO 42 Flammenwerfer anstatt des Bug-MGs) wahrscheinlich der am meisten produzierte Flammpanzer überhaupt.


    Japan hatte einen etwas kuriosen Pionierpanzer geschaffen, der neben zwei Flammdüsen auch div. Pioniergerät trug. Er reichte in seiner Leistungsfähigkeit und Panzerung weder an alliierte, noch an deutsche Flammpanzer heran. Gebaut wurden nur wenige Exemplare zwischen 1940 und 1941. Möglicherweise gab es auch Feldumbauten auf Basis des weit verbreiteten Typs 97 "Chi-Ha".

    Briten und Kanadier verwendeten neben dem vielseitigen Crocodile (ca. 800 Umbau-Kits hergestellt) noch den Wasp, ein 100m reichendes Flammenwerfersystem auf Basis des sog. "Bren-Carriers". In Kanada entwickelte man zudem noch den "Badger", eine Abart des Rams bzw. Shermans ohne Turm mit einem leistungsstaken Ronson-Flammenwerfer. Vor allem beim Kampf um Brest sollen Flammpanzer entscheidend bei der Einnahme der festungsähnlichen Bauten geholfen haben. Da die Amerikaner in Europa bis auf wenige Exemplare des Sherman Crocodile keine Flammpanzer einsatzfähig hatten, griffen sie immer wieder auf britisches Material zurück. Zunächst hatte man den Einsatz solcher Waffensysteme für völlig überflüssig gehalten. Erst bei den erbitterten Kämpfen um die Pazifik-Inseln standen eine Vielzahl von diesen Spezialfahrzeugen zur Verfügung und sie wurden auch intensiv genutzt. Australien schuf mit dem Matilda Frog eine Abart des schwer gepanzerten Matilda-Kampfpanzers, der im pazifischen Raum eingesetzt wurde. Neben all diesen Typen gab es noch eine ganze Reihe von anderen Fahrzeugen und Panzern mit einem Flammenwerfer, wobei die zahlreichen, improvisierten Feldumbauten gar nicht zu erfassen sind.

    Im Koreakrieg wurden diverse Flammpanzermodelle auf amerikanischer und (weniger) russischer Basis verwendet. Auch im Vietnamkonflikt erlebte der mit Flammenwerfern ausgerüstete Panzer eine Art Renaissance. Auf Basis des M-113 und M-48 entstanden wirkungsvolle, mit Napalm betriebene Waffensysteme mit großer Reichweite. Die US Army verwendete zudem von Flussbooten aus Flammenwerfer und sogar von LKW-Tanks gespeiste Varianten, um ganze Wälder niederzubrennen. Die Russen benutzten angeblich Flammenwerferversionen des T-54 (OT-54) und T-62 (OT-62) noch mehr oder weniger intensiv in Afghanistan bis 1989.

    Die Wirkung dieser Waffenart hing maßgeblich von den örtlichen Gegebenheiten des jeweiligen Schlachtfeldes und von der richrigen Taktik ab. Wegen der vergleichsweise geringen Reichweite des Flammstrahls (je nach Typ zwischen 40m und 170m) waren Einsätze nur dann erfolgreich, wenn der Gegner nicht und nur über unzureichende Panzerabwehr verfügte. So wurden Flammangriffe in aller Regel auch im Gefechtsverbund durchgeführt (mit Kampfpanzern und Infanterie zusammen). Ähnlich wie tragbare Flammenwerfer zogen auch Flammpanzer sofort sämtliches Abwehrfeuer auf sich, da sie für den Angegriffenen eine unmittelbare und vor allem auch extreme psychologische Bedrohung besonderen Ausmaßes darstellten. Besatzungen solcher Kampfwagen konnten im Falle einer Gefangennahme kaum auf Gnade hoffen; von britischen Crocodile-Crews sind angebliche Fälle dokumentiert, nach denen die Soldaten einfach (widerrechtlich) exekutiert wurden. Daneben waren die eher komplex aufgebauten Systeme in oder an den Panzern mit einer Vielzahl von Ventilen, Schläuchen und Druckventilen ziemlich störanfällig und nicht selten schlichtweg unzuverlässig. Darüber hinaus kam es immer wieder zu Unfällen mit dramatischem Ausgang, so explodierte mindestens ein Crocodile gegen Ende des Krieges beim feldmäßigen Befüllen des Flammölanhängers mit dem sog. FRAS (der britischen Version von Napalm). Das Fzg. selbst und ein daneben stehender zweiter Crocodile wurden völlig zerstört. Bei den Besatzungen waren Flammpanzer aus nachvollziehbaren Gründen eher unbeliebt, saßen sie doch auf bis zu 8000 Litern hochenflammbarem Material.

    Heute verwenden die meisten Armeen andere Systeme (Raketenwerfer mit Brandwaffen, z. B. das russ. TOS-1 "Buratino" auf T-72-Gestell), reguläre Flammpanzer sind höchstwahrscheinlich nicht mehr im Einsatz oder zumindest eingemottet.

    Bekannte Flammpanzer:

    L 3 fl. Tankette (Ital.)

    Churchill OKE (nur drei Exemplare, alle bei der Landung in Dieppe 1942 zerstört) (GB)

    Wasp (auf dem Bren-Carrier montiertes System) (GB und Canada)
    Churchill Crocodile (Einsatz in Europa ab Ende 1944) (GB)

    Flammpanzer I (wenige Exemplare, Einsatz in Afrika) (D)

    Flammpanzer II (oft fälschlicherweise als "Flamingo" bezeichnet) (D)

    Flammpanzer III (recht häufig gebaute Variante) (D)

    Flammpanzer 38 (t) "Hetzer" (20 Stück für die Ardennen-Offensive gefertigt) (D)

    Sturmgeschütz III Flamm (vermutlich nur ein Exemplar, Einsatz in Afrika) (D)

    SdKfz. 251/16 (Halbkette mit zwei Flammdüsen, mehrere Versionen, ca. 350 Stück) (D)

    OT 26 (Russ.)

    OT 130 und 133 (Russ.)

    OT 34 (auf Basis des russ. T-34, ca. 1000 Stück) (Russ.)

    KV 8 (Basis KV 1) (Russ.)

    OT 54 (Russ.)

    OT 62 (Russ.)

    M 4 Sherman Flammpanzer (u. a. mit dem kanadischen Ronson-System, div. Versionen, auch mit Anhänger als "Crocodile", so aber nur 4 Ex.) (USA) Siehe dazu auch:

    M 3 "Satan" (USA)

    M 67 "Zippo" Flammpanzer (USA)

    M 132 (auf Basis des M 113) (USA) Siehe dazu auch:

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